: Telegram sperrt 64 extremistische Kanäle

11.02.2022 | 19:56 Uhr
Bei Telegram haben sich auch Rechtsextreme und Querdenker vernetzt. Auf Druck der Bundesregierung hat der Messenger-Dienst nun erstmals solche Kanäle gesperrt.
Beim Messenger-Dienst Telegram tauschen sich auch Rechtsextreme und Querdenker aus.Quelle: imago/Rüdiger Wölk
Nach massivem Druck der Bundesregierung auf Telegram geht das Unternehmen in Deutschland erstmals spürbar gegen Hass und Hetze im Netz vor. Der Onlinedienst habe insgesamt 64 Kanäle gesperrt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Sicherheitskreise. Das Bundesinnenministerium bestätigte dies dem ZDF auf Nachfrage.
Dazu zählen demnach auch die Kanäle des Antisemiten und Verschwörungsideologen Attila Hildmann. Die Schließung sei auf Druck des Bundesinnenministeriums und des Bundeskriminalamts (BKA) zurückzuführen. Das BKA habe entsprechende Löschersuchen an Telegram versandt, berichtete die Zeitung weiter. Insgesamt 64 seien bislang berücksichtigt worden.

Kurz vor Weihnachten 2021: frontal schleust sich in die Telegram-Gruppe „Dresden Offlinevernetzung“ ein - unter den Mitgliedern sind Impfgegner und überzeugte Neonazis. Es geht nicht nur um Kritik an Corona-Maßnahmen.

11.01.2022 | 14:19 min

Bundesregierung und Telegram wollen in Gesprächen bleiben

Am Donnerstag war es demnach zu einem zweiten Gespräch auf Arbeitsebene zwischen Regierung und Telegram gekommen. Die Regierung und das Unternehmen wollten "weiterhin in einem engen Austausch bleiben", hieß es laut "SZ" nach den Gesprächen. Das habe Unternehmensgründer Pavel Durov bereits im ersten Gespräch zugesichert, an dem er selbst teilgenommen habe.
Das Innenministerium fordert seit längerem, dass Hass und Hetze bei Telegram geächtet und entfernt werden. Bislang kam das Unternehmen der gesetzlichen Verpflichtung zum Löschen jedoch nicht nach.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bekräftigte, dass sie im Fall Telegram weiter hart durchgreifen will.
Telegram darf nicht länger ein Brandbeschleuniger für Rechtsextreme, Verschwörungsideologen und andere Hetzer sein.
Nancy Faeser, Bundesinnenministern
"Morddrohungen und andere gefährliche Hassposts müssen gelöscht werden und deutliche strafrechtliche Konsequenzen haben."

Die neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser will stärker gegen Hass und Gewalt auf Telegram durchgreifen. In Gruppen können dort inzwischen bis zu 200.000 erreicht werden.

13.12.2021 | 00:22 min

Faeser: Erfolg des wochenlangen Drucks

Die erste größere Löschaktion des Unternehmens sieht Faeser als Erfolg des wochenlangen Drucks auf Telegram. "Das Bundeskriminalamt hat die Ermittlungen deutlich verstärkt", sagte sie.
Telegram wird unter anderem von radikalen Impfgegnern und Querdenkern genutzt, um sich für sogenannte Spaziergänge gegen die Corona-Maßnahmen zu vernetzen. Der Thüringer Verfassungsschutz hatte zuletzt etwa beklagt, dort würden besonders viele Umsturzfantasien verbreitet. Auf der Plattform tummelten sich auch zahlreiche Rechtsextremisten.
Quelle: AFP

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