: Mit Übersetzungs-App die Flucht angetreten

05.08.2021 | 20:14 Uhr
Nach tagelangen Strapazen ist die belarussische Athletin Kristina Timanowskaja in Polen in Sicherheit. Nun gibt sie erschreckende Details ihrer Flucht bekannt.
Kristina Timanowskaja bei der Pressekonferenz in Warschau: "Ich hoffe, dass wir hier bleiben können."Quelle: dpa
"Hier fühle ich mich sicher" - die 24-jährige belarussische Olympia-Athletin Kristina Timanowskaja ist während der Pressekonferenz in Warschau sichtlich erleichtert. Auch ihr Mann Arseni Sdanewitsch sei bereits mit dem Auto auf dem Weg nach Polen und werde am Abend erwartet, sagte sie. Gemeinsam werde das Ehepaar entscheiden, wie es längerfristig weitergehe.
Sie dankte allen, die bei der Ausreise geholfen hatten. Für Freitag sei ein Treffen mit dem polnischen Sportminister Piotr Glinski geplant, bei dem Möglichkeiten ihrer weiteren sportlichen Laufbahn in dem EU-Land erörtert werden sollten.
Ich hoffe, dass wir hier bleiben können, dass ich meine Karriere fortsetzen und dass mein Mann hier Arbeit finden kann.
Kristina Timanowskaja
Den internationalen Reportern schilderte die junge Frau außerdem weitere Details ihres olympischen Alptraums, den sie nach kritischen Äußerungen an belarussischen Sportfunktionären in Tokio durchlebte.
Wegen Sicherheitsbedenken wurde die Flugroute der belarussischen Olympia-Sprinterin Timanowskaja geändert. Sie fliegt jetzt zunächst nach Wien.

Mit Übersetzungs-App zum Flughafen: "Ich brauche Hilfe"

Es sei ihre Großmutter gewesen, die ihr am Telefon geraten habe, sich gegen die erzwungene Rückkehr nach Belarus zu wehren, erzählte die junge Frau. Diese habe im belarussischen Staatsfernsehen gesehen, wie "schlechte Dinge" über Timanowskaja gesagt worden seien.
Am Flughafen habe sie daraufhin den Polizisten ihr Handy hingehalten. Mit einer Übersetzungs-App habe sie einen Satz ins Japanische übersetzt: "Ich brauche Hilfe!" Später wurde Timanowskaja auf eine Polizeiwache gebracht und später in die Botschaft Polens, die ihr ein humanitäres Visum ausstellte.

Timanowskaja hatte ihren Trainer öffentlich kritisiert

Schließlich wurde sie am Mittwoch unter hohen Sicherheitsvorkehrungen über Wien nach Warschau geflogen. Timanowskaja wirft den Behörden ihres Heimatlandes vor, sie hätten sie aus Tokio entführen wollen. Zuvor hatte sie ihre Trainer öffentlich dafür kritisiert, sie bei den Olympischen Spielen ohne vorherige Rücksprache kurzfristig für einen 400-Meter-Lauf eingeplant zu haben.
Fast ein Jahr nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl versucht Lukaschenko die Protestbewegung im Land brutal zu ersticken. Der Kritikerin Kolesnikowa droht jahrelange Haft.
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell zeigte sich erleichtert über Timanowskajas sichere Ankunft in Europa. "Dennoch ist eine weitere stolze Belarussin aufgrund der Handlungen des Lukaschenko-Regimes gezwungen worden, aus ihrem eigenen Land zu fliehen", schrieb Borrell auf Twitter.
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bei Twitter

Timanowskaja sorgt sich um Familie in der Heimat

Der ebenfalls nach Polen geflohene belarussische Oppositionelle Pawel Latuschko nannte Timanowskajas Fall eine "schockierende und dramatische Situation". Genau wie Hunderttausende Belarussen vor ihr sei sie zum Opfer der Repressionen des Staatsapparats von Machthaber Alexander Lukaschenko geworden, erklärte er.
Sie selbst sorge sich um ihre Eltern, die in Belarus zurückgeblieben seien, erklärte die Athletin Timanowskaja. "Vor allem, weil mein Vater krank ist. Er hat Herzprobleme und in den vergangenen Tagen hat sich sein Gesundheitszustand verschlechtert." Auf die Frage, wann sie sich eine Rückkehr in ihre Heimat vorstellen könne, antwortete sie:
"Sobald ich weiß, dass mein Aufenthalt dort ein sicherer ist."
Quelle: dpa

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