: Treffen auf Augenhöhe in Ankara?

06.04.2021 | 23:42 Uhr
EU-Kommissionschefin auf der Couch: Die Sitzordnung beim Treffen von Präsident Erdogan und den EU-Spitzen in Ankara sorgt in den Sozialen Medien für Irritationen.
Die Dame auf dem Sofa, die Herren beieinander auf den Stühlen: Die Sitzordnung bei Erdogan sorgt für Kritik.Quelle: dpa
EU-Ratspräsident Charles Michel bekommt einen großen Stuhl direkt neben Präsident Recep Tayyip Erdogan, auf Augenhöhe sozusagen, während EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in einiger Entfernung auf dem Sofa Platz nehmen muss. Dort saß sie dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu gegenüber, der ebenfalls an dem Gespräch am Dienstag teilnahm.
ZDF-Korrespondent Stefan Leifert twittert:
Die Sitzordnung beim Treffen des türkischen Präsidenten mit den EU-Spitzen in Ankara hat in sozialen Medien für Irritationen und Kritik gesorgt.
Unter anderem auf Twitter wurde danach daran erinnert, dass der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei Treffen mit Erdogan auf Augenhöhe sitzen durfte. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir kommentierte: "Solche Zeichen setzen autoritäre Unterdrücker & Machos wie Putin, Erdogan & Co bewusst. (...) Kann man sich gefallen lassen, muss man nicht. Respekt bekommt man so jedenfalls nicht bei den Herren!"

EU-Kommission: "Sehr offene Diskussion über Frauenrechte"

In der EU-Kommission wurde unterdessen darauf verwiesen, dass von der Leyen das Treffen mit Erdogan genutzt habe, um mit ihm eine lange und sehr offene Diskussion über Frauenrechte und den Rückzug der Türkei aus der Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt zu führen. Offene Kritik an der Sitzordnung gab es zunächst allerdings nicht. Als ein Grund gilt, dass Michel als Präsident des Europäischen Rates in der protokollarischen Rangordnung über der EU-Kommissionspräsidentin steht.
Bei dem Treffen mit Erdogan wollten die EU-Spitzen am Dienstag einen möglichen Ausbau der Beziehungen zur Türkei ausloten. Hintergrund sind Beschlüsse des EU-Gipfels vor eineinhalb Wochen. Bei ihm hatten sich die EU-Staats- und Regierungschefs darauf verständigt, die Beziehungen zur Türkei schrittweise wieder auszubauen. Mit dem Beschluss will die EU die Eskalation weiterer Konflikte abwenden.
In der Migrationspolitik und besonders im Rahmen des 2016 abgeschlossenen Migrationsdeals mit Ankara zählt die EU unter anderem auf die Türkei als Partnerin, um Geflüchtete an der Weiterreise in Richtung Europa zu hindern. Im vergangenen Jahr hatte sich zudem der Streit zwischen Griechenland und der Türkei wegen umstrittener Erdgasforschung Ankaras im östlichen Mittelmeer gefährlich zugespitzt. Die EU hatte der Türkei im Dezember scharfe Sanktionen angedroht. Ankara beendete später die umstrittenen Erdgaserkundungen und signalisierte Gesprächsbereitschaft.
Quelle: dpa

Mehr zur Türkei und der EU