Interview

: "Opposition so nah an Sieg wie lange nicht"

08.05.2023 | 01:11 Uhr
In einer Woche wählt die Türkei. Umfragen prognostizieren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. So wahrscheinlich sei ein Machtwechsel lange nicht gewesen, sagt Grünen-Politiker Özdemir im ZDF.

Bei der Wahl in der Türkei werde neben dem Präsidenten auch das Parlament neu gewählt, betont Cem Özdemir. "So nah an dem Sieg" sei die Opposition "schon lange nicht mehr" gewesen.

07.05.2023
Nach Einschätzung von Cem Özdemir (Grüne) ist die Opposition bei der bevorstehenden Türkei-Wahl einem Sieg so nahe wie seit Jahren nicht mehr. "Alle Umfragen sagen das voraus", sagte er am Sonntagabend im ZDF heute journal.
Gleichzeitig machte der Bundesagrarminister, der selbst türkische Wurzeln hat, die enorme Bedeutung der zum Wählen aufgerufenen Menschen in Deutschland deutlich:
Wer hätte gedacht, dass die Stimmen aus Deutschland mal so wichtig sein würden für Erdogan.
Cem Özdemir, Die Grünen

Vor der Türkei-Wahl deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an. Das Sechs-Parteien-Bündnis um Herausforderer Kilicdaroglu verspricht, Demokratie und Meinungsfreiheit zurückzubringen.

07.05.2023

Özdemir: Nicht alle "Türkei-Stämmigen" sind Pro-Erdogan

Gleichzeitig warnte er vor dem Narrativ, dass die Mehrheit der "Türkei-Stämmigen" hierzulande alle Pro-Erdogan seien. "Da muss man ein bisschen aufpassen." So gebe es 3,5 Millionen Menschen mit türkischem Hintergrund in Deutschland, davon seien "überhaupt nur 1,5 Millionen in der Türkei wahlberechtigt".
Von denen wiederum sind bei der letzten Wahl 45 Prozent wählen gegangen. Davon wiederum haben 65 Prozent Erdogan gewählt.
Cem Özdemir, Die Grünen
"Das relativiert wieder ein bisschen das Bild, dass alle Türkei-Stämmigen pro Erdogan wären." Auch er selbst sei türkischer Herkunft, habe aber keinen türkischen Pass. "Ich kann in der Türkei nicht wählen. Und davon gibt es eine ganze Menge."

Kritische Stimmen zu Menschen, die im Ausland leben und wählen

Aus der Türkei höre er aber auch kritische Stimmen dazu, dass Menschen, die in Deutschland leben, bei der Wahl abstimmen dürfen. Es würde sich die Frage gestellt: "Ist das fair, dass Leute, die gar nicht die Konsequenzen ihres Wahlentscheids aushalten müssen, bestimmten darüber, was in einem anderen Land - in der Türkei - passiert?"
Bei der Parlaments- und Präsidentenwahl am 14. Mai zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Amtsinhaber Erdogan und seinem Herausforderer Kilicdaroglu ab. Der Wahlkampf ist aufgeheizt. Eine Woche vor der Wahl hatte Erdogan seinen Kontrahenten als "Säufer" beschimpft. Ein Oppositioneller wurde mit Steinen beworfen.
Sehen Sie das Gespräch mit Cem Özdemir in voller Länge oben im Video.
Quelle: ZDF, dpa

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