: Moskau fordert schnelle Antwort des Westens

14.01.2022 | 12:40 Uhr
Russland fordert eine schnelle Antwort des Westens auf seine Forderung nach Sicherheitsgarantien. Die USA signalisieren derweil, auf eine russische Aggression vorbereitet zu sein.
Will es schriftlich: Russlands Außenminister Sergej LawrowQuelle: dpa
Russland macht bei seiner Forderung an die USA und die Nato nach Sicherheitsgarantien Druck. Man werde nicht ewig auf eine Antwort warten, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau.
Seine Regierung bestehe auf eine schriftliche Antwort aus Washington und Brüssel, in der auf jede einzelne Forderung Russlands eingegangen werden müsse. Sollten einzelne Punkte abgelehnt werden, erwarte er dazu eine Erklärung.
"Die neuen Sanktionsandrohungen sind hier sehr negativ aufgefasst worden", so Christian Semm, ZDF-Korrespondent in Moskau nach dem EU-Treffen in Brest.

USA: Sind auf alles vorbereitet

Nach Angaben von Jake Sullivan, dem Nationalen Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, sind die USA auf alle Eventualitäten im Ukraine-Konflikt eingestellt.
Sullivan erklärte in Washington: "Wir sind bereit, am Verhandlungstisch Fortschritte zu machen (...) " Zugleich warnte Bidens Sicherheitsberater:
Und wir sind bereit, die notwendigen und angemessenen Schritte zu unternehmen, um unsere Verbündeten zu verteidigen, (...) und robust auf jegliche Aggression zu reagieren, die auftreten könnte.
Jake Sullivan, US-Sicherheitsberater
Beim Treffen der EU-Außenminister in Brest ringt die EU um ihre Rolle im Konflikt mit Russland.

USA: Russland kann zurück an den Tisch kommen

"Die Nachrichtendienste haben keine Einschätzung abgegeben, dass die Russen endgültig beschlossen haben, in der Ukraine militärisch vorzugehen", sagte Sullivan weiter. "So wie die Dinge im Moment stehen, hat Russland die Möglichkeit, an den Tisch zu kommen."
Der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow hatte zuvor betont, er sehe nach der Krisen-Diplomatie der vergangenen Tage unter anderem in Genf vorerst keine Notwendigkeit für weitere Gespräche.
In Brest hat Außenministerin Annalena Baerbock für eine Fortsetzung der Gespräche mit Russland geworben.

Westen besorgt über Truppenaufmarsch

Den Westen treibt angesichts eines massiven russischen Truppenaufmarschs an der Grenze zur Ukraine die Sorge um, dass Russland nach der Annexion der Krim 2014 derzeit einen Einmarsch im Nachbarland vorbereitet. Dies weist der Kreml kategorisch zurück.
Gleichzeitig fordert er von den USA und der Nato Abkommen, mit denen eine Osterweiterung der Nato sowie die Errichtung von US-Militärstützpunkten in Staaten der ehemaligen sowjetischen Einflusssphäre untersagt werden sollen.

USA sagen Ukraine Unterstützung zu

US-Verteidigungsminister Austin versicherte seinem ukrainischen Kollegen Oleksij Resnikow in einem Telefonat die "unerschütterlichen Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine (...)."
Beim Treffen der EU-Außenminister in Brest ringt die EU um ihre Rolle im Konflikt mit Russland: Die USA, die Nato und die OSZE verhandeln mit Moskau – Brüssel ist außen vor.
Ein Sprecher Austins betonte, dass der russische Truppenaufmarsch an der Grenze den USA weiter große Sorgen bereite.

Klitschko: Ukraine braucht Waffen aus Deutschland

Angesichts der Gefahr vor einem russischen Angriff auf die Ukraine erwartet der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, Unterstützung auch der Bundesregierung. Deutschland zögere aber, sein Land mit Abwehrwaffen zu beliefern - nach seiner Ansicht aus Angst, Russlands Präsident Wladimir Putin weiter zu provozieren. "Diese Position ist schwer zu verstehen", sagte er "Bild".
Zu den Verhandlungen zwischen den USA und Russland über die Sicherheit der Ukraine ohne direkte Beteiligung seines Landes sagte er, dies sei ein Schlag ins Gesicht. "Wie kann das sein?" Klitschko sagte weiter:
Wenn die USA und Europa (Putin) erlauben, die Ukraine anzugreifen, wird er nicht bei der Ukraine Halt machen. Dann wird Putin sein Augenmerk auf die baltischen Staaten richten.
Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew
Er fügte an: "Und wenn er von seinem Wunsch spricht, das Sowjetimperium zurückzugeben, dann schließt das auch die ehemalige DDR ein. Daher sollte die Kriegsdrohung gegen die Ukraine jeden Deutschen alarmieren."
Quelle: dpa, AFP, Reuters

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