"Es ist dein Job, über dein Ego hinauszudenken"

16.11.2020 | 12:41 Uhr
Ex-US-Präsident Obama fordert seinen Nachfolger Donald Trump auf, seine Wahlniederlage einzugestehen. Er missachte ansonsten die fundamentalen Normen der Demokratie.
Quelle: epa"Das Land an erster Stelle": Ex-US-Präsident Obama
Der frühere US-Präsident Barack Obama hat Amtsinhaber Donald Trump aufgefordert, seine Niederlage bei der US-Wahl einzugestehen. "Ich denke nicht, dass er Erfolg damit haben wird, die Realität zu leugnen", sagte Obama dem Hörfunksender NPR.
Obama erklärte, nach seiner Wahl ins höchste Amt der USA im Jahr 2008 habe die Regierung seines Vorgängers George W. Bush trotz der politischen Differenzen einen reibungslosen Übergang ermöglicht. "Das bedeutete, dass wir sofort voll einsatzfähig und in der Lage waren, effektiver zu reagieren." Dies sei daher ein weiteres Beispiel dafür, wie "Donald Trumps Missachtung grundlegender demokratischer Normen dem amerikanischen Volk schadet".
Der Präsident begeht eine "Schurkentat", sagt Michael Steele, ehemaliger Vorsitzender der Republikanischen Partei. "Er verhindert den Übergang der Macht."

Obama: Ein Präsident ist Diener des Staates

Zudem erinnerte der 59-Jährige Trump an die Funktion seines Amtes. Als Präsident sei man Diener des Staates und nur zeitweise Bewohner des Weißen Hauses, sagte Obama in einem anderen Interview des Senders CBS.
Wenn deine Zeit um ist, ist es dein Job, dein Land an die erste Stelle zu stellen und über dein Ego, deine eigenen Interessen und deine eigenen Enttäuschungen hinauszudenken.
Ex-US-Präsident Barack Obama
Sein Rat an Präsident Trump: "Wenn du in dieser späten Phase des Spiels als jemand in Erinnerung bleiben willst, der das Land vorangestellt hat, ist es Zeit für dich, genau das zu tun", so Obama weiter.

Republikaner sollten selbstbewusster auftreten

Es beunruhige ihn, dass sich nicht mehr republikanische Führungskräfte klar für eine zügige Übergabe ausgesprochen hätten, denn "die Zeit, die in diesem Übergangsprozess verloren geht, hat Auswirkungen auf die reale Welt", sagte der Demokrat Obama weiter. "Wir befinden uns mitten in einer Pandemie. Wir befinden uns mitten in einer Wirtschaftskrise. Wir haben ernste Fragen, was die nationale Sicherheit angeht."
Obama kritisierte auch diejenigen Republikaner, die Trumps falsche Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug mittragen. "Mich beunruhigt mehr die Tatsache, dass andere republikanische Beamte, die es eindeutig besser wissen, sich dem anschließen und ihm auf diese Weise nachgeben. Es ist ein weiterer Schritt zur Delegitimierung nicht nur der neuen Biden-Regierung, sondern der Demokratie im Allgemeinen. Und das ist ein gefährlicher Weg", sagte Obama mit Bezug auf den Sieger der Wahl, den Demokraten Joe Biden, der sein Vizepräsident war.
Donald Trump glaubt weiter an einen Wahlsieg:
Bisher stoßen diese nachdrücklichen Aufforderungen bei Trump auf taube Ohren: Erst ist der Nacht zu Montag bekräftigte der US-Präsident auf Twitter: "Ich habe gewonnen!" Twitter unterlegte den Beitrag mit einem Warnhinweis.
Quelle: dpa, AP

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