Republikaner verlieren Hunderte Unterstützer

14.01.2021 | 17:20 Uhr
Die Sorge der Republikaner wächst mit jeder Eintragslöschung: Nach dem Angriff von Trump-Anhängern auf das US-Kapitol wenden sich einige von der Partei ab.
Hunderte Republikaner kehren der Partei den Rücken - die Gründe sind unklar, aber die Partei ist in Unruhe.Quelle: Imago
Ethan Demme war einst Chef der republikanischen Partei in Lancaster County im US-Staat Pennsylvania. Aber jetzt hat er der Partei den Rücken gekehrt: Binnen 36 Stunden nach dem Angriff auf das Kapitol am 6. Januar ließ er seine Registrierung als Republikaner löschen und sich als Unabhängiger eintragen. Und er war nicht der Einzige in diesem Bezirk, der sich von der Partei löste. Insgesamt 112 Republikaner setzten sich in dieser kurzen Zeitspanne ab.

Republikaner-Austritt steigen seit Angriff aufs Kapitol

"Von dem Moment an, als sie damit anfingen, das (Präsidentschafts-)Wahlergebnis zu leugnen, wusste ich irgendwie, dass es in diese Richtung geht", sagt Demme. "Ich wusste, dass es für mich kein Weg geben würde, so weiterzumachen, wenn sie so weitermachen würden."
Die Entwicklung in Lancaster ist kein Einzelfall. In Cumberland County, ebenfalls in Pennsylvania, ließen seit dem Sturm aufs Kapitol 179 eingetragene Republikaner ihren Eintrag löschen, In Linn County in Iowa waren es 40. 
Der Sturm auf das Kapitol durch Trump-Anhänger wird zur Zerreisprobe für die Republikaner, erklärt Benjamin Daniel.

Viele geben Republikanern eine Mitschuld

In den USA können sich Wähler für eine Partei oder auch als Parteilose eintragen lassen, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie am Ende bei Wahlen auch ihre Stimme entsprechend abgeben oder dass sie überhaupt wählen gehen. Aber wie viele Wähler für wen registriert sind, ist eine Art Gradmesser für die Stärke einer Partei, und so bemühen sich auch Republikaner und Demokraten vor Wahlen gleichermaßen, möglichst viele Wähler für ihre Partei zu registrieren.
US-Präsident Donald Trump wird angelastet, den Aufruhr angestachelt zu haben, bei dem es in der vergangenen Woche fünf Tote gab. Kritiker geben auch republikanischen Kongressmitgliedern eine Mitschuld: Viele von ihnen sind Trumps völlig grundlosen Vorwürfen eines massiven Wahlbetrugs gefolgt und haben versucht, dem legitimen Wahlgewinner Joe Biden den Sieg zu nehmen. 

Motive sind unklar

Die Absetzbewegung verblasst zwar, wenn man bedenkt, dass bei der Wahl im Dezember 74 Millionen Menschen für Donald Trump stimmten. Auch ist es unklar, ob alle, die sich bislang abwendeten, von den gleichen Motiven getrieben wurden. Manche mögen insgesamt politikmüde geworden sein, andere sich vielleicht nicht mehr mit einer Partei identifizieren wollen, die - wie sie befürchten - nicht mehr so Trump-loyal wie früher ist.
Aber die Entwicklung ist immerhin ein frühes Anzeichen für die Unruhe, mit der es die Republikaner nach dem Angriff aufs Kapitol zu tun haben. "Ich glaube, es gibt eine spürbare Verschiebung, von einer automatischen Verteidigung des Präsidenten hin zu einem 'damit ist er zu weit gegangen'", sagt Kirk Adams, früherer republikanischer Vorsitzender des Abgeordnetenhauses im US-Staat Arizona.

Parteifunktionäre besorgt

Adams kennt nach eigenen Angaben mehrere Leute, darunter einst unerschütterliche Trump-Unterstützer, die ihre Parteiregistrierung geändert haben. Es werde aber wohl Wochen oder Monate dauern, bis das volle Ausmaß der Folgen der Ereignisse vom 6. Januar klar sei.
Führende Parteifunktionäre in allen Teilen des Landes sind schon jetzt besorgt. Zwar dauert es noch fast zwei Jahre bis zur nächsten großen Abstimmung, der Kongresswahl, aber die Republikaner können sich nicht einmal kleine Verluste an Gefolgschaft erlauben, nachdem sie im Zuge der November-Wahl sowohl die Präsidentschaft als die Mehrheit im Senat verloren haben.
Quelle: Marc Levy, Thomas Beaumont und Nicolas Riccardi, AP

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