"Es kann nicht sein, dass Trump verloren hat"

von Alica Jung, Washington
15.11.2020 | 06:21 Uhr
Auch nachdem klar ist, dass Joe Biden die Präsidentschaftswahl gewonnen hat, leugnen Donald Trump und seine Fans das Ergebnis. Dass Biden gewonnen hat, mag dort keiner hören.
Quelle: ap"Wir wollen Trump": Zehntausende sind in Washington für den amtierenden US-Präsidenten auf die Straße gegangen.
Donald Trumps vierjährige Präsidentschaft begann mit den sogenannten "alternativen Fakten". Damals wollte Trumps Beraterin Falschaussagen über die Zuschauerzahl während seiner Amtseinführung rechtfertigen. Nun endet seine Präsidentschaft mit einer kompletten Leugnung von Fakten. Auch nachdem am Freitag bekannt wurde, dass Joe Biden die US-Wahl nach Auszählung aller Staaten mit 306 zu 232 Wahlleuten gewonnen hat, weigern sich Trump und seine Fans, das Ergebnis anzuerkennen.

Demo in Washington: "Wir wollen Trump"

Deshalb sind sie in die Hauptstadt gekommen, ungefähr 10.000 Anhänger*innen, um ihrem Präsidenten zu zeigen, dass sie hinter ihm stehen. "Wir wollen Trump", rufen seine Fans, und "hört auf zu stehlen".
Sie sind fest davon überzeugt, dass Joe Biden und die demokratische Partei nicht auf rechtmäßigem Weg gewonnen haben können. Ihre Argumente dafür sind aber recht dünn. "Auf gar keinen Fall hat er gewonnen. Man kann nicht aus einem Keller heraus Wahlkampf machen und am Ende mehr Stimmen als Hillary Clinton und Barack Obama damals bekommen", meint Tracy, die einen "Frauen für Trump" Button trägt.
Trump-Fans haben in Washington für den Präsidenten demonstriert. "Vier Jahre mehr!", riefen sie unter anderem Trump zu, der im gepanzerten Fahrzeug vorbeifuhr.

Dass Biden gewonnen hat, mag niemand hören

Fakt ist: Die Wahlbeteiligung bei dieser Wahl war enorm hoch. Trump erhielt fast 73 Millionen Stimmen, das wird hier immer betont. Mit einer solchen hohen Stimmenanzahl könne er doch gar nicht verlieren, meinen die Fans. Doch, das kann er, denn Joe Biden hat mehr als 78 Millionen Stimmen bekommen und insgesamt eine höhere Anzahl von Wahlleuten.
Darauf angesprochen, hören die Fans weg. Der Freedom Plaza, auf dem sie sich versammelt haben, ist ein Meer aus USA- und Trump-Fahnen. Patriot sein, darauf kommt es hier an, Trumps "Amerika kommt zuerst"-Botschaft der letzten Jahre kam gut an und hat diese Menschen zu seinen treuesten Anhänger*innen gemacht.
In der Rede am Weißen Haus ging es eigentlich um den Corona-Impfstoff. Doch eine kurze Abweichung vom Manuskript steht stattdessen im Vordergrund.

Trump schaut nur kurz vorbei

Es gehe um ihre Freiheit, diese sei in Gefahr, kein Satz wird hier öfter wiederholt. Mit Freiheit meinen sie vor allem, das Recht Waffen zu tragen. Trump hat über Jahre Ängste im Land geschürt, dass die Demokrat*innen Waffenbesitz verbieten wollten, auch wenn es eigentlich nur um eine stärkere Kontrolle geht.
Als die sogenannten "Proud Boys" während des Protests aufmarschieren, gibt es Applaus und aufgeregtes Getuschel. Sie sind als gewaltbereit bekannt und heute hier um "aufzupassen", wie sie es selbst nennen. Sie haben Helme dabei, um "auf alles vorbereitet zu sein". "Alles", das bedeutet eine Auseinandersetzung mit Gegenprotestlern.
Nur kurz fährt Trump an den Fans vorbei und winkt aus dem Auto, aber bei Twitter teilt er den ganzen Tag über Bilder des Protests, "wir werden gewinnen" schreibt er. Egal wie aussichtlos das scheint, die Fans glauben auch daran.
Quelle: dpa"Wir werden gewinnen": Trump zeigt sich seinen Unterstützer*innen bei der Demo in Washington.
Die Liberalen und das Biden-Team versuchten die Wahrnehmung zu kreieren, dass Biden der gewählte Präsident sei, "das ist er aber nicht und dagegen kontern wir, indem wir die Wahrnehmung kreieren, dass Donald Trump der rechtmäßige Präsident ist", sagt Demonstrantin Gabrielle.
Es ist tatsächlich eine ganz eigene Wahrheit in einer Art Parallelwelt. Dies hat mit Fakten wirklich nichts mehr zu tun.
Der Autorin auf Twitter folgen @Alica_Jung.

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