Trump kündigt Rückzug an

27.11.2020 | 06:26 Uhr
US-Präsident Trump spricht weiter von "massivem Wahlbetrug". Doch nun kündigte er an, er werde das Weiße Haus räumen, wenn das Wahlkollegium Joe Biden zum Präsidenten wählt.
Quelle: ReutersUS-Präsident Trump gesteht seine Wahlniederlage noch immer nicht ein.
US-Präsident Donald Trump ist noch immer der Ansicht, er habe die Präsidentschaftswahlen nur verloren, weil er Opfer einer großangelegten Verschwörung wurde. Dennoch spricht der amtierende Präsident nun erstmals vom bevorstehenden Abschied aus dem Weißen Haus.
Er würde den Amtssitz räumen, wenn das Wahlkollegium für den Demokraten Joe Biden als nächsten US-Präsidenten stimmen sollte, sagte Trump nach einer Videoschalte mit US-Soldaten im Ausland anlässlich des Feiertags Thanksgiving (Erntedankfest).

Trump: Niederlage wäre "sehr hart"

Gleichwohl würde er es angesichts des "massiven Wahlbetrugs" für einen "Fehler" halten, Biden zu wählen, betonte Trump. Es wäre "sehr hart", eine Niederlage einzuräumen, sagte Trump.
Donald Trump drohen nach Ende seiner Amtszeit als US-Präsident im Januar etliche Prozesse. Ihm werden unter anderem Steuerhinterziehung und sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Präsident zweifelt an US-Wahlinfrastruktur

Trump sagte, er finde es nicht richtig, dass Biden bereits ein Kabinett zusammenstelle. Mit Blick auf seine Behauptungen zum angeblichen Wahlbetrug sagte er, die Wahlinfrastruktur der USA sei wie in einem "Land der Dritten Welt". Auch Tote hätten abgestimmt, behauptete er.
Windige Beamte in den umkämpften Staaten Pennsylvania und Georgia, die zum Sieg Joe Bidens beitrugen, seien "Staatsfeinde" und Mitkomplizen bei Manipulationen gewesen, behauptete Trump weiter. Es war das erste Mal seit dem Wahltag am 3. November, dass er sich den Fragen von Journalisten stellte.

Trump plant wieder Kundgebungen

Der Republikaner hat bislang allerdings keine Beweise für den angeblichen Wahlbetrug vorgelegt. Er weigert sich weiterhin, Bidens Sieg anzuerkennen:
Das war eine manipulierte Wahl. 100 Prozent.
Donald Trump, US-Präsident
Trump kündigte unterdessen an, im Südstaat Georgia eine Kundgebung mit Tausenden Anhängern abhalten zu wollen, um den republikanischen Senatoren David Perdue und Kelly Loeffler den Rücken zu stärken.
"Donald Trump geht es um Donald Trump", sagt die Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook. Deshalb wird es in Zukunft heißen: "Make Donald Trump great again".
Die beiden müssen sich am 5. Januar Stichwahlen gegen ihre demokratischen Herausforderer stellen. Die Abstimmungen sind extrem wichtig, da sie die künftigen Machtverhältnisse im Senat in Washington bestimmen werden.

Biden-Wahl ist nur noch eine Formalie

Formell gewählt wird der US-Präsident von einem durch die Bundesstaaten besetzten Kollegium von Wahlleuten. Hier liegt Biden dem Datenanbieter Edison Research zufolge mit 306 Wahlleuten vor Trump mit 232. Für einen Sieg werden mindestens 270 Wahlleute benötigt. Die Wahlleute sollen am 14. Dezember ihre Stimmen abgeben.
Das Ergebnis der Abstimmung wird allerdings erst am 6. Januar bekanntgegeben. Beide Schritte gelten angesichts der längst bekannten Wahlergebnisse als Formalien. Biden (78) soll dann am 20. Januar als neuer Präsident vereidigt werden.
Quelle: AP, AFP, dpa

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