: USA: Drei Weiße wegen Mordes verurteilt

24.11.2021 | 21:55 Uhr
Im Februar 2020 war der Afroamerikaner Ahmaud Arbery in den USA beim Joggen erschossen worden. Die drei angeklagten Weißen sind nun wegen Mordes verurteilt worden.
Demonstranten vor dem Glynn County Courthouse.Quelle: Stephen B. Morton/AP/dpa
Im Prozess um den Tod des Schwarzen Ahmaud Arbery im US-Bundesstaat Georgia sind die drei Angeklagten wegen Mordes verurteilt worden. Die Geschworenen befanden den 35-jährigen Todesschützen sowie seinen Vater und seinen Nachbarn des Mordes schuldig. Den drei Männern droht lebenslange Haft. Das Strafmaß wird noch festgelegt.
Im Prozess argumentierte die Staatsanwaltschaft, dass die Angeklagten die Konfrontation mit Arbery überhaupt erst provoziert hätten. Ihre Verteidiger sagten hingegen, ihre Mandaten hätten in Notwehr gehandelt.

Arbery mit dem Auto verfolgt und erschossen

Greg M. und sein Sohn Travis ergriffen Gerichtsakten zufolge am 23. Februar 2020 ihre Waffen, sprangen in einen Pickup-Truck und verfolgten den 25 Jahre alten Arbery, der in ihrer Nachbarschaft nahe der Hafenstadt Brunswick joggte. William B., ein Nachbar der beiden Männer, schloss sich der Hatz in seinem eigenen Wagen an und filmte mit seinem Handy, wie Travis M. Arbery erschoss.
Arberys gewaltsamer Tod war zunächst nicht strafrechtlich verfolgt worden und hatte auch in der Öffentlichkeit keine Aufmerksamkeit erregt. Erst als nach mehr als zwei Monaten das Handy-Video von B. online auftauchte, in dem zu sehen war, wie Arbery mit drei Schüssen aus einem Schrotgewehr getötet wurde, übernahm die Staatspolizei Georgias den Fall von der kommunalen Polizei.
Kriminalpolizisten verhafteten zwei Verdächtige - Vater und Sohn - am nächsten Tag. Der Nachbar wurde zwei Wochen später verhaftet. Allen drei Angeklagten wurde unter anderem Mord zur Last gelegt.

Empörung über spätes Eingreifen der Justiz

Staatsanwältin Linda Dunikoski sagte am Dienstag, die Angeklagten hätten Arbery mit ihren Autos bedroht und eine Schrotflinte auf ihn gerichtet, bevor es zur letzten Konfrontation kam. Dabei habe Arbery zugeschlagen und nach der Waffe gegriffen. Es gebe keine Beweise dafür, dass Arbery in der Nachbarschaft der Angeklagten Straftaten begangen habe. Die Verteidiger argumentierten in ihren Schlussplädoyers, Vater und Sohn hätten eine zivile Festnahme durchführen wollen, als sie Arbery verfolgten.
Der Fall war politisch aufgeladen: Arberys Tod führte - zusammen insbesondere mit dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis - zu den landesweiten Anti-Rassismus-Protesten, die die USA im Sommer 2020 in Atem hielten. Für Empörung sorgte, dass die Justiz erst gegen die weißen Männer aktiv wurde, als das Video von dem Vorfall Monate später publik wurde. Zuletzt gab es dann Kritik daran, dass in der zwölfköpfigen Jury nur ein schwarzer Geschworener saß.
Der Tod von George Floyd hat die USA verändert. Auf der Straße und in der Politik wird die Forderung nach einem Richtungswechsel im Umgang mit Schwarzen bunter und aggressiver.
Quelle: dpa

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