: Verdi-Chef droht vor Tarifrunde mit Streiks

23.01.2023 | 11:17 Uhr
Kurz vor den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst demonstriert die Gewerkschaft Verdi Entschlossenheit. "Wenn es nötig ist, dann streiken wir", sagte Verdi-Chef Werneke.
Von den Tarifverhandlungen sind unter anderem Beschäftigte von Straßenreinigungen und Kita-Angestellte betroffen.Quelle: imago/Political-Moments
Vor den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst hat die Gewerkschaft Verdi Entschlossenheit demonstriert. "Wenn es nötig ist, dann streiken wir", sagte Verdi-Chef Frank Werneke der "Süddeutschen Zeitung".
Er rief die Arbeitgeber in Bund und Gemeinden auf, zur zweiten Verhandlungsrunde im Februar ein Lohnangebot vorzulegen, das eine Einigung ermögliche.
Leider hat die Unsitte Einzug gehalten, bis zur letzten Verhandlungsnacht überhaupt kein ernsthaftes Angebot zu machen. Wer so agiert, darf sich über Warnstreiks nicht beschweren.
Frank Werneke, Verdi-Chef
Wenn es zu Warnstreiks komme, beträfen sie den gesamten öffentlichen Dienst mit 2,5 Millionen Beschäftigten, sagte Werneke.

dbb-Chef Silberbach: Personalmangel kann weiter steigen

Neben Verdi sitzt die Gewerkschaft dbb Beamtenbund und Tarifunion am Verhandlungstisch. Verdi und dbb fordern 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat.
Ulrich Silberbach, dbb-Chef, hat in einem Interview in der "Wirtschaftswoche" vor der nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag den Personalmangel thematisiert:
Ohne eine massive Lohnsteigerung wird der Personalmangel im öffentlichen Dienst eskalieren.
Ulrich Silberbach, dbb-Chef
Hinsichtlich möglicher Warnstreiks äußerte Silberbach sich in der "Wirtschaftwoche" weniger kämpferisch als Werneke: Man warte alle drei Verhandlungstermine ab. Im Vorfeld einer Tarifrunde sollte man bei der Frage nach Warnstreiks zurückhaltend sein. In der "Wirtschaftswoche" sagte er weiter:
Allerdings lassen die bisherigen Aussagen der Arbeitgeber befürchten, dass es keine besonders lustige Tarifrunde wird.
Ulrich Silberbach, dbb-Chef

Arbeitgeberverbände: Forderungen "nicht leistbar"

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hatte die Forderungen als "nicht leistbar" abgelehnt. Karin Welge, Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen und Präsidentin des VKA, sitzt gemeinsam mit dem Bund sowie den beiden Gewerkschaften am Verhandlungstisch.

Viele Krisen fordern den öffentlichen Sektor. Trotz Beschäftigungsrekord fehlt es noch immer an Arbeitskräften. Wie der öffentliche Dienst gestärkt werden kann, ist ein zentrales Thema bei der dbb Jahrestagung in Köln.

09.01.2023 | 01:45 min
Im "Spiegel" äußert sie ihre Haltung zu den Forderungen der Beschäftigten klar: "Das können wir so nicht leisten, und viele andere Kommunen auch nicht." Auch die Kommunen seien von Inflation und Energiekrise betroffen und müssten hier höhere Kosten stämmen.

Welge: Kommunikatives Problem

In der Corona-Pandemie und der Energiekriese habe der Staat mit Milliardenhilfen vielen Branchen unter die Arme gegriffen. Das führe jetzt zu einem kommunikativen Problem:
Wir haben die unglückliche Situation, dass durch die vielen notwendigen finanziellen Hilfsmaßnahmen des Staates seit der Coronakrise der Eindruck entstanden ist, Geld sei heute und auch morgen unendlich verfügbar.
Karin Welge, VKA-Präsidentin
Quelle: dpa, AFP, Reuters