: Wahlkämpfer zeigen sich optimistisch

04.09.2021 | 18:07 Uhr
Noch drei Wochen - dann müssen ein paar von ihnen miteinander in Koalitionsverhandlungen. Doch bis dahin reden die Wahlkämpfer vor allem über die Unterschiede zu den anderen.
Ruft Union zum Kämpfen in heißer Phase auf: Armin LaschetQuelle: dpa
Kanzlerkandidat Armin Laschet hat die Union angesichts schlechter Umfragewerte zum Kämpfen in der entscheidenden Phase bis zur Bundestagswahl aufgerufen und die SPD attackiert. "Die Stimmung ist schwierig, wir dürfen uns nur nicht verrückt machen lassen", sagte der CDU-Chef am Samstag in Braunschweig. Die Union habe "alle Chancen".
SPD-Kandidat Olaf Scholz warb im niedersächsischen Peine erneut für zentrale Wahlziele wie einen Mindestlohn von 12 Euro und stabile Renten. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hielt Union, SPD und FDP mangelnden Einsatz für den Klimaschutz vor.
Die SPD liegt in den Umfragen des ZDF-Politbarometers erstmals seit 19 Jahren vor der Union. Und auch Kanzlerkandidat Olaf Scholz baut seinen Vorsprung weiter aus.

Laschet: Will Kanzler werden

Laschet räumte Probleme im Wahlkampf ein. "Natürlich sind da auch Fehler passiert, aber jetzt geht es um eine Richtungsentscheidung", sagte er bei einem Landesparteitag der Brandenburger CDU in Potsdam. Er wolle Bundeskanzler werden:
Dafür kämpfe ich, dafür gebe ich das Letzte.
Armin Laschet
Der CDU-Chef warnte erneut vor einem Bündnis aus SPD, Grünen und Linken. "Manche sagen ja: Jetzt wird die Rote-Socken-Kampagne wieder belebt", sagte Laschet. Darum gehe es aber nicht. Wenn die Linke die Nato und den Verfassungsschutz auflösen wolle, seien es Gründe, "dass diese Leute nicht in einer deutschen Regierung sitzen dürfen".

Linke optimistisch für R2G

Die Linke-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow sieht Chancen für eine Zusammenarbeit mit SPD und Grünen. "Das Fenster ist so weit geöffnet wie noch nie. Wann, wenn nicht jetzt?", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Ich bin mir nicht sicher, ob Scholz und Baerbock ein Interesse haben, mit der Linken zu regieren. Ich weiß aber bei beiden, dass der Laden dahinter schon will.
Susanne Hennig-Wellsow
Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl hat die Linke in Rostock eine bundesweite Städtetour gestartet. Die Partei fordert einen politischen Richtungswechsel, will auf die Regierungsbank.
Scholz sagte bei einem Auftritt mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in Peine: "Wir können stabile Renten garantieren." Ziel sei es, Beschäftigung zu erhöhen, indem Kinder aus sozial schwachen Familien bessere Aufstiegschancen erhielten oder Familie und Beruf besser zu vereinbaren seien.
Im ersten Jahr als Kanzler wolle er Ausbauziele der erneuerbaren Energien für den Klimaschutz definieren, den Netzausbau voranbringen und entsprechende Gesetze verabschieden. Von der Union angedachte Steuersenkungen für Menschen mit hohen Einkommen nannte Scholz "unsolidarisch und aus der Zeit gefallen".

Baerbock greift Schwarz-Gelb an

Grünen-Chefin Baerbock sagte der "Frankfurter Rundschau", ihre Partei und die Sozialdemokraten stünden sich in sozialen und finanzpolitischen Fragen nahe, aber: "Beim Klimaschutz bremst die SPD." Zugleich warf sie Union und FDP vor, zu wenig gegen eine soziale Spaltung zu tun:
Sie konzentrieren sich vor allem auf Entlastungen für Reiche und haben keine Idee, wie sie die Investitionen, die man für den Modernisierungsschub braucht, stemmen wollen.
Annalena Baerbock
FDP-Chef Christian Lindner zeigte sich bei "maybrit illner" auch skeptisch, was eine Ampelkoalition mit Grünen und SPD angeht - ihm fehle dazu "die Fantasie".
FDP-Chef Christian Lindner bei "maybrit illner"

AfD-Landeschef Frisch will von den Grünen lernen

Baerbock warnte zudem vor einem möglichen Bündnis aus SPD, Union und FDP: "Das würde einen völligen Stillstand für unser Land bedeuten", sagte sie der "Neuen Westfälischen". "Eine weitere Regierung, die konsequenten Klimaschutz verweigert, können wir uns nicht mehr leisten."
Von rechts kommen unterdessen unerwartete Sympathiebekundungen für die Grünen: Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Michael Frisch forderte seine Partei auf, "unsere differenzierten Positionen mehr nach vorne zu schieben". "Wir müssen klar machen, dass wir auch für Natur- und Klimaschutz sind, soweit das in der Macht des Menschen steht und technisch umsetzbar ist", sagte er der dpa. "Damit kämen wir gerade bei Frauen und jungen Leuten deutlich weiter." Viele fänden inhaltlich ihre Positionen gut, aber hätten das Vertrauen nicht, seine Partei zu wählen. "Wir müssen da von den Grünen lernen." Nämlich:
Die haben ein fürchterliches Programm, aber sympathisch und freundlich wirkendes Spitzenpersonal.
Michael Frisch
Quelle: dpa

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