: Das sind die spannendsten Wahlkreise

von Jan Schneider
25.09.2021 | 08:54 Uhr
Scholz und Baerbock im direkten Duell, Merkels Nachfolger und der repräsentativste Bezirk Deutschlands: eine Auswahl der spannendsten Wahlkreise bei der Bundestagswahl.
WahlplakateQuelle: dpa

Scholz und Baerbock im direkten Duell

Besonderes Augenmerk liegt bei dieser Bundestagswahl auf Wahlkreis 61 in Potsdam: Dort treten Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und SPD-Kandidat Olaf Scholz direkt gegeneinander an. In den Bundestag einziehen werden sie mit Sicherheit beide, da sie auf Listenplatz eins ihrer jeweiligen Partei gesetzt sind, trotzdem wird der Sieger dieses Duells mit einem leichten Vorteil in mögliche Koalitionsverhandlungen gehen.

Zur Bundestagswahl kämpfen im Potsdamder Wahlkreis 61 prominente Gesichter um ein Direktmandat: Olaf Scholz tritt dort gegen Annalena Baerbock an. Dass zwei Kanzleramtsanwärter im selben Wahlkreis direkt gegeneinander antreten - das gab es noch nie.

16.09.2021 | 02:23 min
Der dritte Kanzlerkandidat, Armin Laschet von der CDU/CSU, tritt in keinem Wahlkreis direkt an und will nur über die Landesliste in den Bundestag einziehen.

Wer beerbt Angela Merkel in ihrem Wahlkreis?

Nicht nur im Kanzleramt steht mit der Bundestagswahl ein Wechsel an. Georg Günther will am 26. September als Direktkandidat den Wahlkreis 15 Vorpommern-Rügen/Vorpommern-Greifswald I für die CDU gewinnen. Er empfindet sein Erbe als "Fluch und Segen zugleich".

Duell der Bundesminister

Im Wahlkreis 297 Saarlouis im Saarland findet das einzige Direkt-Duell zwischen zwei amtierenden Bundesministern statt: Peter Altmaier (CDU) gegen Heiko Maas (SPD). 2017 lag die CDU hier mit 38 Prozent in Führung, die SPD kam auf 32,1 Prozent der Stimmen.

Wo sogar die Grünen aufrufen, SPD zu wählen

Einen außergewöhnlichen Wahlkampf gab und gibt es um den Wahlkreis 196 Suhl/Schmalkalden-Meinungen/Hildburghausen/Sonneberg in Thüringen. Hier tritt der umstrittene ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen für die CDU an. Um dessen Einzug in den Bundestag per Direktmandat zu verhindern, haben sogar die Grünen ihre Anhänger dazu aufgerufen, den SPD-Kandidaten Frank Ullrich zu wählen. In Maaßens und Ullrichs Wahlkreis kämpfen unter anderem auch die frühere Thüringer Grünen-Chefin Stephanie Erben und der ehemalige Vize-Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Sandro Witt (Linke), um ein Direktmandat.

Kurz vor der Bundestagswahl sei der Ausgang ziemlich offen, so ZDF-Korrespondent Karl Hinterleitner. Dementsprechend "riesig" sei auch die Anspannung bei den Parteien.

25.09.2021 | 01:01 min

Der Durchschnitts-Wahlkreis

Ein Wahlkreis in Berlin könnte auch der Deutschland-Wahlkreis heißen: Die Stimmenverteilung in Wahlkreis 77 Reinickendorf lag in vergangenen Bundestagswahlen sehr nah dran am bundesweiten Ergebnis. Der Grund: Der Bezirk ist in seiner soziodemografischen Struktur jener der Bundesrepublik sehr ähnlich. 2017 lagen die Ergebnisse für SPD, Linke, Grüne und FDP jeweils weniger als einen Prozentpunkt daneben und 2013 lag Reinickendorf sogar noch einen Tick näher dran am Gesamtergebnis.

Die Anderswähler

Ganz anders sieht es im Wahlkreis 83 Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg aus. Es ist der kleinste und der am dichtesten besiedelte Bundestagswahlkreis in Deutschland. Außerdem der einzige, in dem die Grünen bisher ein Direktmandat gewinnen konnten. Hier gab es 2017 die größte Abweichung vom Bundesergebnis: mehr als 65 Prozent Unterschied.

Erste Trans-Kandidat*innen für Direktmandate

In mehreren Bundesländern treten erstmals Trans-Personen für Direktmandate an: Im Wahlkreis 101 Köln IV/Leverkusen bewirbt sich Nyke Slavik von den Grünen um den Sitz im Bundestag. Sie hat dabei den während der Corona-Pandemie omnipräsenten SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach als Konkurrenten.
Im Wahlkreis 244 Nürnberg-Nord tritt Tessa Ganserer an, ebenfalls für die Grünen. Bei ihr wird unbeabsichtigter Weise jedoch noch der abgelegte männliche Name auf dem Wahlzettel stehen. Im Wahlkreis 222 Rosenheim bewirbt sich Victoria Broßart (Grüne) um das Mandat, im Wahlkreis 58 Oberhavel - Havelland II will SPD-Politikerin Ria Cybill Geyer ins Parlament einziehen.

Wo der mögliche Königsmacher gewählt werden will

Viel wurde geschrieben über die FDP und deren Rolle als mögliche "Königsmacher" nach der Wahl. Parteichef Christian Lindner bewirbt sich im Wahlkreis 100 Rheinisch-Bergischer Kreis in Nordrhein-Westfalen um das Direktmandat. Der Wahlkreis war seit 1994 in den Händen von Wolfgang Bosbach (CDU). Hermann-Josef Tebroke gewann 2017 mit 40 Prozent ebenfalls für die Christdemokraten. Wahlumfragen geben Lindner dennoch eine gute Chance in diesem Jahr.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD

In Sachsen hat sich die AfD zu einem festen Bestandteil im Kräfteverhältnis der Parteien entwickelt. Im Wahlkreis 157 Görlitz liefern sich AfD und CDU ein spannendes Wahlkampf-Duell. In der Heimat von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verlor die CDU 2017 das sicher geglaubte Direktmandat an die AfD. Auch in diesem Jahr wird es der Newcomer Florian Oest (CDU) gegen AfD-Spitzenkandidat Tino Chrupalla mehr als schwer haben.

Der lila Fleck im sächsischen Schwarz-Blau

Sachsen war bei der Wahl 2017 ohnehin aufgeteilt in schwarze (CDU) und blaue (AfD) Wahlkreise. Nur Wahlkreis 153 Leipzig II färbte sich nach der Auszählung lila. Der Grundschullehrer Sören Pellmann holte hier das einzige Direktmandat der Linken im Freistaat. Wird das erneut gelingen?
Weitere spannende Wahlkreise im Überblick:

1 Flensburg-Schleswig, Schleswig-Holstein

In seiner Heimat will Grünen-Parteivorsitzender Robert Habeck der CDU-Abgeordneten Petra Nicolaisen das Direktmandat abluchsen. Nicolaisen holte 2017 allerdings genau 40 Prozent der Erststimmen, der Grünen-Bewerber Wittenhorst nur 10,5 Prozent. Es wird sich zeigen, ob der Promi-Bonus hilft.

14 Rostock - Rostock II, Mecklenburg-Vorpommern

Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch bezeichnet seine Chancen, dieses Mal das Direktmandat zu gewinnen, als "solide". Der Abstand zu Peter Stein von der CDU sei 2017 weniger als fünf Prozentpunkte gewesen. Zudem sei die Linke bei der letzten Kommunalwahl in Rostock stärkste Partei geworden.

81 Tempelhof-Schöneberg, Berlin

In Berlin wird sehr Grün und sehr Rot gewählt. In diesem Wahlkreis gewann aber seit 2009 die CDU mit Jan-Marco Luczak das Direktmandat. In diesem Jahr hat Luczak jedoch starke Konkurrenz: den ehemaligen Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Auch Renate Künast, die 2017 mit 18,9 Prozent auf Platz 3 landete, wird laut Umfragen in diesem Jahr wohl mehr Stimmen erhalten.

84 Berlin-Treptow-Köpenick, Berlin

Hier tritt der 73-jährige Gregor Gysi erneut für die Linke an. "Mein Job ist noch nicht erledigt", begründete er seine Kandidatur. 2021 hat er prominente Konkurrenz: Die CDU schickt die fünffache Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein ins Rennen. Sehr wahrscheinlich wird Gysi der Sieg jedoch nicht zu nehmen sein.

147 Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen

Hier tritt Friedrich Merz für die CDU an. Der aktuelle Mandatsträger Patrick Sensburg verlor bei der Aufstellungsversammlung seiner Partei gegen ihn.

182 Frankfurt Main I, Hessen

Janine Wissler wird wohl nicht als Direktkandidatin ihres Wahlkreises in den Bundestag einziehen. Aber als Spitzenkandidatin ist ihr ein Platz im nächsten Parlament bei Einzug der Linken sicher. Deutlich größere Chancen haben hier Axel Kaufmann (CDU), Deborah Düring (Grüne) und Armand Zorn von der SPD.

226 Weilheim, Bayern

Der Wahlkreis ist seit 1949 in CSU-Hand, die ersten 30 Jahre wurde er von Franz Josef Strauß vertreten. 2002 übernahm ihn der heutige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, und hat ihn seitdem inne. Daran wird sich wohl auch in diesem Jahr nichts ändern.

293 Bodensee, Baden-Württemberg

Im Wahlkreis Bodensee steht ein Wechsel bevor. Der bisherige direkt gewählte Kandidat von der CDU, Lothar Riebsamen, tritt nicht mehr an. CDU-Kandidat ist bei dieser Wahl der Rechtsanwalt Volker Mayer-Lay. AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel tritt zum zweiten Mal als Direktkandidatin an. 2017 war sie über die Landesliste in den Bundestag eingezogen.

295 Zollernalb-Sigmaringen, Baden-Württemberg

Der Wahlkreis ist seit 1949 fest in CDU-Hand. In diesem Jahr tritt jedoch Johannes Kretschmann, Sohn von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, für die Grünen an. Er könnte nicht nur von der Beliebtheit seiner Partei, sondern auch der seines Vaters profitieren. Er studierte in Berlin Religionswissenschaft, sitzt für seine Partei bereits im Kreistag und schreibt an seinem ersten Roman.

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