: Wahlplakate 2021: Image ohne Inhalt

von Dorthe Ferber
19.08.2021 | 15:31 Uhr
Auch im digitalen Zeitalter spielen Wahlplakate für die Parteien weiter eine wichtige Rolle. Die Plakate im Bundestagswahlkampf 2021 sollen Images vermitteln - keine Inhalte.
Am 26. September ist Bundestagswahl - die Wahlplakate der Parteien hängen bereits. Quelle: dpa
Sie signalisieren: Es geht los mit der heißen Phase des Wahlkampfs. Wahlplakate überall, mit Politikern und Parolen: Modernes Deutschland, Respekt, Zukunft - unscharfe Begriffe, ganz absichtlich.
"Ich erinnere mich an keine Slogans, die so markant sind, dass sie zu einer Diskussion geradezu auffordern", sagt Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen. Das entspreche auch dem bislang weitgehend inhaltsleeren Wahlkampf.
Die SPD setzt in ihrer Wahlkampagne auf Kanzlerkandidaten Olaf Scholz.Quelle: dpa

Zieht die Person die Partei mit - oder umgekehrt?

Bei der SPD dominiert der Kandidat. Olaf Scholz verspricht abwechselnd "Kompetenz" oder "Respekt", grafisch streng anmutend, schwarz-weiß auf stechendem SPD-Rot.
Man kann an den Plakaten durchaus erkennen, ob das Parteilogo groß ist oder klein und eher verschämt. Ob die Person die Partei mitzieht oder umgekehrt.
Karl-Rudolf Korte
1994 kam Helmut Kohl auf Großflächenplakaten ganz ohne Slogan und Parteilogo aus, zeigt eine aktuelle Ausstellung über Wahlplakate im Bonner Haus der Geschichte. Damals sollte allein das Bild des Kanzlers der Einheit in einer Menschenmenge überzeugen.
Zur Bundestagswahl 1994 setzte die CDU auf den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl - ganz ohne Slogan und Parteiname. Quelle: dpa

Persönlichkeiten und Slogans

Der Blick in die Geschichte zeigt noch etwas: "Wahlplakate sind seit den 50er Jahren bis heute sehr konstant, was ihren Aufbau und ihre Bestandteile angeht", erläutert Museumsdirektor Thorsten Smidt vom Haus der Geschichte in Bonn. Persönlichkeiten sollen um Vertrauen werben, Slogans das Image der Partei auf den Punkt bringen.
Die Personalisierung des Wahlkampfes setzt schon mit CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer ein: "Keine Experimente" lautet damals seine Botschaft. Die Grünen zogen 1983 mit "Rettet den Wald" in den Bundestag ein – Slogans spiegeln Zeitgeist wider.
Konrad Adenauer mit dem Spruch "Keine Experimente!" ist das wohl bekannteste Wahlplakat der bundesdeutschen Geschichte. Mit ihm holte die CDU 1957 mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen.Quelle: dpa
Genau wie die Bildsprache. Manches, was einst als provokativ galt, ist längst gewohnt: Zwei schwule Männer auf einem SPD-Plakat aus den 90er Jahren etwa. Der Frauenpo in hautenger Jeans mit "CDU" und dem Slogan "Passt" gilt heute als sexistisch.
Für ein "modernes Deutschland" wirbt die CDU heute mit ihrem Vorsitzenden Armin Laschet, der lächelt dazu mit leicht hängenden Mundwinkeln in schwarz-rot-goldener Umrandung. Die Grünen haben auf viel Grün gesetzt und auf gleich beide Vorsitzende auf den Großflächenplakaten, die "zuhören und zutrauen" wollen - Annalena Baerbock allein schien offenbar zu riskant.
Auffallend bei der Kampagne der Grünen: die Nicht-Inszenierung ihrer Kanzlerkandidatin.Quelle: dpa

Auffallen, aber nicht polarisieren

Die CDU zeigt auch, dass Parteien im digitalen Zeitalter mit großer Transparenz jedes Risiko scheuen: Sie hat gleich das Personal aus der Parteizentrale als Polizistin oder Pflegerin verkleidet - statt Models sind jetzt also Mitarbeiterinnen auf den Plakaten.
Begründung: Man habe Polizistin und Pflegerin nicht die Zeit stehlen wollen. Stimmig ist das nicht, Wählerinnen und Wähler haben schließlich ein Gefühl dafür, ob sie ernst genommen werden.
Plakate 2021 sollen auffallen, aber nicht polarisieren: Die meisten Wähler seien in der Mitte zu finden, sagt Politikwissenschaftler Korte. Daher zielten die Parteien meist dorthin und in der der Mitte gebe es eben wenig Polarisierung.
Die Satirepartei "Die Partei" bietet da den Wahlplakategenerator für alle an, die selbst mal mit Begriffen wie "Deutschland", "Zukunft" oder "Kompetenz" hantieren möchten. Das eigene Wahlplakat kann hochgeladen werden und wer Glück hat, sieht es dann auch auf der Straße - "Die Partei" will das beste Plakat auswählen, drucken und aufhängen.
Dorthe Ferber leitet das ZDF-Studio in Nordrhein Westfalen.

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