Deutsche Waffenfirma bezahlt rechten Youtuber

von Nils Metzger
04.04.2020 | 20:55 Uhr
Seit Jahren finanziert der Ulmer Waffenhersteller Walther den rechten Aktivisten Steven Crowder in den USA. In seinen Shows hetzt er gegen Multikulti und Linke.
Quelle: ZDFScreenshot des Walther-Onlineshops: Auch hier wirbt das Unternehmen mit dem rechten Aktivisten Steven Crowder
Steven Crowder liebt die Provokation. "Louder with Crowder" – "Lauter mit Crowder" heißt sein mehrmals die Woche erscheinender Podcast. Alleiniges Thema: die vermeintliche Idiotie der politischen Linken, Liberalen und Progressiven in den USA. Bekannte Konservative wie Rudy Giuliani, der Anwalt von US-Präsident Donald Trump, treten in seiner Sendung auf.
Crowder beschreibt sich selbst als Comedian. Als jemanden, der für Redefreiheit und die Möglichkeit eintritt, als konservative Stimme im öffentlichen Diskurs laut und selbstbewusst auftreten zu dürfen. "Hassrede gibt es nicht", so eine seiner Thesen. Regelmäßig überschreitet er dabei aber die Grenze hin zu Rassismus, Sexismus und Menschenfeindlichkeit.

Politische Korrektheit als Feinbild

Ein Zusammenschnitt homophober Kommentare Crowders, die Carlos Maza auf Twitter veröffentlichte
Im Kampf gegen den politischen Gegner schreckt Crowder auch vor kruden historischen Vergleichen nicht zurück. Bernie Sanders Forderungen nach einem stärkeren Sozialstaat vergleicht er mit dem Ausbau des faschistischen NS-Staates unter Adolf Hitler:
War Hitler rechts? Nein. Er war ein entschieden liberaler Sozialist und für einen starken Staat.
Steven Crowder
Oder:
All die europäischen Opfer terroristischer Massaker sind Menschenopfer auf dem Altar der politischen Korrektheit. Das ist, was in Europa gerade passiert.
Steven Crowder

Crowder ist Teil eines großen rechten Mediennetzwerks

Dass diese Thesen in neurechten Kreisen in den USA wie in Deutschland gut bekannt sind, liegt auch an Aktivisten wie Steven Crowder. Sein Kanal gehört zu "The Blaze", einem Netzwerk rechter Influencer und Youtuber.
Mit ihrer eigenen Plattform wollen sie sich unabhängiger von den Verhaltensregeln der großen Anbieter Youtube oder Facebook machen. Dort werden ihre Kanäle regelmäßig gesperrt oder demonetarisiert. Gegründet wurde "The Blaze" von Glenn Beck, einem bekannten rechten Kolumnisten und Verschwörungstheoretiker.
Seit dem Amoklauf an einer Schule in Parkland, in 2018 mit 17 Toten wehrt sich eine junge Protestbewegung gegen den Waffenwahn in den USA. Ihr Gegner: Eine mächtige Waffenlobby.

Bei jeder Show steht eine Walther-Pistole vor ihm

Was Crowder von seinen Mitstreitern auf "The Blaze" unterscheidet, ist die finanzielle Unterstützung durch ein bekanntes deutsches Unternehmen. Seit 2016 bezahlt ihn der Ulmer Waffenhersteller Walther dafür, in den sozialen Medien und seinen Shows Werbung für Pistolen des Herstellers zu machen.
So trägt er bei seinen Sendungen häufig eines von zwei Kleidungsstücken: einen von ihm designten Pullover mit dem Spruch "Sozialismus ist für Schwuchteln" oder einen mit dem Walther-Firmenlogo. Bei jeder Show steht eine Walther-Pistole vor ihm auf dem Schreibtisch, auf Instagram und Twitter postet er Werbebotschaften für den Hersteller. Umgekehrt kann man im Webshop von Walther Kleidung mit Crowder-Motiven kaufen.

So kann Walther junge, rechte US-Männer gezielt ansprechen

Seine Entscheidung, mit Walther zu kooperieren, begründet Crowder so: "Wie wäre es damit, wenn Youtube eine Werbekategorie für Firmen schaffen würde, die mit einer sehr motivierten politisch rechten Zuschauerschaft interagieren möchte. 18- bis 40-jährige Männer, die im Schnitt 32 Minuten einer Sendung zuschauen. AT&T möchte bei dieser Zielgruppe nicht werben? Kein Problem. Walther will das."
Mit seiner Youtube-Alternative "The Blaze" kann Crowder gezielt Werbetreibende ansprechen, die keine Probleme mit seinem Weltbild haben. "Die NRA will doch nicht vor Makeup-Tutorials werben. Das ist eine win-win-win-Situation. Das Problem ist, dass Youtube Werbetreibende ausschließt, von denen sie glauben, sie würden Regeln verletzen – nur weil sie konservativ sind", so Crowder in einem Video.

In Deutschland beliefert Walther Polizeikräfte in mehreren Bundesländern mit zehntausenden Dienstpistolen vom Modell P99. In den USA sind es vor allem Privatpersonen, die Walther-Schusswaffen kaufen. Auf eine Anfrage von ZDFheute hin wollte sich Walther nicht zu der Zusammenarbeit mit Crowder äußern.

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