: Vereine: "Kinder haben vor Glück geweint"

von Ralf Lorenzen
17.03.2021 | 17:29 Uhr
Kaum dürfen die Kinder auf die Sportplätze, könnten die Tore vielerorts wieder schließen. Breitensportvertreter fordern, dass zumindest der Stufenplan eingehalten wird.
Seit Anfang März wieder erlaubt: Gemeinsamer Sport im Freien. Aber wie lange noch?Quelle: imago
Irgendetwas war ungewohnt, als der siebenjährige Tom fröhlich aus dem Auto seines Vaters sprang. Aber was? Ganz einfach: Er hatte seine Fußballkluft an, komplett. Stutzen, Schoner, Hose, Trikot. Nach fünf Monaten Shutdown wirkte das wie eine kleine Sensation.

Mit Körperkontakt: "Ich bin gefoult worden"

Seit dem 8. März dürfen wie in vielen Städten und Gemeinden auch in Bremen Kinder bis 14 Jahre wieder in Gruppen von bis zu 20 Personen trainieren. Sogar mit Körperkontakt. "Ich bin gefoult worden", erzählt Tom stolz. Der fällige Elfer sei allerdings nicht reingegangen.
Dreihundert Kilometer südwestlich berichtet Ute Groth, Vorsitzende von Tusa 06 Düsseldorf, vom ersten Wiedersehen der Kinder in ihrem Verein. "Einige haben vor Glück geweint", sagt sie.
Es ist unglaublich wichtig, dass das wieder möglich ist.
Ute Groth, Vorsitzende von Tusa 06 Düsseldorf

Laufspiele und Kopfstand

Was für die Kinder und Jugendliche ein wichtiger Schritt zurück in die Normalität ist, bedeutet für die Vereine eine besondere Herausforderung. "Wir haben mit der Turngruppe, die ich trainiere, sofort bei Wind und Regen wieder mit Bewegungsangeboten begonnen, vor allem mit Laufspielen, aber auch Kopfstand haben wir geübt“, sagt Andreas Vroom, Präsident des Bremer Landessportbundes  gegenüber ZDFsport: "Zum Glück gibt es bei uns eine Outdoor-Fläche für Cross-Fit, die teilweise überdacht ist."
Die Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen nehmen rasant zu. Vor allem Schulen und Kitas stehen im Verdacht, für eine entscheidende Verbreitung des Virus zu sorgen.
Nicht jeder Sportverein hat die Möglichkeit, auch für die Hallen-Sportarten Alternativen aus dem Hut zu zaubern, die an der frischen Luft funktionieren. Es gibt zwar die Erfahrungen aus dem ersten Shutdown, aber Mutter- und Kind-Turnen ohne Geräte ist im Sommer leichter zu organisieren als bei regnerischen sechs Grad Celsius.

Corona-konforme Angebote: Kraftakt für Übungsleiter

"Besonders bei Indoor-Sportarten ist es ein Kraftakt für die Übungsleiter, alles Corona-konform umzugestalten", sagt Vroom. "Dazu kommen Fragen nach der Haftung und demnächst nach der Testung. Für manche fällt es nicht leicht, die Motivation aufrecht zu erhalten. Wir machen uns große Sorgen um die Struktur der Sportvereine mit ihrem gesellschaftlichen Stellenwert."
Umso größer war die Erleichterung, als Anfang März die Runde der Ministerpräsidenten dem gebeutelten Breitensport mit dem beschlossenen Stufenplan zumindest ein kleines Ventil geöffnet hat.
Steigende Infektionszahlen und der Impfstopp mit Astrazeneca drohen dieses nun allerdings in mehreren Städten wie Bremen und Hamburg schnell wieder zu verschließen.

Corona-Öffnungen: Nächster Schritt vertagt

So vertagte der Bremer Senat am Dienstag den Beschluss über den ab dem 22. März möglichen Öffnungsschritt, demzufolge kontaktfreier Sport drinnen sowie Kontaktsport draußen mit tagesaktuellem Schnelltest möglich wäre, bis nach dem nächsten Gipfel am Montag.
"Ich bin enttäuscht, dass ein lang erwarteter und von vielen mitgeformter Stufenplan gleich beim ersten Gegenwind ausgesetzt wird“, sagt Andreas Vroom.
Bei vielen junge Leute liegen die Pläne von Ausbildung, Nebenjob, Praktikum oder Auslandsaufenthalt derzeit auf Eis. Die Pandemie hat alles verändert. Wie gehen junge Leute damit um? Lisa Jandi hat Berliner*innen getroffen.
Auch Ute Groth in Düsseldorf hofft, dass der Stufenplan auch für andere Altersgruppen umgesetzt wird. "Es machen ja alle Vereine darauf aufmerksam, wie viele Menschen leiden, gerade Jugendliche über 14 Jahren, die nicht mehr mit ihrer Freizeit anzufangen wissen."

Rückschritt in Nürnberg

In Nürnberg ist nach dem Ansteigen der Inzidenz über 100 derweil sogar das Gruppen-Angebot für die Kinder unter 14 Jahren wieder auf Eis gelegt worden.
Unabhängig vom Stufenplan fordert Vroom, den Outdoor-Sport für zehn Personen kontaktfrei unabhängig von Inzidenzen zuzulassen. "Das Ansteckungsrisiko ist extrem gering und unsere Übungsleiter sind in der Lage, für alle Altersgruppen die Einhaltung der Regeln sicherzustellen", sagt er. Das sei sicherer, als würden sich die Kinder wild zum Kicken treffen.

Mehr zum Breitensport während Corona

Aktuelles zur Coronavirus-Krise