: "Soziale Tankstellen" bleiben zumeist offen

von Ralf Lorenzen
03.12.2021 | 12:04 Uhr
Die jüngsten Corona-Beschlüsse betreffen den Breitensport kaum. Für den gilt weiter der Flickenteppich von freiem Sport für alle Geimpften bis zur Schließung aller Anlagen.
Sport - 2G-RegelungQuelle: dpa/dpa
Es dürfte eine seiner letzten Pressemitteilungen als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewesen sein, die Alfons Hörmann am Donnerstag versenden ließ. Und der darin formulierte Wunsch ging in Erfüllung.

Der letzte Appell des scheidenden Präsidenten

"Einen pauschalen und flächendeckenden Sport-Lockdown darf es jedoch nicht wieder geben", schrieb Hörmann wenige Tage, bevor sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin gewählt wird. Die "sozialen Tankstellen" des Landes, die Sportvereine, dürften nicht wieder zugesperrt werden.
Corona-Auflagen und Mitgliederschwund erschweren den Vereinen im Amateur- und Breitensport den Trainings- und Spielbetrieb.
Das beschloss die Bund-Länder-Runde am Donnerstagnachmittag dann auch nicht. Die neu gefassten Beschlüsse im Bereich Sport betreffen ausschließlich die Publikumsauslastung bei überregionalen Sportveranstaltungen. Künftig dürfen nur 30 bis 50 Prozent der Kapazität genutzt werden, bei Hallen bis zu einer maximalen Gesamtzahl von 5.000 Zuschauenden, im Freien bis zu 15.000 Zuschauenden. Überall gelten die 2G- oder 2Gplus-Regeln. In Ländern mit einem hohen Infektionsgeschehen müssen Veranstaltungen nach Möglichkeit abgesagt und Sportveranstaltungen ohne Zuschauer durchgeführt werden.

Solidarischer Breitensport

Für den Breiten- und Amateursport gelten weiter die Beschlüsse der Bund-Länder-Runde vor vierzehn Tagen, die mittlerweile umgesetzt sind. Als Mindeststandard kann Sport seitdem nur noch von Genesenen und Geimpften ausgeübt und angeschaut werden. Einige Länder haben inzwischen aufgrund ihrer Hospitalisierungsrate eine zusätzliche Testpflicht eingeführt, also das G2plus-Modell.
"Weil wir der festen Überzeugung sind, es geht nur so", erklärt sich Christof Palm, Hauptgeschäftsführer des Landessportbund Rheinland-Pfalz, mit dem entsprechenden Beschluss der dortigen Landesregierung solidarisch. Die neuen Maßnahmen würden für den Vereinssport durch die Beschaffung, Durchführung und Kontrollen der Tests zwar einen höheren organisatorischen Aufwand bedeuten.
Aber das Wichtigste ist doch, dass grundsätzliche die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen und auch geimpften Erwachsenen möglich bleibt, im Gegensatz zu vor einem Jahr.
Christof Palm (Landessportbund Rheinland-Pfalz) im SWR

Hallen: Hoher Organisationsaufwand

Diese Teilhabe ist in einigen Ländern oder Landkreisen mit hohen Inzidenzen wie Sachsen oder Teilen von Bayern dagegen nicht mehr möglich, da die Sportstätten komplett gesperrt wurden. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte an, noch heute schärfere Maßnahmen zu beschließen.
Kritische Stimmen sind vor allem aus dem Bereich der professionellen Hallensportarten zu hören, die durch die gestern beschlossenen Einschränkungen Einnahmeverluste auf sich zukommen sehen. Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL), befürchtet, der Organisationsaufwand der 2Gplus-Regel könne dazu führen, "dass die 30 Prozent vermutlich gar nicht ausgeschöpft werden können", wie er der Sportschau sagte. Außerdem habe die halbe Liga durch die Anordnungen oder Ankündigungen in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern Geisterspiele.

Stadien: Von leer bis halbvoll

Dieses uneinheitliche Bild wird sich am Wochenende auch beim Blick in die Stadien der Fußball-Bundesligen bieten. "Wir bleiben dabei und wollen das morgen umsetzen", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu den Geisterspielen in seinem Land. Als "nicht verhältnismäßig" bezeichnet dies der Geschäftsführer des betroffenen FC Augsburg. Dagegen wird Borussia Dortmund im Top-Spiel gegen Bayern München voraussichtlich die Höchstgrenze von 15.000 Zuschauern ausnutzen.
Gar 27.000 Zuschauer könnten heute in der 2. Liga das Weserstadion beim Spiel Werder Bremen gegen den FC Erzgebirge Aue füllen. Künftig will man sich zwar auch in Bremen an die verabredete Höchstgrenze halten. Heute Abend wird aber aus Zeitgründen und mit Segen der Landesregierung eine Ausnahme gemacht.