: Der Breitensport will weg vom Katzentisch

von Ralf Lorenzen
23.02.2021 | 12:12 Uhr
Die Sportminister der Länder haben einen Stufenplan zum Wiedereinstieg in den Sport vorgelegt. Beim nächsten Corona-Gipfel wollen sie sich nicht mit Fußnoten abspeisen lassen.

Normalerweise treffen sich die Sportminister*innen der Länder einmal im Jahr zu ihrer Konferenz. Gestern waren seit ihrer letzten Sitzung gerade vierzehn Tage vergangen. Der Druck auf dem Kessel war groß. "Die Sportministerkonferenz empfiehlt der Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten einen stufenweisen Wiedereinstieg in den Sport", lautet der Kernsatz der Beschlüsse.
Fitnessclubs und Sportvereine haben sich viel einfallen lassen, um im Shutdown die Mitglieder bei Laune zu halten. Dennoch kämpfen viele Vereine und Clubs um das Überleben.

Zurückhaltung nicht belohnt

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsident*innen am 10. Februar zum letzten Mal neue Maßnahmen beschlossen, tauchte der Sport im Gegensatz zu Friseuren, Schulen und dem Einzelhandel lediglich in unverbindlichen Fußnoten auf. Spätestens da dämmerte den Sportfunktionären, dass das zurückhaltende Handeln im Breiten- und Amateursport der letzten Monate nicht belohnt werden würde.
Nach den Osterferien sollten wir mit den Öffnungen von Sporthallen und Plätzen vorankommen.
Ingo Weiss, Sprecher der deutschen Spitzensportverbände
"Das muss nicht gleich von null auf 100 sein, aber von null auf 30 sollte es klappen". Weiss beklagte wie viele Funktionärskollegen*innen, dass dieses Thema bei den Konferenzen der politischen Spitzenvertreter*innen kaum vorkomme.

Druck aus Bayern

Auch 14 bayerische Großsportvereine forderten in einem Papier, den Breitensport stärker in den Fokus zu nehmen.
Gesunkene Mitgliederzahlen und die fehlende Perspektive, diesen Rückgang zeitnah wieder aufzuholen, stellen insbesondere die Großsportvereine vor ein echtes Problem.
Aus dem Papier von 14 bayerischen Großsportvereinen
Es war dann auch Bayerns Sportminister Joachim Herrmann, der mit der Aussage vorpreschte, dass an Lösungen gearbeitet werde. Die liegen nun seit gestern Abend auf dem Tisch.
"Die bisher gewonnenen Erfahrungen im Sportbetrieb unter Pandemiebedingungen und der überaus verantwortungsvolle Umgang der Sportorganisationen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur epidemiologischen Unterbrechung von Übertragungswegen haben gezeigt, dass auch bei Öffnungen das Infektionsgeschehen im Sport unter Kontrolle behalten werden kann", heißt es in dem Beschluss von Montagabend.

Sechs Stufen bis zur vollen Öffnung

Der vorgelegte 6-Stufen-Plan reicht von der "Rückkehr zur organisierten Sportausübung mit Abstand/ohne Kontakt in zunächst an die Infektionslage angepassten Gruppengrößen in öffentlichen und privaten ungedeckten Sportanlagen sowie im öffentlichen Raum" bis zur "Rückkehr zum Wettkampfbetrieb und Sportveranstaltungen mit sukzessiver Zulassung von Zuschauerinnen und Zuschauern".
In den Zwischenstufen werden zunächst Hallen einbezogen, dann die Abstandgebote gelockert und schließlich volle Gruppengrößen zugelassen. Die vorgeschlagenen Schritte können durch die Länder einzeln oder übergreifend zugelassen werden.

DOSB-Präsident begrüßt den Stufen-Plan

Als erster Sportvertreter begrüßte DOSB-Präsident Alfons Hörmann den Plan. "Bei dieser schrittweisen Rückkehr des Sports soll ein besonderes Augenmerk auf die begünstigte Behandlung von Kindern und Jugendlichen gelegt werden", erklärte Hörmann. "Ergänzt werden soll dies durch eine gemeinsame nationale Kampagne von Sport und Politik, um die existenziell bedeutende Mobilisierung der Mitglieder für den Vereinssport massiv zu unterstützen."
Die Profis dürfen spielen, die Amateure nicht einmal trainieren. Der Teil-Lockdown trifft den Handball auf unterschiedliche Weise - aber in beiden Fällen hart.
Die nächsten Beratungen im Bundeskanzleramt über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise sind für den 3. März vorgesehen. Es wäre ein gutes Zeichen für den Sport, wenn die Sportminister*innen sich dann nicht so schnell wieder zusammenschalten müssten.

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