: Flicks Einstand: Überraschungen verboten

von Frank Hellmann
02.09.2021 | 07:29 Uhr
An einem Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein (heute, 20.45 Uhr) gibt es kaum Zweifel. Bundestrainer Flick geht es daher darum, wieder Begeisterung zu wecken.
Gibt am Donnerstag mit dem WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein seinen Einstand als Bundestrainer: Hansi Flick.Quelle: Tom Weller/dpa
Der Tatendrang in Stuttgart-Degerloch ist offensichtlich. Hansi Flick ist kein Fußballlehrer, der nicht selbst Hütchen trägt, Stangen steckt oder Tore trägt. Die vom neuen Bundestrainer eingeforderte "All-in-Mentalität" lebt er selbst vor, wenn die deutschen Nationalspieler schwitzen.

Flick begeistert von der Mannschaft

Die ersten Eindrücke wertete der 56-Jährige fast überschwänglich: "Die Mannschaft zerreißt sich hier für Deutschland. Das ist das A und O." Aktivität, Intensität oder Qualität: Alle eingeforderten Attribute hätte ihm das Team geliefert.
Flick hat vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein (Donnerstag 20.45 Uhr/RTL) im schweizerischen St. Gallen keinen Hehl daraus gemacht, dass seine Premiere eine "besondere Vorfreude" auslöst. Wobei er einen Spruch bemühte, der das große Ganze betrachtet:
Ein guter Anfang braucht Begeisterung, ein gutes Ende Disziplin.
Hansi Flick

Leno für Neuer im Tor

Dass ihm zwei Stützen fehlen (Keeper Manuel Neuer ist wegen einer Fußblessur nicht belastbar und wird durch Bernd Leno ersetzt, Thomas Müller ist wegen Adduktorenbeschwerden abgereist) soll kein Handikap sein.
Für alle gilt: Es muss mehr Leben in die Bude als unter Vorgänger Joachim Löw, wo doch am Ende alles irgendwie eingefahren wirkte. Das Arbeitsklima scheint sich mittlerweile verbessert zu haben - darauf deuten viele Aussagen hin.

Gündogan wohl hinter den Spitzen

Ilkay Gündogan, der sich in einem persönlichen Gespräch vom angedachten Rücktritt abbringen ließ und nun wegen Müllers Fehlen gute Chancen auf seine Lieblingsposition hinter den Spitzen hat, begrüßte sogar die Tatsache, dass nach Ewigkeiten bei einer Länderspielmaßnahme wieder zwei Trainingseinheiten an einem Tag abgehalten wurden: "Das brauchen wir", sagte der 30-Jährige, der an Flick vor allem lobte: "Er weiß, wie er mit den Spielern sprechen muss."
Den Worten sollten dann auch schnell Taten folgen: Aus dem Dreierpack in der WM-Qualifikation - es folgen die Aufgaben gegen Armenien (Sonntag) und auf Island (Mittwoch) - werden nicht weniger als neun Punkte erwartet. Aktuell ist man nur Dritter der Gruppe J, denn Löw hat Flick ja auch die Hypothek eines Ausrutschers im Frühjahr gegen Nordmazedonien (1:2) hinterlassen.
Weitere unliebsame Überraschungen auf dem Weg nach Katar sind verboten, es sei denn, jemand wünscht sich einen Boykott der umstrittenen Wüsten-WM auf sportlichem Wege.
Bundestrainer Hansi Flick hat seine Mannschaft vor der WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein erstmals um sich - mit einigen neuen Gesichtern, auch im Trainerteam.

Ein Torfestival zum Anfang wäre schön

Ein Torfestival gegen den FIFA-Weltranglisten-189. Liechtenstein könnte eine erste Aufbruchsstimmung erzeugen, danach strömen drei Tage später 18.000 Freikarteninhaber gegen Armenien in ähnlicher Erwartung in die Stuttgarter Arena.
"Das Land guckt auf uns und erwartet, dass wir einen deutlichen Sieg einfahren", erklärte Joshua Kimmich. Der als Führungsspieler auf der defensiven Mittelfeldposition auserkorene 26-Jährige kann von der Vorbereitung inklusive der Videositzungen versprechen:
Wir werden hoch pressen, hohe Ballgewinne erzielen und den Gegner weit vorne unter Druck setzen.
Joshua Kimmich

Neue Spezial-Trainer im Einsatz

Es ist der Stil, mit dem Flick bekanntlich den FC Bayern in Windeseile zum europaweit beachteten Trendsetter formte. Sein aus München mitgebrachter Zuarbeiter Danny Röhl kam deshalb kaum zufällig als der mit Abstand lauteste DFB-Trainer rüber, den noch die Kiebitze hinter dem Zaun auf der Waldau hörten.
Kimmich sieht in dem selbstbewussten Taktikfuchs "menschlich und fachlich einen super Typen". Ähnlich gut ankommen soll der Standardspezialist Mads Buttgereit, der erste Freistoßübungen orchestrierte. Es gibt im Spielerkreis und dem Trainerteam also einen ausgeprägten Willen, die ausgetretenen Pfade so schnell wie möglich zu verlassen.

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