: Dortmunds Tücke mit Titel-Trainer Terzic

von Patrick Brandenburg
14.05.2021 | 07:19 Uhr
Edin Terzic hat seinem Herzensklub neues Leben eingehaucht und zum Triumph im DFB-Pokal geführt. Bald tritt er beim BVB zurück in die zweite Reihe. Kann das gut gehen?
Riesenjubel rund um den Borsigplatz: Borussia Dortmund hat durch ein 4:1 gegen RB Leipzig zum fünften Mal den DFB-Pokal gewonnen. Fans und Spieler feierten ausgelassen.
Borussia Dortmunds Trainer war als Letzter dran. Seine Mannschaft hatte auf dem Siegerpodium des Olympiastadions bereits losgefeiert, ehe auch Edin Terzic den DFB-Pokal in die Hände bekam und in den Berliner Nachthimmel hob.
Mehrfach klopfte der Chefcoach auf die Trophäe und zeigte dankbar zu seinen Helfern: den Betreuern, Physios und Co-Trainern. Auch im größten Triumph blieb der smarte 38-Jährige ganz der gewohnte Teamplayer.

Lob für Terzic von BVB-Chef Watzke

Egal was jetzt noch passiert in der Achterbahn-Saison des BVB: Mit dem 4:1-Endspielsieg über den im Revier verhassten Kontrahenten RB Leipzig hat sich der bekennende Borussen-Fan Terzic bei den Anhängern von Schwarz-Gelb Heldenstatus erarbeitet. Sollten die Westfalen im Finish der Bundesliga auch die Quali zur Champions League sichern, ginge seine Popularität wohl endgültig durch die Decke.
"Edin hat einen Riesenjob gemacht", lobte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke.
Die Mannschaft war halb tot, er hat ihr neues Leben eingehaucht.
Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund
Dass diese wacklige BVB-Spielzeit nach dem Rauswurf von Lucien Favre Mitte Dezember noch im fünften Pokalsieg der Klubgeschichte endet, hatten nur kühne Optimisten gehofft. Klar, dass nach dem verdienten Erfolg im 78. Finale um den DFB-Pokal über allem die eine Frage lag: Wie soll sich Titel-Trainer Terzic wieder in zweiter Reihe einordnen, wenn im Sommer Marco Rose den Chefposten übernimmt?

Plötzlich zu groß für die Nummer zwei?

Terzics Karriere läuft auf Fast Forward. Trotz etlicher Rückschläge hat der Sympathieträger das Team stabilisiert und dem BVB eine eigene Spielidee zurückgegeben. Es steht wieder eine Mannschaft auf dem Platz, wie nach Schlusspfiff bei der rührenden Abschiedsparty für Routinier Lukasz Piszczek zu sehen war. Der kumpelhafte Terzic lässt den emotional leicht verwelkten Klub aufblühen, aber er ist mehr als nur eine Klopp-Kopie.
Als akribischer Tüftler hat er etliche Sorgenkinder aus dem Formtief geführt, allen voran Marco Reus und Jadon Sancho - zwei Matchwinner beim Pokalsieg. Der Interimscoach hat Borussia breiter aufgestellt und die Abhängigkeit von Erling Haaland gemildert, auch wenn Norwegens Urgewalt im Finale per Doppelpack glänzte. 19 der letzten 25 BVB-Treffer verteilen sich auf andere Schützen. Einzig die Rotation im Tor wirkt wenig schlüssig. Marwin Hitz und Roman Bürki liegen als Nummer eins nicht so weit auseinander, dass der Nutzen des Wechsels die Unruhe überwiegt.

Loyaler Teamplayer statt Kontrahent

Terzics Ego ist nicht das Problem, wenn er bald wieder als Assistent zuarbeitet. Seine Integrität hat er schon unter Favre bewiesen, an Loyalität zur Borussia gibt es ohnehin keine Zweifel. Wenn der Sauerländer im Sommer mit Demut aus dem Scheinwerferlicht tritt - entgegen aller Branchen-Reflexe -, dann wartet auf den neuen Chef ein Kollege, kein Kontrahent.
Aber Terzic wird kaum verhindern können, dass die Spieler mit ihrem Titeltrainer ein besonderes Verhältnis pflegen. Ein echter Neuanfang mit Rose wird gebremst. Zumal viele Fans die Verehrung für ihren Traumtrainer mit Skepsis gegenüber dem Neuen paaren werden. Und ganz praktisch: Der BVB muss ihm eine konkrete Aufgabe suchen, denn Rose bringt ein eingespieltes Team mit.
Feiern ohne Fans - Borussia Dortmund ist zum fünften Mal DFB-Pokalsieger.Quelle: dpa

Tür für Wechsel ist offen

Vielleicht löst sich das Problem aber von selbst. Chancen auf einen attraktiven Chefposten in der Liga gibt es zuhauf. Zuletzt wurde noch Eintracht Frankfurt als Interessent vermutet. "Edin hat den Schlüssel selbst in der Hand. Er lebt, spürt und atmet Borussia Dortmund. Aber wenn er möchte, sprechen wir mit ihm", sagte Watzke und eröffnete dem geschätzten Mitarbeiter alle Optionen.
Vor Ende der Spielzeit gibt sich der aber lieber weiter als schlagfertiger und jovialer Teamplayer: "Ich hab nix in der Hand, nur den Pokal. Jetzt gönnt uns doch mal diesen Abend."