: DFB-Frauen noch "mit Prämie zufrieden"

von Frank Hellmann
23.06.2022 | 15:14 Uhr
Die Equal-Pay-Diskussion schwappt auch zu den DFB-Frauen rüber. Die Zeiten mit dem Kaffeeservice als EM-Titelprämie sind zwar vorbei. Doch die Männer sind dem DFB viel mehr wert.
Martina Voss-Tecklenburg: "Irgendwann die Prämien für die Nationalmannschaften der Männer, der Frauen und die U21 angleichen"Quelle: dpa
Noch immer steht im Hause von Martina-Voss-Tecklenburg in Straelen nahe der deutsch-niederländischen Grenzen das berühmte Kaffeeservice, das einst nach dem ersten Titel bei einer Frauen-Europameisterschaft 1989 an die siegestrunkenen deutschen Spielerinnen ausgereicht wurde. Die Bundestrainerin benutzt es bis heute regelmäßig.
Gerne betont die 54-Jährige in diesem Zusammenhang, dass damals niemand auf die Idee gekommen wäre, sich dereinst bei den Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu beschweren, weil es sich um eine "symbolhafte Geste" gehandelt habe.
Das waren Zeiten: EM-Titel-Prämie des DFB für sein erfolgreiches Frauenteam 1989Quelle: dpa
Wir waren Amateure, der DFB durfte uns damals gar kein Geld zahlen.
Martina Voss-Tecklenburg
Seit jenem legendären Finale in Osnabrück hat Deutschland noch sieben weitere Male dieses Frauen-Turnier gewonnen. Irgendwann gab es auch Bares. Inzwischen lobt der Verband für die Fußball-EM der Frauen in England (6. bis 31. Juli - live bei ARD und ZDF) die Rekordsumme von 60.000 Euro beim Titelgewinn aus – deutlich mehr als bei der EM vor fünf Jahren in den Niederlanden (37.500 Euro).

Diskrepanz zu den Männern bleibt groß

Die Diskrepanz zu den Männern bleibt gewaltig: Die hätten im Vorjahr für einen EM-Triumph in Wembley, wo nun auch das Frauen-Endspiel steigt, satte 400.000 Euro kassiert.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat zuletzt ausdrücklich betont, dass das Frauen-Team dieselben Bedingungen wie die Männer vorfindet. Doch bei der Entlohnung hört die Gleichberechtigung nach wie vor auf.

Andere Verbände sind mutiger

Andere Verbände trauen sich mehr: Nach Norwegen und England hatten auch Spanien und die Niederlande angekündigt, gleiche Prämien an Männer wie Frauen zu bezahlen. Zuletzt stellte der Schweizer Fußball-Verband (SFV) ein abgestuftes Modell vor, bei dem bis 2024 Gleichheit bei den "partnerbezogenen Erfolgsprämien" herrscht.
Und weil die Schweiz auch der Gegner für den einzigen Härtetest des achtfachen Europameisters in Erfurt (Freitag, 16:45 Uhr/live im ZDF) sein wird, schwappt die Equal-Pay-Debatte automatisch ins deutsche Lager.
Voss-Tecklenburg ist eine facettenreiche Betrachtung wichtig: "Man kann darüber nachdenken, irgendwann die Prämien für die Nationalmannschaften der Männer, der Frauen und die U21 anzugleichen, weil diese drei Teams vorneweg marschieren."
Aber es nicht möglich, dass die Frauen für einen Titel 400.000 Euro bekommen. Das kann sich kein Verband in Europa leisten, so lange der Männer-Fußball die Sportart Nummer eins ist, die alles andere überstrahlt.
Martina Voss-Tecklenburg
Irgendwann, sagt die Bundestrainerin, seien FIFA und UEFA da gefordert, ein Prämiensystem zu schaffen, dass für alle gleich ist.

Bierhoffs Gegenargumente

DFB-Direktor Oliver Bierhoff verweist auf die unterschiedlichen Erlösströme, die einer Prämienangleichung entgegenstünden. Die UEFA verteilt bei einer Männer-EM rund 331 Millionen Euro, bei den Frauen sind es nur 16 Millionen. Die Fußball-Dachorganisation in Nyon, so heißt es, erwirtschaftet mit diesem Turnier keinen Cent Gewinn.
Beim DFB war es zuletzt so: Die Männer-Nationalmannschaft erwirtschaftete durch die Vermarktung ein Plus von mehr als 40 Millionen Euro; bei den Frauen schlug ein Minus von 1,5 Millionen zu Buche. Bierhoff hat darüber hinaus festgestellt, dass die Erwartungshaltung für eine sofortige Angleichung der Prämien in den Verhandlungen mit den deutschen Spielerinnen "gar nicht da gewesen" sei.
Seit 2013 A-Nationalspielerin: Sara DäbritzQuelle: dpa
Sara Däbritz aus dem Mannschaftsrat der DFB-Frauen wirkte bei der Thematik tatsächlich ziemlich entspannt. Die jüngsten Entwicklungen in anderen Verbänden seien "ein tolles Zeichen", sagte die 27-Jährige 85-fache Nationalspielerin, die im Sommer 2022 von Paris Saint-Germain (seit 2019) zu Olympique Lyon wechselt.
Aber: "Man muss das differenziert sehen, weil die Verbände das jeweils anders handhaben."
Wir sind mit unserer Prämie zufrieden, sie ist auf einem höheren Niveau als vor vier Jahren.
Sara Däbritz
"Wir stehen aber auch in der Verantwortung, wollen ein gutes Turnier spielen und die Menschen begeistern", so Däbritz. Könnte heißen: erst Leistung bringen, dann mehr Lohn fordern.

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