: Svensson: Impfung persönliche Entscheidung

von Frank Hellmann
24.10.2021 | 06:55 Uhr
Mainz-Trainer Svensson hat im aktuellen sportstudio Bayern-Profi Kimmich verteidigt, der nicht gegen Corona geimpft ist. "Es gehört mehr zu ihrem Leben als nur die Arbeit."
Zu Gast im Studio ist Bo Svensson, Trainer von Mainz 05. Dazu der 9. Bundesliga-Spieltag - u.a. mit Hertha - Gladbach.
Bei keinem Bundesligisten war die Debatte um ungeimpfte Spieler beim Saisonstart so groß wie beim FSV Mainz 05. Die Rheinhessen konnten wegen umfassender Quarantäne-Maßnahmen nach mehreren Corona-Fällen am ersten Spieltag gegen RB Leipzig nur mit einem Rumpfteam antreten.
Daran erinnerte Bo Svensson im aktuellen sportstudio am Samstagabend. "Am Anfang der Saison war das ein Riesenthema bei uns", sagte der 42-Jährige, der über den Impfstatus seiner Profis inzwischen informiert ist. "Ich weiß, wer geimpft ist." Nichtsdestotrotz sei er weit davon entfernt, eine Empfehlung auszusprechen.

Svensson: Impfen persönliche Entscheidung

Und so zeigte der Fußballlehrer auch Verständnis für den Bayern-Nationalspieler Joshua Kimmich, der bekannt hatte, sich wegen fehlender Langzeitstudien vorerst nicht impfen lassen zu wollen. "Jeder hat das Recht, das selbst zu entscheiden. Und selbst wenn wir als Verein eine Impfung empfehlen: Es sind Menschen, und es gehört mehr zu ihrem Leben als nur die Arbeit", sagte Svensson.
Daher müsse die Entscheidung des Einzelnen respektiert werden. Man müsse nicht Kimmichs Meinung teilen, "aber ich finde es mutig und richtig, dass sich Fußballspieler trauen, ihre Meinung zu sagen".
Fußball spiegelt die Gesellschaft wider. Da sind auch Zweifel erlaubt, was das Richtige ist.
Bo Svensson

Bei Amtsantritt Bedingungen gestellt

Svensson ist nicht einmal ein Jahr im Amt und hat sich schon beim Ausbildungsverein FSV Mainz 05 als Cheftrainer einen Namen gemacht, der mit einer Mischung aus Einfühlungsvermögen, Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft punktet.
Der "typische Däne", wie Vorstand Christian Heidel seinen kurz nach Weihnachten verpflichteten Wunschtrainer bezeichnet, verriet, dass er beim ersten Angebot - damals beim österreichischen Zweitligisten FC Liefering unter Vertrag - sich noch Bedenkzeit erbeten hatte. "Wenn ich den Job nehme", erklärte Svensson, mache er ihn auf seine Art und Weise.
Damals lagen die Nullfünfer abgeschlagen mit dem FC Schalke 04 am Tabellenende, deshalb habe er sich anfangs von den Ergebnissen abgekoppelt; wichtiger sei gewesen, "für was wir stehen". Die Spielweise, die Überzeugung, aber auch das Scouting und die Verbindung zum Nachwuchsleistungszentrum, "wir haben andere Sachen definiert".

Vergleiche mit Klopp und Tuchel hält er für vermessen

Svensson, der mittlerweile schon insgesamt zwölf Jahre beim FSV Mainz in verschiedenen Rollen tätig war, hat mit dem unerwarteten Klassenerhalt Geschichte geschrieben. Sein neues Ziel ist es, "Mainz 05 zum stabilen Verein zu bringen". Da ist Svensson auf einem guten Wege, hat nach neun Spieltagen bereits 13 Punkte geholt - in der Vorsaison kam diese Marke erst nach 20 Spieltagen zusammen.
Klar, dass Vergleiche mit seinen Vorgängern, zum acht Jahre tätigen Jürgen Klopp und sechs Jahre wirkenden Thomas Tuchel, auf der Hand liegen. "So vermessen bin ich nicht", betonte Svensson. "Die einzige Ähnlichkeit ist, dass beide hier auch Trainer waren. Und damit hört es dann auch schon auf."

Zwei "außergewöhnliche Menschen"

Was er zu Klopp und Tuchel sagen könne?
Zwei außergewöhnliche Menschen und Trainer. Ich bin glücklich, dass ich unter beiden spielen durfte.
Bo Svensson
Tuchel sorgte einst mit den "Bruchweg-Boys" für Furore, als eine junge Elf, angeführt von Lewis Holtby, André Schürrle und Adam Szalai in der Saison 2010/2011 zeitweise die Bundesliga anführte.
Nach dem teilweise berauschenden 4:1 gegen den FC Augsburg am Freitagabend fühlten sich viele Fans an diese Zeiten erinnert, weil vor allem der erst 21-jährige Stürmer Jonathan Burkardt vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick im 50. Bundesligaspiel brillierte. Svensson kennt den Kapitän der deutschen U21-Nationalmannschaft bereits aus der U19, will ihn aber gar nicht allzu sehr herausheben. Noch immer müsse Burkardt an seiner Effektivität arbeiten, "das hat sich nicht geändert, obwohl er getroffen hat".

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