: Kein Sieger, aber zwei Gewinner

von Andreas Morbach
14.08.2021 | 10:54 Uhr
Zum Start in die neue Bundesliga-Saison haben sich Gladbach und München 1:1 getrennt – die beiden neuen Cheftrainer verließen den Borussia-Park mit einem erkennbar guten Gefühl.
Julian Nagelsmann und Adi Hütter (r.) im Gladbacher Borussia ParkQuelle: dpa
Der stimmungsvolle Bundesliga-Auftakt zwischen Gladbach und den Bayern war schon eine Dreiviertelstunde Geschichte, als sich eine Handvoll Borussen-Fans noch ein letztes Mal Gehör verschaffte. Die beiden Trainer absolvierten an der Seitenauslinie gerade ihre letzten Fernsehinterviews, als es über ihren Köpfen von der Tribüne schallte: "Adi Hütter, Fußballgott!"

Nagelsmann: "Gerechtes Unentschieden"

Die Gladbach-Anhänger waren offensichtlich sehr zufrieden mit dem Einstieg des neuen Übungsleiters. Im Pokal bei Drittligist Kaiserslautern eine Runde weiter, und nun im ersten Punktspiel ein höchst abwechslungsreiches 1:1 gegen den Serienmeister aus dem Süden: Die Bilanz ist d’accord, und Adi Hütter selbst betonte vor dem Gang ins Wochenende:
Dafür, dass es das erste Bundesligaspiel war, bin ich sehr zufrieden.
Adi Hütter
Im Duell der beiden frisch engagierten Trainer wollte Julian Nagelsmann seinem Kollegen aus Österreich nicht nachstehen. Zwar kann der neue Bayern-Dompteur nach vier Test- und einem Pflichtspiel mit den Münchnern noch immer keinen Sieg vorweisen. Doch ein bisschen als Gewinner fühlte sich auch der gebürtige Oberbayer, der von einem "sehr unterhaltsamen Spiel" und einem "gerechten Unentschieden" sprach.

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Quelle: dpa

Beeindruckende Atmosphäre im Borussia-Park

Schließlich war sein Team an einem spektakulären, hochemotionalen Eröffnungsspiel beteiligt, hatte zu den insgesamt abgespulten 241 Kilometern knapp die Hälfte beigetragen – und in Person von Robert Lewandowski Gladbachs Schlussmann Yann Sommer phasenweise die Handschuhe qualmend geschossen.

Wenigstens einmal – kurz vor der Pause zum 1:1 – konnte die polnische Torfabrik den tausendarmigen Schweizer dabei überwinden. Ob die Bayern mit diesem Punkt zufrieden seien, empfand Lewandowski am Ende zwar als "schwierige Frage", aber auch er war beeindruckt von der Atmosphäre im mit knapp 23.000 Zuschauern gefüllten Borussia-Park.

Am Dienstag im Supercup gegen Dortmund

"Die Stimmung war richtig geil", lobte der 32-Jährige, erwähnte zudem die prinzipiell herausfordernden Partien in Gladbach.
Das, was wir gespielt haben, war kein perfekter Fußball – nicht mit diesen vielen Fehlern.
Robert Lewandowski
Lewandowski dachte dabei neben der von den Bayern völlig verschlafenen Anfangsviertelstunde auch an die beiden umstrittenen Elfmeterszenen für die Borussia in der Schlussphase.

Entsprechend richtete Münchens Goalgetter den Blick "nach vorne" – und da wartet auf das Nagelsmann-Ensemble bereits am Dienstag der Supercup in Dortmund. Ob er mit seiner Mannschaft momentan nicht lieber ein bisschen mehr trainieren wolle, anstatt sich mit dem BVB zu duellieren, wurde Nagelsmann in dem Zusammenhang gefragt – woraufhin er lakonisch meinte: "Fragen Sie mich am besten in zwei Wochen nochmal."

Spannende Aufgabe für Hütter

Sein entspanntes, offenes Lächeln, das er nach überstandenem Stresstest dabei in die Runde warf, ließ immerhin erahnen, dass er durchaus zufrieden war, am Niederrhein nicht verloren zu haben. Ein besonderes Augenmerk wird Nagelsmann dabei in nächster Zeit auf die weiterhin wacklige Münchner Defensive legen müssen, die den Gegnern schon in der Vorsaison 42 Treffer gestattete.
Vom Spiel, von der Laufbereitschaft, von der Mentalität her, war das endlich mal wieder ein geiler Abend im Borussia-Park.
Lars Stindl
Ebenso gespannt darf man darauf sein, wie Adi Hütter nach drei Jahren Powerfußball mit Frankfurt nun die technisch hochveranlagte Gladbacher Mannschaft weiterentwickelt. Einen Vorgeschmack auf das, was möglich ist, bekamen die Borussen-Fans gegen die Bayern zumindest phasenweise zum Auftakt schon serviert.
Quelle: ZDF

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