: Gruselig: "Geister-Meister"-Feier in Bremen

von Ralf Lorenzen
17.06.2020 | 05:00 Uhr
Knapp und nüchtern war es. Der FC Bayern München siegt 1:0 gegen Werder Bremen und muss die Meister-Sause vertagen.
Abstand statt Bierdusche: Der FC Bayern München feiert die deutsche Meisterschaft.Quelle: epa
Kurz vor Ende der regulären Spielzeit kehrten die Ersatzspieler der Bayern vom Warmlaufen auf ihre Plätze hinter der Trainerbank zurück. Dort hielt es den angeschlagenen, aber mitgereisten Ivan Perisic nicht mehr. Im Stehen und zum Sprung bereit sah er, wie die Bremer Mannschaft auf den Ausgleich drängte.

Bremen lässt Bayern bis zum Schluss zappeln

Sogar Claudio Pizarro hatte Trainer Florian Kohfeldt noch ins Getümmel geworfen, um den Münchnern, die seit einer gelb-roten Karte für Alphonso Davies in der 79. Minute zu zehnt spielten, den Titel noch zu entreißen. Und sich selbst einen wertvollen Punkt im Abstiegskampf zu sichern.

Als Schiedsrichter Harm Osmers die vierminütige Nachspielzeit beendete, sprang der gesamte Münchner Anhang auf und der einsetzende Jubel verriet, dass auch der achte Titel in Folge keine Routine für das erfolgsverwöhnte Team darstellt. Spieler und Betreuer klatschten sich ab, einige fielen sich zur einsetzenden Werder-Hymne um den Hals.

Keine Bierdusche, keine Schale

Wer geglaubt hatte, dass irgendwer doch noch ein Bierglas, eine Meisterschalenattrappe oder eines der sonstigen Relikte solcher ritualisierten Feierstunden hervorzaubern würde, sah sich getäuscht. Alle hielten sich vorbildlich an die Hygieneregeln, die eben nur nacktes Spiel und keine emotionalen Abweichungen vorsehen. Einzig ein rotes Trikot mit der Acht zogen sich die Spieler über.

Der größte Jubel brandete auf, als sich das Präsidium um Karl-Heinz Rummenigge unterm Stadiondach erhob und die Mannschaft zur Ehrenrunde aufforderte. Dazu kam es nicht, stattdessen blieben die Spieler noch lange etwas verloren im Kreis stehen und lauschten den Worten von Trainer Hansi Flick.

Entscheidung durch Lewandowski

So musste jeder die Bilder fröhlichen Feierns, die ja gerade die Anhänger des nunmehr 30-maligen deutschen Meisters verinnerlicht haben, dazu denken und über das reale Bild legen. Vorher hatte es 42 Minuten lang so ausgesehen, als könnte der von Werders Sportchef Frank Baumann formulierte Wunsch erfüllt werden, dass die Bayern nicht unbedingt in diesem Spiel deutscher Meister werden müsste.

Dass sie es dennoch wollten, zeigten die Bayern von Anfang an und zogen Angriffswelle auf Angriffswelle auf. Doch die aufopferungsvoll kämpfenden Bremer hielten sie lange vom Tor weg, bis Robert Lewandowski der Bremer Abwehr doch entwischte und ein Zuspiel von Jerome Boateng aus der Luft annahm und volley vollendete.

Bayern feiert den Titel in drei Etappen

In der zweiten Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften größtenteils, bis die Bremer nach Davies‘ Platzverweis nochmal Druck aufbauten. Sie müssen nun hoffen, dass ihre Konkurrenten um den Klassenerhalt, Fortuna Düsseldorf und Mainz 05, morgen nicht punkten. Die Münchner bleiben die Nacht in einem Bremer Hotel, wo es sicher noch Gelegenheit zum Anstoßen geben wird.

Eine kleine Feier im internen Mannschaftskreis soll es aber erst am Samstag geben. Und die Schale wird dann am letzten Spieltag in Wolfsburg überreicht. Eine Meisterfeier in drei Etappen - die Freude muss trotzdem wohl eher nach innen gehen.
Es ist eine komische, kuriose Meisterschaft. Wir sind total zufrieden.
Karl-Heinz Rummenigge
Alles zum 32. Spieltag: