Schalke plant wohl mit Gehaltsobergrenze

29.06.2020 | 19:20 Uhr
In Zeiten der Not geht der FC Schalke offenbar neue Wege. Nach Medieninformationen führt der Tabellen-Zwölfte als erster Bundesliga-Klub eine Gehaltsobergrenze für Profis ein.
Eine desaströse Rückrunde, Fan-Proteste, Verbindlichkeiten: Baustellen hat der FC Schalke viele. Einem Pressebericht zufolge denkt der Klub jetzt über eine Gehaltsobergrenze nach.
Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll beim FC Schalke kein neuer Spielervertrag 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt überschreiten. Viele Beobachter werten den mutigen Schritt als Demutsgeste, andere als ökonomische Notwendigkeit und manche als Kapitulation im Kampf um sportliche Konkurrenzfähigkeit. Der Verein wollte sich am Montag nicht dazu äußern und verwies auf ein Mediengespräch am Mittwoch.

Schalke mit fast 200 Millionen Euro Schulden

Die Pläne der Schalker dürften die in der Corona-Krise aufgelebte Diskussion über eine Gehaltsobergrenze verstärken. Angesichts der hohen Einnahmeverluste der Vereine waren Forderungen nach massiven Veränderungen im finanziell überbordenden System Profi-Fußball laut geworden.
Weniger der eher ideologische Diskurs dürfte den FC Schalke inspiriert haben, als erster Klub den Schritt zu wagen. Schließlich hatte der Verein schon vor der Corona-Krise für das Geschäftsjahr 2019 Verbindlichkeiten in Höhe von 197 Millionen Euro vermeldet.
Seither wird intensiver denn je über Einsparmöglichkeiten nachgedacht. Der gescheiterte Versuch, sich für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, erhöhte den Handlungsdruck. Schon länger standen die Ausgaben für Gehälter in keinem effektiven Verhältnis mehr zu den sportlichen Ergebnissen.

Bericht: Land NRW hilft mit Bürgschaft

Nach Informationen des "Handelsblatts" erhält der Verein nun aber Rückendeckung vom Land Nordrhein-Westfalen. Demnach gewährt die Regierung von Ministerpräsident Armin Laschet den Knappen eine Landesbürgschaft in Höhe von rund 40 Millionen Euro. Ebenfalls am Mittwoch solll die Bürgschaft offiziell bekanntgegeben werden.
Allerdings plagen die Schalker nicht nur finanzielle Sorgen. Nach zuletzt 16 Spielen ohne Sieg, der anhaltenden Diskussion um die Zukunft von David Wagner und dem Trubel rund um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies ist der Klub intensiv um eine Imageverbesserung bemüht.

Schalke-Fans gegen das System Tönnies

Noch am vergangenen Samstag hatten rund 1.000 Fans am Vereinsgelände Berger Feld ihren Unmut bekundet, während das Team beim 0:4 in Freiburg die sportliche Talfahrt fortsetzte. In dieser Gemengelage kommt ein Zeichen, dass es der Verein ernst meint mit dem Wunsch nach mehr Bodenständigkeit und Balance, gerade recht.
Die erste Reaktion der Demo-Organisatoren auf die Medienberichte über einen Gehaltsverzicht fiel jedoch verhalten aus und deutet darauf hin, dass es damit nicht getan ist.
Die Entscheidung ändert nichts an dem Protest, es geht um das System Tönnies.
Stefan Barta, Organisator der Schalker Fan-Demo

Gehaltsobergrenze könnte Profis abschrecken

Die Diskussion über Tönnies dürfte dem Verein erhalten bleiben. Er steht als Firmenchef und als Chef des Bundesligisten weiter massiv unter Druck. Im Stammwerk des Tönnies-Fleischkonzerns im Kreis Gütersloh hatten sich weit über 1.000 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Deshalb gab es heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen im Unternehmen. Viele Schalke-Fans fordern einen Rücktritt von Tönnies bei den Königsblauen.
Auch die Kaderplanung dürfte sich als schwierig erweisen. Denn eine Gehaltsobergrenze schreckt nicht nur potenzielle neue Spieler ab, sondern könnte auch den Verbleib arrivierter Kräfte wie Nationalspieler Suat Serdar gefährden.
Spurensuche nach dem Fleisch-Skandal: Was berichten ehemalige Tönnies-Mitarbeiter, die nach Rumänien zurückgekehrt sind?
Quelle: dpa