: Haaland "wird Ära prägen"

von Frank Hellmann
10.03.2021 | 11:39 Uhr
Borussia Dortmund kämpft sich mit dem 2:2 gegen den FC Sevilla als erster Bundesligist ins Viertelfinale der Champions League. Dieser Erfolg ist für die Westfalen viel wert.
BVB-Torgarant auch in der Königsklasse: Erling HaalandQuelle: epa
Es war gar nicht so leicht auszumachen, welche Jubelgeste denn noch besser die Gefühlslage bei Borussia Dortmund beschrieb? Der auf den Rasen sinkende Torjäger Erling Haaland, der auf den Knien seine Freude herausschrie? Oder der in Rücklage gehende Trainer Edin Terzic, der mit geballten Fäusten die Anspannung herausbrüllte?

Viertelfinal-Rückspiel mit zittriger Schlussphase

Letztlich war für die Westfalen am Dienstagabend in einem packenden Champions-League-Achtelfinale alles gut gegangen. Trotz zittriger Schlussphase langte das 2:2 (1:0) gegen den FC Sevilla zum Weiterkommen.
Dank der norwegischen Naturgewalt Haaland. Mit seinen beiden Treffern (35. und 54./Foulelfmeter) verbesserte der 20-Jährige seine Quote auf 20 Tore in nur 14 Königsklasse-Spielen.
Er wird eine Ära prägen,
befand Sevillas Trainer Julen Lopetegui, dessen Team schon beim 2:3 im Hinspiel drei Wochen zuvor zwei Tore des besten Champions-League-Schützen der laufenden Saison kassierte.

BVB-Trainer Edin Terzic hat neue Statik vermittelt

Zum ersten Male seit 2017 stehen die Schwarz-Gelben wieder im Viertelfinale der Champions League. Und das ist immens viel wert. Denn anders als bei der Borussia aus Mönchengladbach hat Dortmund nach dem Theater um den Wechsel von Trainer Marco Rose noch die Kurve gekriegt. Interimscoach Terzic kann mit dem Team im DFB-Pokal gegen Zweitligist Holstein Kiel ins Finale einziehen, in der Champions League auf ein großes Los hoffen - und mit diesem Rückenwind auch in der Bundesliga noch die Champions-League-Ränge angreifen.
Es fühlt sich ganz cool an. Es ist für uns in den letzten Jahren nicht selbstverständlich gewesen, so weit zu kommen,
Edin Terzic
Für den Terzic könnte die Saison nach einem holprigen Start überaus erfolgreich enden, der Fußballlehrer hat es nicht nur geschafft, die Mannschaft auf seinem Weg mitzunehmen, sondern die unter Lucien Favre oft so wankelmütige Elf endlich zu stabilisieren.

BVB: Straßenkämpfer statt Schöngeister

Ein Mittelfeld mit Mahmoud Dahoud, Thomas Delaney und Jude Bellingham vor der Innenverteidigung mit Emre Can und Mats Hummels arbeitete gegen die spielstarken Spanier, die den BVB zeitweise in der eigenen Hälfte einschnürten, extrem fleißig gegen den Ball. Damit widerlegten die Schwarz-Gelben eindrucksvoll den Ruf, nur als verspielte Schöngeister zu glänzen. Stattdessen überzeugten sie als entschlossene Straßenkämpfer.
"Es war am Ende natürlich nochmal super eng. Es war ein geiler Fight, ein geiles Weiterkommen. Unter den letzten Acht in Europa, das haben wir uns verdient", sagte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung.

Geld könnte helfen, Haaland zu halten

Auf der Ehrentribüne waren auch Manager Michael Zorc und Vorstandschef Hans-Joachim Watzke unendlich erleichtert. Die Champions League ist mit ihren gigantischen Erlösmöglichkeiten mitten in der Corona-Krise das Lebenselixier für den anspruchsvollen BVB, der durch die Pandemie ohnehin mit erheblichen Verlusten rechnet. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2020/21 hatte der börsennotierte Verein kürzlich ein Minus von 26,3 Millionen Euro vermeldet.
Der Gesamtumsatz fiel im gleichen Zeitraum von 236,6 auf 177,4 Millionen Euro. Der internationale Wettbewerb hübscht aber nicht nur die Bilanz auf, sondern ist ein wichtiges Argument, um Stützen wie Jadon Sancho oder eben Haaland zu halten. Die immer neuen Gerüchte um den Weltklassestürmer kommentierte Zorc so: "Es ist nicht von uns beeinflussbar, wer sich da was in den Kopf setzt. Wir planen weiter mit ihm."

Haaland schuftet im eigenen Strafraum

Matchwinner Haaland schuftete am Ende sogar am eigenen Strafraum, um nicht bei einem 2:3 in die Verlängerung zu müssen. Die Aufregung in der dramatischen Nachspielzeit hätte sich Terzic übrigens liebend gern erspart:

Als kleiner Junge hatte ich den großen Traum, mit Fußball alt zu werden. Jetzt habe ich das Gefühl, ich werde alt wegen Fußball.

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