: Tuchel triumphiert über Guardiola

30.05.2021 | 11:54 Uhr
Wenige Monate nach seinem Amtsantritt beim FC Chelsea feiert Trainer Thomas Tuchel den Sieg in der Champions League. Tuchels Konzept ging auf - anders als das von Pep Guardiola.
Chelsea-Trainer Thomas Tuchel beim Sieg gegen Manchester City.Quelle: ap
Auf dem vorläufigen Karriere-Gipfel wurde Thomas Tuchel sentimental. Im Moment des Champions-League-Sieges mit dem FC Chelsea fühlte sich der Trainer wie "in einem Film" und wollte sein ganzes Glück mit seiner Familie teilen.
"Meine Eltern, die mich auf jeden Platz gefahren haben, meine Frau, die in der Landesliga Süd bei der zweiten Mannschaft vom FC Augsburg hinter mir stand und dachte: 'Mit wem bin ich denn da zusammen?'"
Wenn ich darüber nachdenke, fange ich an zu weinen.
Thomas Tuchel

Tuchel: Unterstützung durch die Familie

Tuchels Eltern, Frau Sissi und die beiden Töchter erlebten im Estádio do Dragão von Porto mit, wie der frühere Trainer von Mainz 05 und Borussia Dortmund seinen ersten internationalen Titel eroberte. "Das ist das Schönste, ehrlich gesagt", schwärmte der Chelsea-Coach.

Das 1:0 (1:0) gegen Manchester City diente auch als Tuchels Meisterstück, nachdem er vor einem Jahr mit Paris Saint-Germain noch im Endspiel gegen den FC Bayern mit 0:1 unterlegen war. Den Job in Paris hatte er kurz vor Heiligabend verloren, ein halbes Jahr später führte er Chelsea auf Europas Fußball-Thron. Nach Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool 2019 und Münchens Hansi Flick 2020 ist er der dritte deutsche Siegertrainer in der Champions League nacheinander.
Thomas Tuchel mit seiner Ehefrau.Quelle: ap

Kindheitstraum für Havertz wahr geworden

Als Tabellenneunter der Premier League hatte Tuchel Chelsea Ende Januar übernommen und bis zum Saisonende noch auf Platz vier gehievt. Das FA-Cup-Finale gegen Leicester City verloren die Londoner zwar, doch im größten Spiel der Saison waren sie die Gewinner.
"Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung", sagte Siegtorschütze Kai Havertz. Mit herausgestreckter Zunge hatte der 21-Jährige seinen entscheidenden Treffer in der 42. Minute gefeiert, es war sein erstes Tor in Europas wichtigstem Club-Wettbewerb. Für mehr als 130 Millionen Euro hatte Chelsea ihn und seinen Nationalmannschaftskollegen Timo Werner vor dieser Saison verpflichtet. Immer wieder mussten beide mit Zweifeln und Kritik kämpfen.
Thomas Tuchel: In 151 Tagen zum CL-Titel.Quelle: ZDF
"Das ist mir gerade scheißegal", sagte Havertz, als er danach gefragt wurde, ob er nun seine hohe Ablöse zurückgezahlt habe. Werner indes sagte: "Deswegen sind wir hergekommen, deswegen wurden wir gekauft." Und auch der Ex-Leipziger, der beim Siegtor mit einem cleveren Sprint Platz für Havertz geschaffen hatte, lobte Tuchel als Entwickler der jungen Spieler im Team.
Kai Havertz.Quelle: DPA

Guardiola verunsichert das eigene Team

Für den Chelsea-Trainer war es im dritten Saisonspiel gegen den Meister aus Manchester der dritte Sieg. "Wir haben es gestern gefühlt, wir haben es vorgestern gefühlt. Wir sind der Stein im Schuh von Man City", sagte Tuchel. Sein erster Weg nach dem Titelgewinn führte ihn zu City-Coach Pep Guardiola.
Vielleicht wegen seines Respekts vor Tüftler Tuchel hatte Guardiola eine Formation gewählt, die sich als falsch erweisen sollte. Statt die zuletzt in der Liga so erfolgreiche Taktik einzusetzen, verunsicherte Guardiola sein Team mit neuen Stilelementen.
Die Spieler wussten genau, was sie zu tun hatten.
Pep Guardiola
Doch seine Elf wirkte von Guardiolas Ideen überfordert, hatte kaum Torchancen. "Uns hat die Inspiration gefehlt", räumte Guardiola ein. Ganz im Gegensatz zu Thomas Tuchel und seiner Chelsea-Mannschaft.
Quelle: dpa