: Hansi Flick - Baumeister mit Plan

von Frank Hellmann, Frankfurt
10.08.2021 | 18:32 Uhr
Der neue Bundestrainer Hansi Flick will eine neue Mentalität bei der Nationalmannschaft verankern. Der 56-Jährige grenzt sich klar von Joachim Löw ab.
Bundestrainer Hansi Flick steht wegen der WM-Qualifikation unter Zeitdruck. Aber wer Leistung bringt, für den ist die Tür zum Nationalteam offen.
Hochbetrieb herrscht dort, wo im nächsten Jahr nicht nur die Verwaltung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sondern auch die Akademie einen Unterschlupf und die Nationalmannschaften eine Heimat finden. Auf dem Gelände der ehemaligen Frankfurter Galopprennbahn entsteht das 150 Millionen Euro teure Kraft- und Innovationszentrum.

Passender Rahmen für Erneuerung

Ergo hätte es kaum einen besseren Ort, als den Rohbau der künftigen Trainerlounge von Hansi Flick und Kollegen - im zweiten Stock mit Blick auf die noch nicht angelegten Rasenflächen - geben können, um den Bundestrainer der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Vorweg: Der neue Architekt kam zwischen unverputzten Wänden und freiliegenden Kabeln mit einem schlüssigen Plan und neuem Personal - und nach 90 Minuten war klar, dass das Aushängeschild A-Nationalmannschaft keiner Revolution, wohl aber einer Reform unterzogen wird, die es eigentlich schon nach der vermasselten WM 2018 hätte geben müssen.
Hansi Flick ist in Frankfurt/Main als neuer Fußball-Bundestrainer vorgestellt worden. Seine wichtigsten Aussagen bei der Pressekonferenz.

Kleine Spitze gegen Hasan Salihamidzic

Groß vorstellen musste sich der beim FC Bayern fast maximal erfolgreich arbeitende Fußballlehrer im Grunde nicht, aber es konnte nicht schaden, dass der in München nach internen Reibereien mit dem Sportdirektor Hasan Salihamidzic ausgeschiedene 56-Jährige mal klarstellte, was die neue Aufgabe reizvoll macht:
Man kann die Spieler auswählen, das ist eine gute Sache.
Hansi Flick, Bundestrainer
Der langjährige Assistent unter Joachim Löw schaffte es, seinem Vorgänger einerseits Komplimente zu machen, andererseits aber auch klipp und klar festzuhalten, dass die vergangenen drei Löw-Jahre eben nicht der Anspruchshaltung der Fußball-Nation entsprachen. Dass von ihm mehr als nur eine souveräne Qualifikation für die WM 2022 in Katar erwartet wird, weiß der ehemalige DFB-Sportdirektor: "Wer mit den besten Spielern Deutschlands arbeiten darf, da sind die Erwartungen groß."

Alles geben ist die neue Devise

Klar ist aber auch: Bei nur sechs Länderspielterminen bis zur Wüsten-WM ist nicht viel Zeit, um alles umzukrempeln. Wie schon beim FC Bayern wird Flick einen kleinen Kreis von Führungsspielern benennen, die seine Ansätze umsetzen. Logisch, dass Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Thomas Müller diese Säulen sein könnten.

Die DFB-Auswahl wird mit dem bis 2024 gebundenen Bundestrainer gewiss zielgerichteter als unter dem nach 15 Jahren am Ende arg erschlafften Löw arbeiten, mit dem Flick noch ein längeres Telefonat geführt hat. Der neue Bundestrainer erwartet von seinen Nationalspielern nicht weniger als eine "All-in-Mentalität". Das bedeute für ihn, "dass man alles gibt, um als Sieger vom Platz zu gehen. Das werden wir vorleben, wir alle."
Hansi Flick strebt nach seiner erfolgreichen Zeit beim FC Bayern nach neuen Aufgaben. Beim DFB ist er als Löw-Nachfolger herzlich willkommen.

Viele neue Helfer im Flick-Team

Damit meinte der bestens erholt wirkende Flick, im blütenweißen Hemd erschienen, jene Helferschar, die sich uniform sportlich in schwarzen T-Shirts erst am Stehtisch, später auch am Podium um ihn gruppierten.

Einziger Überlebender aus der Löw-Ära ist Co-Trainer Marcus Sorg, den Flick unbedingt dabei haben wollte. Neu im Stab sind dessen aus München geschätzter Zuarbeiter Danny Röhl, der zunächst in einer Doppelfunktion für den SC Freiburg und DFB arbeitende Schweizer Andreas Kronenberg als Torwarttrainer und der als Spezialist für Standardsituationen geholte Däne Mads Buttgereit. Hermann Gerland soll als Scout eingebunden werden.

DFB setzt alles auf Flick

Frische Expertise von außen, auch garniert mit dem internationalen Blickwinkel, scheint elementar, um dieser Mannschaft wieder mehr Leben einzuhauchen, worauf auch der krisengeschüttelte Verband angewiesen ist.

Interimspräsident Peter Peters flehte nämlich: "Der Verband braucht seine Ehre zurück." Nun, diesbezüglich kann der Löw-Erbe so rasch keine Wunderdinge vollbringen, weil zuerst mal Pflichtaufgaben anstehen: nämlich die WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein (2. September), Armenien (5. September) und Island (8. September).

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