: EM-Stadien: Altbewährt, aber nachhaltig

von Frank Hellmann
13.10.2021 | 11:12 Uhr
Seit dieser Woche laufen die "EURO-Wochen", bei denen vor allem die zehn Stadien für die EM 2024 auf den Prüfstand kommen. Deutschland setzt auf Altbewährtes - und Nachhaltigkeit.
Die Präsentation des Logos fand im Berliner Olympiastadion statt - das größte der zehn EM-Stadien.Quelle: DFB
Die Termine und Auftritte für Philipp Lahm häufen sich wieder. Seine Rolle als Turnierdirektor der Heim-EM führte den Kapitän der Weltmeisterelf von 2014 zuletzt direkt auf den Rasen des Hamburger Volksparkstadions.
Dort bewarb er als Chef-Organisator der EM - gemeinsam mit Botschafterin Celia Sasic - am Rande der Qualifikationspartie gegen Rumänien (2:1) eine Initiative zur Stärkung des Ehrenamts im deutschen Fußball.
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Die eigentliche Arbeit beginnt

Wenige Tage zuvor hatte der 37-Jährige aus den Händen des UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin im Berliner Olympiastadion symbolisch den EM-Pokal empfangen. Nun geht es an die eigentliche Arbeit: Am Dienstag haben die sogenannten "EURO-Wochen" begonnen, bei denen die Delegation aus dem Organisationskomitee bis nächstes Frühjahr alle zehn Standorte für jeweils eine Woche besucht.
Demnächst wird dann auch festgelegt, wo beispielsweise Eröffnungsspiel und Endspiel stattfinden. Derzeit läuft die erste Inspektionsreise in München. Im Zentrum steht, wie Lahm verriet, "die Stadien kennenzulernen". Denn das sind letztlich die Orte, auf die bei dem Turnier vom 14. Juni bis 24. Juni 2024 geschaut wird.
Auf OK-Chef Philipp Lahm kommt viel Arbeit zu (Archivfoto).Quelle: dpa

Stadioninfrastruktur der EM-Arenen wird geprüft

Tatsächlich bildet der "stadium audit" den Kern dieser Termine. "Wir ermitteln hier in Zusammenarbeit mit unseren Partnern bei den Stadien den Status Quo, geplante Anpassungen der Stadioninfrastruktur und prüfen anschließend, wie wir die Anforderungen einer UEFA EURO optimal implementieren können", heißt es auf Anfrage aus dem Organisationskomitee.

Berlin

Das Berliner Olympiastadion ist das älteste und geschichtsträchtigste Stadion der UEFA EURO 2024 und mit einem Fassungsvermögen von über 70.000 Zuschauern auch das größte. Bei der WM 2006 fand hier das Finale zwischen Italien und Frankreich statt.

Dortmund

Dank der "Gelben Wand" ist das Stadion in Dortmund auf der ganzen Welt bekannt. Bei der EURO 2024 gehört es mit einem Fassungsvermögen von mehr als 60.000 Zuschauern zu den größten Stadien. Erbaut für die WM 1974 wurde die stimmungsvolle Arena mehrmals renoviert und war Schauplatz für das WM-Halbfinale 2006 zwischen Deutschland und Italien.

Düsseldorf

Die Düsseldorfer Arena ist das kleinste Stadion bei der EURO 2024, bietet aber trotzdem immerhin mehr als 46.000 Zuschauern Platz bei den Spielen der Endrunde. Die Arena, in der Fortuna Düsseldorf seine Heimspiele austrägt, wurde von 2002 bis 2004 anstelle des früheren Rheinstadions errichtet.

Frankfurt

Die Frankfurter Arena ist nach 1988 auch 2024 wieder Austragungsort der UEFA EURO und bietet Platz für 48.057 Zuschauer. Es ist nur unweit von der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes entfernt. 1974 fand hier das Eröffnungsspiel der WM 1974 zwischen Brasilien und Jugoslawien statt und 2011 gewann Japan an gleicher Stelle das Finale der Frauen-WM gegen die USA.

Gelsenkirchen

Die Arena auf Schalke wurde im August 2001 eingeweiht und ist seither die Heimat des FC Schalke 04. Während bei Heimspielen der Schalker 62.000 Zuschauer im Stadion Platz finden, sind es bei internationalen Spielen nur knapp 50.000. Das Multifunktionsstadion mit schließbarem Dach und ausfahrbarem Spielfeld erlebt regelmäßig im Winter auch Biathlon-Veranstaltungen.

Hamburg

Das Volksparkstadion in Hamburg wurde 1953 eröffnet und 2000 zu einem reinen Fußballstadion umgebaut, auch wenn dort weiterhin Konzerte und andere Großveranstaltungen stattfinden. Bei internationalen Spielen finden gut 50.000 Zuschauer in der Arena Platz.

Köln

Das Stadion in Köln gehört mit einem Fassungsvermögen von rund 46.000 Zuschauern zu den kleineren Arenen bei der UEFA EURO 2024. Zwischen 2001 und 2004 erhielt das Stadion sein aktuelles Gesicht. 2006 fanden in der Heimspielstätte des 1. FC Köln insgesamt fünf WM-Spiele statt.

Leipzig

Das Leipziger Stadion ist Heimat des Bundesligisten RB Leipzig. Im Sprachgebrauch wird es noch immer Zentralstadion genannt, weil es dort errichtet wurde, wo einst das größte Stadion der DDR stand. Es liegt eingebettet im begrünten Wall des "alten" Zentralstadions.

München

Die Münchener Arena wurde gemeinsam von den Vereinen Bayern München und 1860 München vor den Toren der Metropole erbaut. Mittlerweile ist das Stadion, das bei internationalen Spielen 66.000 Zuschauer fasst, im alleinigen Besitz des deutschen Rekordmeisters. 2006 fand hier das WM-Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica statt, bei der diesjährigen EM insgesamt vier Spiele.

Stuttgart

Die Arena in Stuttgart wurde 1933 errichtet, seither aber sehr oft umgebaut und modernisiert. Im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte war das Stadion, das bei der EURO 2024 eine Kapazität von 50.000 Zuschauern hat, Gastgeber zahlreicher sportlicher Großereignisse, vor allem der Leichtathletik. 2008 wurde das Stadion allerdings in eine reine Fußball-Arena umgebaut.
Nun ist es so, dass Deutschland sich auf eine vorhandene Stadioninfrastruktur stützen kann, die größtenteils zur WM 2006 neu erbaut wurde. Nirgendwo muss eine Arena neu aus dem Boden gestampft werden, das hätte sich auch kaum mit dem Nachhaltigkeitskonzept vertragen, das die EURO zwischen Hamburg und München, Düsseldorf und Leipzig prägen soll.
Die hervorragende Stadion-Landschaft in Deutschland war ein zentraler Pluspunkt bei der Bewerbung des DFB.
Mitteilung des EM-Organisationskomitees

Der Kontrapunkt zu Katar

Das unterscheidet das Turnier erheblich von der WM 2022 in Katar, wo reihenweise futuristische Bauten aus dem Wüstensand erwachsen sind. Erbaut von Abertausenden Arbeitsmigranten, über deren schlechte Bezahlung, Unterbringung und Behandlung es bereits so viel Ärger gab.
Vorteil von Katar: Die Arenen sind hochmodern, entsprechen den neuesten Anforderungen, während die Spielstätten in Deutschland in der Regel seit mindestens einem Vierteljahrhundert schon stehen.
Doch den Verdacht, dass die deutschen Spielstätten deswegen veraltet sein könnten, zerstreuen die EURO-Macher. "Durch das Lizenzierungsverfahren der DFL oder für die Anforderungen bei Spielen auf internationaler Ebene agieren die Stadien immer wieder auf dem höchsten Standard der baulichen und technischen Anforderungen. Dies trägt insgesamt im Regelbetrieb und im speziellen im Turniermodus zu einer nachhaltigen Turnierorganisation bei", heißt es. Zumal alle zehn Spielorte entweder in der 1. oder 2. Bundesliga betrieben werden.

Die Kosten werden geteilt

Trotzdem ist natürlich noch einiges zu tun. "Erfahrungsgemäß sind die größten temporären Anpassungen im Bereich der Medien- und insbesondere der Fernsehproduktion nötig." Was im Detail zu tun ist, wird jetzt bei der Stadiontour besprochen.
ARD und ZDF können nun doch Spiele der Fußball-EM 2024 in Deutschland übertragen. Rechtehalter Telekom hat sich mit den beiden Sendern über eine Sub-Lizenz geeinigt.
Die Kosten für die temporären Bauten, beispielsweise, um den bestmöglichen TV-Übertragungsstandard zu gewährleisten, bezahlen UEFA und EURO 2024 GmbH, die derzeit noch im Frankfurter Ostend untergebracht ist.
Nach dem Umzug der DFB-Verwaltung in die neue Heimat an die Galopprennbahn zieht das Organisationskomitee in die derzeitige Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise. Es wird dann auch der Ort sein, an dem sich Philipp Lahm die nächsten knapp drei Jahre überwiegend aufhält.

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