: Löw kontert Kritik nach T-Shirt-Aktion

27.03.2021 | 20:03 Uhr
Die Diskussion um die Menschenrechte im WM-Gastgeberland Katar beschäftigt das DFB-Team auch vor dem Qualifikationsspiel in Rumänien. Norwegen wirbt derweil um weitere Mitstreiter.
"Human Rights": Die deutschen Nationalspieler hatten vor dem Quali-Spiel gegen Island eine Botschaft dabei.Quelle: Reuters
Bundestrainer Joachim Löw und Nationalspieler Joshua Kimmich haben sich gegen einen Boykott der Fußball-WM 2022 in Katar ausgesprochen, die jüngste Menschenrechtsaktion des DFB-Teams aber verteidigt.

Kimmich: Boykott käme zehn Jahre zu spät

"Ein Boykott hilft niemanden. Man kann mit so einem Turnier Aufmerksamkeit in der ganzen Welt erzeugen und Dinge in die Richtige Richtung bringen", sagte Löw in Bukarest vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien am Sonntag (20:45 Uhr).
Auch Führungsspieler Kimmich hält einen Verzicht auf das Turnier im umstrittenen Golf-Emirat für kontraproduktiv. "Generell bin ich der Meinung, dass wir für einen Boykott zehn Jahre zu spät dran sind", sagte der Bayern-Profi angesichts der lange zurückliegenden Vergabe des Turniers an Katar durch den Weltverband FIFA.
Niklas Süle fällt für das zweite WM-Qualifikationsspiel der deutschen Mannschaft in Rumänien aus. Der Einsatz von Leon Goretzka und Leroy Sane ist fraglich.

Kritik nach Video-Veröffentlichung

Kein Verständnis hat Löw für Kritik an einem Internet-Video des DFB, in dem die Nationalspieler bei der Vorbereitung für ihre Menschenrechtsaktion vor dem Island-Spiel am Donnerstag in Duisburg zu sehen sind. Wenn jemand denke, dass sich Spieler wie Manuel Neuer oder Ilkay Gündogan "aus Marketingzwecken vor einen Karren spannen" ließen, der "irre gewaltig", sagte Löw.
Nach den überwiegend positiven Reaktionen rund um das Spiel in Duisburg hatte der DFB für die Veröffentlichung eines Videos Kritik einstecken müssen. Der Vorwurf: Der gute Grundgedanke der Aktion werde durch ein Marketingvideo verwässert und beschädigt, äußerten mehrere Nutzer im Internet.
Die aktuelle Nationalspieler-Generation denke grundsätzlich über den Fußball hinaus, versicherte der 61-Jährige. "Weil ich weiß, dass unsere Spieler für alles, was neben dem Platz ist und in der Welt passiert, diese Werte vorleben", betonte der Bundestrainer.

Norwegisches Team wirbt um weitere Nachahmer

Die Auswahl Norwegens mit Topstar Erling Haaland rief derweil erneut zur Wahrung der Menschenrechte in Katar auf und fand im Team der Niederlande einen weiteren Mitstreiter. Haaland und Co. trugen vor der Begegnung gegen die Türkei T-Shirts mit der Aufschrift "Menschenrechte auf und neben dem Platz. Norwegen, Deutschland - wer als Nächstes?".
Die Antwort gaben zeitgleich die Niederländer, die bei einem Modellversuch vor 5.000 Zuschauern in Amsterdam auf Lettland trafen. Auf den Shirts der Oranje-Spieler war der Slogan "Football Supports Change" ("Fußball unterstützt Wandel") zu lesen, der eine gleichnamige Kampagne einleiten soll. An der Kampagne beteiligt sich auch Dänemark, weitere Mannschaften sollen folgen.
Spieler der niederländischen Nationalmannschaft tragen T-Shirts mit der Aufschrift "Football Supports Change".Quelle: AP

Süle fällt aus, Goretzka und Sane angeschlagen

Sportlich wird Löw im zweiten WM-Qualifikationsspiel erneut auf Niklas Süle verzichten müssen. Der Innenverteidiger reiste aufgrund seiner Oberschenkelzerrung nicht mit nach Bukarest. Offen ist derweil der Einsatz von Leon Goretzka und Leroy Sane.
Über Goretzkas Einsatz, der Wadenprobleme hat, kann erst am Spieltag entschieden werden. Etwas besser sehe es bei Sane aus. "Er hat hinten im Oberschenkel ein bisschen Probleme", so Löw.
Quelle: dpa, SID

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