: Große Lust auf die "geile 2. Liga"

von Ralf Lorenzen
23.07.2021 | 13:56 Uhr
Durch den Abstieg von Schalke und Werder Bremen wird die 2. Liga noch attraktiver und verspricht große Spannung. Gleich am ersten Spieltag gibt’s quasi zwei Erstliga-Klassiker.
Dimitrios Grammozis, Trainer von Neu-Zweitligist FC Schalke 04Quelle: dpa
Ein halber Sommer hat in Bremen zwar nicht gereicht, alle Wunden des Abstiegs aus der Bundesliga zu heilen – aber wieder die Lust auf Fußball zu wecken. "Die 2. Liga ist eine wahnsinnig geile Liga", verspricht Stürmer Niklas Füllkrug den Fans. Und wenn man sich in den analogen und digitalen Treffpunkten umhört, ist die Vorfreude vor dem Saisonstart am kommenden Wochenende groß.
Das sieht in anderen Städten ähnlich aus. "Wir werden als Zweitligist so viel Aufmerksamkeit bekommen wie selten zuvor", kommentiert Fortuna Düsseldorfs Manager Klaus Allofs den Abstieg der Traditionsklubs Schalke 04 und Werder Bremen. 
Es wird gute Geschichten geben. Die Schalke-Fans interessieren sich jetzt für die Zweite Liga, das hat eine Sogwirkung.
Klaus Allofs
Schon der erste Spieltag bietet mit den Begegnungen Schalke 04 - Hamburger SV (Freitag, 20:30 Uhr) und Werder Bremen - Hannover 96 (Samstag, 20:30 Uhr) zwei ehemalige Erstliga-Klassiker, in denen jeweils ein Klassen-Neuling auf einen Klub trifft, der sich schon länger in tieferen Gefilden tummelt.

Fehleinschätzungen von Schalke, Werder und HSV

Den Parallelen zwischen Schalke, dem HSV und Werder hat der "Kicker" seine Titelstory gewidmet. Das Fußball-Fachmagazin kommt zu dem Schluss, dass alle drei Klubs "nicht nur die große Vergangenheit, sondern auch eine lange Liste von Fehleinschätzungen, die zum Niedergang führte" gemeinsam haben.
Aller Anfang ist schwer: Werder Bremens neuer Trainer Markus AnfangQuelle: dpa
Beim Weg zurück können nun die Schalker und Bremer von weiteren Fehleinschätzungen des HSV lernen. Der hatte nach dem Abstieg 2018 mit aller Macht den sofortigen Wiederaufstieg angepeilt - und dreimal hintereinander verpasst. Wiederaufbau vor Wiederaufstieg lautet daher die griffige Parole, die Werders neuer Trainer Markus Anfang für die Ambitionen an der Weser ausgegeben hat:
Wenn wir den Wiederaufstieg vor den Wiederaufbau stellen, haben wir etwas verpasst.
Markus Anfang
Da der Schalker Abstieg wesentlich früher feststand als der von Werder, sind die Gelsenkirchener den Bremern beim Wiederaufbau ein paar Schritte voraus. Trainer Dimitrios Grammozis leitete schon in der Schlussphase der letzten Saison mit dem neuen Sportchef Rouven Schröder die Kaderplanung ein.
Bei den Zugängen, u.a. von Dany Latza (von Mainz 05) und Simon Terodde (HSV), nimmt der Schalker Kader schon deutliche Gestalt an. Die noch angestrebten Abgänge gestalten sich dagegen schwieriger, da der Transfermarkt noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist.

Unruhe bei Werder Bremen

Darunter leidet auch Markus Anfang in Bremen. Der hat zum Saisonstart bis auf die abgewanderten Milot Rashica, Theodor Gebre Selassie und Niklas Moisander zwar noch den kompletten Erstliga-Kader zur Verfügung, muss aber damit rechnen, dass bis Ende August etliche von ihnen noch abgegeben werden, um dringend benötigte Transfereinnahmen zu erzielen. Erst dann können neben den drei kostengünstig verpflichteten Abwehrspielern auch noch die für Anfangs favorisiertes 4-3-3-System benötigten Außenstürmer verpflichtet werden.
Auf der Führungsebene bietet ausgerechnet Werder ein chaotischeres Bild als die für ihr unruhiges Umfeld bekannten Klubs in Hamburg und Gelsenkirchen. Nach den Rücktritten von Aufsichtsratschef Marco Bode und drei weiteren Aufsichtsräten und vor der Mitgliederversammlung am 5. September brodelt es hinter den Kulissen. 

Zwei heiße Aufstiegskandidaten - und der HSV?

Dennoch wird Werder neben Schalke in Umfragen als heißester Aufstiegskandidat gehandelt. Für den HSV könnte es noch schwerer als in den vergangenen Jahren werden, das Ziel zu erreichen.
Hinter diesem Trio lauert eine ganze Armada ehemaliger Bundesliga-Mannschaften auf eine neue Chance, ganz zu schweigen von den in den letzten beiden Jahren knapp gescheiterten Klubs aus Heidenheim und Kiel. Wer spannende Titelkämpfe mag, könnte in der 2. Liga genau richtig sein.

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