: Gemeinsamer Kniefall von DFB-Elf und England

29.06.2021 | 18:33 Uhr
Der Kniefall von Wembley: Vor dem EM-Achtelfinale sind die DFB-Elf und die Three Lions in die Knie gegangen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.
Der Kniefall im Video.
Sportlich sind sie Rivalen, doch für gesellschaftliches Engagement haben sie sich zusammengetan: Die DFB-Elf und die britische Nationalmannschaft sind vor dem EM-Achtelfinale gemeinsam in die Knie gegangen, um ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen.
Tweet des DFB
Auch Bundestrainer Joachim Löw schloss sich an. Der 61-Jährige ging wenige Sekunden vor dem Anstoß am Dienstagabend wie auch sein englischer Kollege Gareth Southgate mit einem Knie auf den Boden. Wieder gab es vereinzelte Buhrufe während der Geste, die überwiegende Mehrheit der bis zu 45.000 Zuschauer im Wembley-Stadion klatschte jedoch lautstark Beifall.

Beide Kapitäne tragen Regenbogenbinde

Die Kapitäne der englischen und der deutschen Nationalmannschaft hatten die Aktion im Vorfeld abgesprochen und den Kniefall angekündigt. "Wir stehen für Toleranz und gegen jegliche Art von Diskriminierung und wollen uns solidarisch zeigen mit der Nationalmannschaft von England", sagte der deutsche Kapitän und Torhüter Manuel Neuer über den ersten Kniefall der DFB-Auswahl überhaupt vor dem Spiel:
Wir ziehen da gerne mit und mussten nicht lange darüber nachdenken.
Manuel Neuer, Kapitän der Nationalmannschaft
Neuer trug außerdem erneut seine Regenbogenbinde. Er diente damit auch dem britischen Kapitän Harry Kane als Inspiration, der sich ebenfalls den bunten Stoff über den Oberarm zog.
Kane trägt im Duell mit Hummels und Goretzka als Kapitän der Three Lions die Regenbogenbinde. Quelle: ap
"Das ist ein starkes Zeichen", sagte Neuer am Montagabend vor dem Spiel. Die Botschaft: Bei aller Rivalität gibt es gemeinsame Werte, die eine enorme Bedeutung für die Gesellschaft haben.
Auch der britische Kapitän trägt Regenbogenbinde - wie angekündigt
Die Farben gelten als Zeichen für Toleranz und sexuelle sowie geschlechtliche Vielfalt. Für diese Symbolik gab es viel Lob, aber auch Forderungen nach konkreten Konsequenzen im Fußball-Alltag.

Kniefall-Geste hat Ursprung in US-Football-Liga

Der Kniefall hat seinen Ursprung in der Football-Liga NFL. Dort protestierte der schwarze Quarterback Colin Kaepernick Ende 2016 beim Abspielen der amerikanischen Nationalhymne auf diese Art. Er wollte aufmerksam machen auf die Diskriminierung Schwarzer, auf Polizeigewalt und Rassismus.
Kaepernick steckte viel Kritik ein, nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump beschimpfte ihn. Der Quarterback aber blieb hartnäckig und trug die Konsequenzen. Nachdem sein Vertrag bei den San Francisco 49ers aus allerdings rein sportlichen Gründen nicht verlängert wurde, ist er bis heute ohne Vertrag. Sein Kniefall aber ging um die Welt, er inspirierte Tausende Nachahmer in unterschiedlichsten Sportarten.

DFB hat Geste kontrovers diskutiert

Englands Fußball-Nationalmannschaft geht schon seit Wochen vor Spielbeginn auf die Knie. Anfangs gab es für die sogenannten Three Lions viele Pfiffe, mittlerweile erfahren sie meist Zuspruch von ihren Fans. Das deutsche Team solidarisiert sich nun mit den Engländern, auch wenn intern kontrovers diskutiert wurde, ob diese Art des Protests aus Sicht eines deutschen Teams glaubwürdig erscheint.
Andererseits hätten die Bilder von stehenden Deutschen vor knienden Engländern eine fatale Außenwirkung gehabt. Das wollten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Spieler unbedingt vermeiden. Bundestrainer Joachim Löw:
Wir stehen für all diese Werte und finden es richtig, dass man sich für solche Werte stark macht.
Joachim Löw, Bundestrainer
"Die Mannschaft hat besprochen, was zu tun ist und uns gesagt, dass sie auch den Kniefall machen wird. Das ist ein tolles Zeichen."
Quelle: Sid, dpa

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