Gesa Krause sucht Halt im Laufen

25.03.2020 | 12:59 Uhr
von Susanne Rohlfing
Gesa Krause erfährt in den USA von der Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio. Die Hindernisläuferin will ihren Trainingsaufenthalt in Boulder aber zunächst nicht abbrechen.
Gesa Krause: "Ich werde weiter laufen, ich werde weiter trainieren, das ist meine Konstante im Alltag"Quelle: dpa
Laufen ist ihr Beruf, ihre Leidenschaft, ihr Leben. Der Corona-Pandemie kann Gesa Krause nicht davonlaufen. Aber sie kann und will weiter laufen.

Training in USA in Zeiten von Corona

"Der Sport gibt mir Halt. In dieser sehr verwirrenden Zeit eine gewisse Normalität", sagt die Hindernisläuferin vom Verein Silvesterlauf Trier, die sich gerade zum Training in Boulder im US-Bundesstaat Colorado aufhält und dort von der Verlegung der Olympischen Spiele 2020 erfuhr. "Ich werde weiterlaufen, ich werde weiter trainieren, das ist meine Konstante im Alltag. Was soll ich sonst tun?", meint die 27-Jährige gegenüber ZDFheute.
Unterkunft und Auto sind noch für die nächsten drei Wochen bezahlt. Rund um Boulder gibt es viel Natur, einsame Läufe seien dort trotzt aller Restriktionen besser möglich als in der Heimat, erklärt Krause. In der vergangenen Woche ist sie 180 Kilometer gerannt. Ihr Körper ist an die Extrembelastung gewöhnt. Einfach aufzuhören wäre für sie nicht gesund.  
Für die Athleten herrscht endlich Klarheit - Olympia 2020 wird wegen der Corona-Krise verschoben. Viele deutsche Sportlerinnen und Sportler reagieren erleichtert. Auch Tokioter zeigen Verständnis.

Olympia-Medaille bleibt das Ziel

Krause war schon zweimal bei Olympischen Spielen dabei. 2012 wurde sie Achte, 2016 Sechste. Im Sommer in Tokio sollte ihr Meisterstück folgen, eine Medaille über 3.000 Meter Hindernis war ganz klar das Ziel. Mit WM-Bronze 2015 und im vergangenen Jahr hat die zweimalige Europameisterin bereits bewiesen, dass sie im Reigen der ganz Großen mitmischen kann.
Bestleistung bringen in den wichtigsten Rennen des Jahres, diese Kunst beherrscht Krause so gut wie nur wenige. Dafür schuftet sie tagtäglich nach einem ausgefeilten Plan ihres Trainers Wolfgang Heinig. Dafür reist sie durch die Welt, rennt in der Höhe, ist kaum mal ein paar Tage zu Hause.

Situation im Trainingsquartier in Boulder

In die USA ist sie geflogen, kurz bevor wegen der Corona-Pandemie das Einreiseverbots für Europäer erlassen wurde. Da sie aus Kenia kam und dort drei Wochen verbracht hatte, habe sie aber in Amerika ohnehin keine Probleme bekommen, sagt Krause. In Boulder seien Restaurants, Cafés und nahezu alle Geschäfte geschlossen. Mit anderen Läufern treffe sie sich nur hin und wieder zu einem Dauerlauf zu zweit.
Die aktuelle Situation lädt ja nicht gerade dazu ein, in großen Gruppen zu trainieren.
Hindernisläuferin Gesa Krause
Klingt einsam, aber Krause erklärt: "Mir fällt das nicht schwer, für mich ändert sich ja nicht viel, mein Tagesablauf hat sich nicht verändert." Der beinhaltet vor allem: Drei Mal am Tag Training, drei Mal am Tag eine Mahlzeit, und dazwischen Regeneration für die geschundenen Beine.
Das zieht mir den Boden unter den Füßen weg, mein Herz blutet.
Gesa Krause zur Olympia-Verschiebung
Krause muss wie viele andere Menschen im Land um ihre Existenz bangen. Sponsorenverträge laufen bis zum Ende des Jahres. Bis zum Ende der Olympiasaison – die nun keine mehr ist. Vom Erfolg der Läuferin bei den Spielen wäre abhängig gewesen, wie es weiter geht mit der Unterstützung durch Firmen. Und jetzt? "Meine Sponsoren werden ähnliche Einbußen haben wie andere Firmen, daher ist das für mich eine sehr ungewisse Situation."

Neuer Anlauf für Tokio 2021

Für sie beginnt nun wieder ein vorolympisches Jahr, zum zweiten Mal hintereinander, das gab es noch nie. Gesa Krause hofft, dass Sponsoren weiter ein Interesse daran haben werden, sie auf ihrem Weg nach Tokio, jetzt ist es Tokio 2021, zu unterstützen. Und sie sagt: "Ich möchte nicht egoistisch wirken, ich sehe bei anderen, wie unwahrscheinlich schwer das alles gerade ist. Und am Ende des Tages ist Sport nur Bespaßung."