: Rare RB-Auswahl für die DFB-Auswahl

von Ullrich Kroemer
12.05.2021 | 11:47 Uhr
Das Pokalfinale ist für Bundestrainer Löw die letzte Chance, seine Nationalspieler auf großer Bühne zu sehen. Doch bei Leipzig spielt bisweilen gar kein Deutscher mit.
Leipzigs Nationalspieler Halstenberg und Klostermann (r.).Quelle: imago
Das DFB-Pokalfinale zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund (Do., 20.45 Uhr/ARD und hier im Liveticker) ist auch das letzte Schaulaufen der Nationalspieler auf großer Bühne vor der Europameisterschaft.
Nur sechs Tage später, am 19. Mai, nominiert Bundestrainer Joachim Löw seinen EM-Kader. Aus dem Dortmunder Kader ist Emre Can in der deutschen Auswahl gesetzt; die Routiniers Marco Reus und Mats Hummels, dessen Rückkehr heiß diskutiert wird, dürften sich Hoffnungen machen, während Julian Brandt, Mahmoud Dahoud und Nico Schulz eher geringe Chancen haben.

Kein starker RB-Block im DFB-Team

Bei RB könnten insgesamt zehn Spieler aus sieben Nationen zur EM reisen. Doch in der Löw-Auswahl sind nur zwei Leipziger im Rennen um die Kaderplätze dabei: Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg; Benjamin Henrichs ist für die Olympia-Auswahl vorgesehen. Einen starken Block des Vize-Meisters ins spe wird es bei der DFB-Elf also nicht geben.
Dabei hatte Rasenballsport Leipzig nach der verpatzten WM 2018 einen stabilen Dreierblock im Nationalteam gestellt: Halstenberg/Klostermann und der mittlerweile bei Chelsea spielende Timo Werner waren beim Neuaufbau gesetzt. Doch der Einfluss der Leipziger schwand, denn in dieser Saison kniff die RB-Flügelzange nicht wie gewohnt zu; wegen Verletzungs- und Quarantäne-Pech (Halstenberg) sowie starker Abwehrkonkurrenz im Klub fand das Duo nicht zu Konstanz, Rhythmus und Form der Vorjahre.
Ursache und Folge zugleich: Gleich elf Mal lief das Team von Trainer Julian Nagelsmann in dieser Saison ganz ohne einen Spieler auf, der für Deutschland spielberechtigt ist. So wie zuletzt beim 2:1-Pokalkrimi im Halbfinale gegen Werder Bremen, als Klostermann an Knieproblemen laborierte und Halstenberg Rückenschmerzen hatte.

Vor 20 Jahren noch ein Aufschrei

Vor fast genau 20 Jahren hatte es noch für einen großen Aufschrei gesorgt, als Energie Cottbus im April 2001 gegen den VfL Wolfsburg zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga überhaupt ohne einen deutschen Spieler antrat.
"Die jungen Deutschen sollen rackern, sich den Arsch aufreißen und sich die Stammplätze durch mehr Engagement zurück erkämpfen", rechtfertigte sich Cottbus' Trainer Eduard Geyer damals. Nur: Dem Abstiegskandidaten fehlten einst die Voraussetzungen und Mittel, hoffnungsvolle deutsche Spieler zu fördern. Für RB Leipzig mit seinen Möglichkeiten hingegen muss es als Bundesliga-Spitzenklub eigentlich Pflicht sein, auch Spieler für die deutsche Nationalmannschaft auszubilden.
Ex-Trainer Geyer sagt heute:
Wir wurden damals verteufelt, dass wir zu wenig für die jungen, deutschen Fußballer tun würden. Jetzt spricht überhaupt niemand mehr davon, wenn Dortmund oder Leipzig mit zehn, elf Ausländern auflaufen. Das ist auch nicht gerade ein Aushängeschild für den deutschen Fußball.
Der 76-Jährige betont: "Die Vereine leben natürlich vom Erfolg, da geht es nicht in erster Linie darum, ob deutsche Spieler spielen." Generell gebe es "derzeit zu wenig deutsche Fußballer, die Weltklasse verkörpern. Da haben wir schon ein Problem", sagt der einstige DDR-Nationaltrainer.

Nagelsmann: Auf Sicht auch ein Thema für den Klub

Hinter Hoffenheim (73,3 Prozent) und Wolfsburg (71,4) hat Leipzig (69) laut dem Portal Statista die höchste Quote an Spielern aus dem Ausland im Kader. Doch das ist kein reines RB-Phänomen. Vor 20 Jahren hatte die Mehrzahl der Bundesligaprofis noch einen deutschen Pass (55,6 Prozent). Heute liegt der Anteil an deutschen Spielern im Oberhaus im Schnitt noch bei 44,4 Prozent – Tendenz sinkend. 
Darauf angesprochen, sagte der Richtung Bayern scheidende RB-Trainer Julian Nagelsmann nach dem Spiel in Bremen:
Ich achte grundsätzlich nicht darauf, aber Zufall ist das nicht. Ich bin nicht mehr der Entscheider, doch das ist auf Sicht auch ein Thema im Klub.
Für Halstenberg, zuletzt nur noch Teilzeitkraft und im Pokalfinale wohl ebenfalls Bankpersonal, wird die Luft in der DFB-Auswahl jedenfalls dünn: Am Freitag wurde Stuttgarts kroatischer Linksverteidiger Borna Sosa eingebürgert.

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