Mit Ecken und Kanten nach oben

von Christian Otto
17.01.2021 | 08:33 Uhr
Jörg Schmadtke hat den VfL Wolfsburg runderneuert. Der Geschäftsführer sagt, was er denkt - auch über den Profifußball während Corona und über die DFB-Krise.
Mit Studiogast Jörg Schmadtke, Interviews mit Marco Rose und Axel Kromer, sowie Wintersport kompakt. Moderator: Jochen Breyer.
Schmadtke hat schon in Aachen, Hannover und Köln als Vordenker geglänzt - ehe Ärger ihn bremste. Seiner kantigen Art bleibt der 56-Jährige in Wolfsburg trotzdem treu. Als Geschäftsführer im Profisport werde er nun einmal nicht für Harmoniesucht bezahlt. "Da muss man auch schon mal unangenehm sein", findet Schmadtke.

Heimstarker VfL Wolfsburg

Das Ziel des VfL Wolfsburg lautet: weniger Geld ausgeben und dennoch viel erreichen. In der aktuellen Spielzeit der Fußball-Bundesliga sind die Niedersachsen daheim noch ungeschlagen. Sie spielen eine starke Saison. Am 16. Spieltag gab es ein respektables 2:2 gegen RB Leipzig.
Es scheint so zu sein, dass wir uns im internationalen Geschäft stabilisieren wollen.
Jörg Schmadtke, im aktuellen sportstudio
Beim Meister von 2009 ist der Tonfall zwangsläufig bescheidener geworden. Schmadtke gibt zu, dass das Budget des vom Volkswagen-Konzern finanzierten VfL Wolfsburg geschrumpft ist. Das sei im November 2020 auch der Ursprung für seine Differenzen mit VfL-Cheftrainer Oliver Glasner gewesen, der sich neue Spieler gewünscht hatte. Aus Sicht von Schmadtke waren sie nicht bezahlbar. Es sei um 15 Millionen Euro und mehr für einzelne Profis gegangen. "Aber die haben wir nicht", betont Schmadtke.

Weghorst als Erfolgsgarant

Im Duell mit der Elite der 1. Liga tut sich der VfL Wolfsburg noch schwer. Das Remis gegen Leipzig sorgte für den ersten Punktgewinn in dieser Saison gegen Topteams wie Bayern München, Borussia Dortmund oder eben RB Leipzig. "Ein Stück fehlt noch, um den letzten Bock umzustoßen", behauptet Schmadtke. "Aber wir sind dabei und lassen uns auch nicht entmutigen."
Die Ziele, die der VfL Wolfsburg verfolgt, werden allmählich ehrgeiziger. Das ist den vielen Toren von Stürmer Wout Weghorst als Erfolgsgarant und der ruhigen Art von Glasner zu verdanken. "Wir sind einen Schritt näher an die Spitze gerückt", versichert der österreichische Trainer.
Der Niederländer Wout Weghorst traf in dieser Saison in 16 Bundesligaspielen elfmal.Quelle: DPA

Champions League ist kein Tabu

Die Gesamtstrategie des Vereins stammt von Schmadtke. Er führt die VfL Wolfsburg Fußball GmbH seit Juni 2018 und hat aus einem Fastabsteiger wieder etwas Größeres gemacht.
Den erneuten Einzug der Wolfsburger in die Europa League hält Schmadtke in diesem Jahr für wünschenswert. Für das Erreichen der lukrativen Champions League wäre man sehr dankbar. Ein Tabuthema ist die Königsklasse in Wolfsburg nicht mehr.

Profifußball trotz Pandemie

Wer Schmadtke mit Kontroversen konfrontiert, bekommt klare Antworten. So ist es auch mitten in der Corona-Pandemie. Er sorgt sich nicht, falls in Kürze der Lockdown verschärft werde und die Bundesliga um ihren Spielbetrieb bangen müsste.
Ehrlich gesagt gibt es dafür auch keine Notwendigkeit. Wir bekommen das im Großen und Ganzen sehr gut hin.
Jörg Schmadtke
Weiter sagte er: "Es wird viel Geld und Zeit investiert. Und es wird auch viel Hirnschmalz investiert".
Auch zum Kompetenzgerangel beim Deutschen Fußball Bund (DFB) hat Schmadtke eine feste Meinung. "Das ist nicht gut für den deutschen Fußball. Ich glaube, dass der DFB im Moment eine sehr unglückliche Rolle spielt", sagt der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg. Der Hahnenkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius tue dem Fußball insgesamt nicht gut.

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