: Union Berlin nach Orban-Besuch in der Kritik

12.10.2022 | 16:04 Uhr
Der Besuch von Ungarns umstrittenen Regierungschef Viktor Orban im Stadion An der Alten Försterei sorgt für Kritik. Union Berlin verteidigt sich.
Viktor Orban zu Besuch im Stadion "An der Alten Försterei", begleitet von einem Großaufgebot der PolizeiQuelle: Imago
Urs Fischer und Rani Khedira wirkten wie Statisten. Der Trainer und der Mittelfeldantreiber des Bundesliga-Tabellenführers Union Berlin beantworteten am Mittwoch vor dem Europa-League-Spiel gegen Malmö FF (Donnerstag) brav ihre Fragen. Doch bei den brisanten Themen war Christian Arbeit, Kommunikationschef des Bundesliga-Spitzenreiters, gefordert. Neben der Sorge vor Fan-Krawallen wie vor einer Woche in Schweden sorgte der Besuch von Ungarns Regierungschef Viktor Orban im Stadion an der Alten Försterei für Kritik.
Kommunikationschef Arbeit erklärte zu dem Besuch Orbans: "Es gab ein offizielles Schreiben der ungarischen Botschaft mit der Bitte, ein privates Treffen eines ungarischen Nationalspielers zu ermöglichen. Dieser Bitte sind wir nachgekommen. Wir haben ihn nicht offiziell empfangen."

Orban wurde Union-Trikot überreicht

Orban hatte sich am Dienstag, begleitet von einer Polizeieskorte, mit Unions Mittelfeldspieler Andras Schäfer aus Ungarn in einer Loge des Stadions getroffen und anschließend davon zahlreiche Social-Media-Posts abgesetzt. Auch ein Union-Trikot wurde überreicht. Auf den Bildern waren neben Schäfer auch Arbeit und der Technische Direktor Michael Parensen als ranghohe Union-Mitarbeiter zu sehen.
Instagram-Post von Viktor Orban mit Schäfer und Trikot

Fans kritisieren Verein für Orban-Besuch

In den sozialen Netzwerken erntete Union auch von eigenen Fans dafür starke Kritik, da die Politik Orbans nicht mit den in der Satzung festgeschriebenen Werten vereinbar sei. Im Juli verklagte die EU-Kommission Ungarn wegen mutmaßlicher Verstöße gegen EU-Recht vor dem Europäischen Gerichtshof. Dabei geht es unter anderem um ein Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität und Transsexualität.
Man bewerte den Besuch nicht politisch, sagte Unions Kommunikationschef Arbeit. "Viktor Orban war nicht undercover in Deutschland, er war auf einem offiziellen Staatsbesuch." Die Visite in Köpenick ereignete sich an dessen Rande. Der Verein selbst habe keine Aktivitäten mit Orban unternommen. Eine Auswertung des Besuchs und der medialen Folgen werde man wie bei allen anderen Entscheidungen auch vornehmen, kündigte Arbeit an. 
Quelle: dpa