Wie lebt es sich im Corona-Hotspot Neukölln?

17.10.2020 | 16:51 Uhr
Berlin-Neukölln gehört zu den Corona-Hotspots in Deutschland. Warum sind die Infektionszahlen in dem Bezirk so hoch?
In Berlin-Neukölln stoßen die Corona-Beschränkungen auf wenig Akzeptanz. Doch die Kontrolle der Maßnahmen ist kaum möglich, beim Ordnungsamt fehlt das nötige Personal.
161,9 Fälle pro 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche: In Neukölln ist die Obergrenze von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner in einer Woche längst überschritten. Und zwar um mehr als das Dreifache. Der Bezirk ist aktuell der größte Corona-Hotspot in der Hauptstadt.
Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) spricht von einem "absoluten Krisenmodus". Mehr und mehr Personal werde für die Pandemie-Bekämpfung herangezogen. "Daran, dass wir das wieder einfangen können wie Mitte des Jahres, glaube ich nicht mehr." Bereits im Sommer kämpfte der Bezirk mit mehreren Corona-Ausbrüchen.

Risikogruppen müssen nun geschützt werden

Es müsse nun vor allem darum gehen, Risikogruppen wie Senioren und chronisch Kranke zu schützen - zum Beispiel, indem Besuchsmöglichkeiten in Alten- und Pflegeheimen eingeschränkt werden und Personal dort regelmäßig getestet wird, sagte Liecke.
Die Zahl der Krankenhausaufnahmen bei Menschen mit Covid-19 steigt bereits in Berlin, auf Normal- und Intensivstationen.

Bei 70 Prozent der Fälle ist die Quelle nicht feststellbar

Vier Berliner Bezirke gehören zu den deutschen Corona-Hotspots. Einige Gastronomen sind nun aber erfolgreich gegen die Sperrstunde vorgegangen. Sie dürfen wieder länger öffnen.
Wo kommen die Neuinfektionen also her? "Wir haben derzeit das Problem, dass wir viele Infektionsursprünge gar nicht nachvollziehen können", so Liecke. In etwa 70 Prozent der Fälle würden oder könnten die Menschen keine richtigen Angaben machen.
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagt zudem, dass die Amtsärzte eine nachlassende Kooperationsbereitschaft von Infizierten bemerkten. Insbesondere nach Ausbrüchen bei großen Hochzeitsfeiern sei beobachtet worden, dass manche Menschen Angaben über ihre engen Kontakte verweigerten.
Quelle: ZDF, dpa

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