Kinder auf Lesbos verlieren ihre Hoffnung

von Jenifer Girke
11.02.2021 | 06:23 Uhr
Wenn Kinder aufhören zu spielen, haben sie aufgegeben, berichtet die Kinderpsychologin Glatz-Brubakk auf Lesbos. Sie schlagen, sie beißen und manche versuchen, sich umzubringen.
Seit Herbst 2015 besteht das Flüchtlingscamp Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos. Aufgenommen werden besonders gefährdete und verletzbare Flüchtlinge, wie etwa alleinstehende Frauen, Familien sowie traumatisierte oder verletzte Menschen. Viele von ihnen kommen aus dem Flüchtlingslager Moria.
Die Lage verschlimmert sich zunehmend, berichtet die Kinderpsychologin Katrin Glatz-Brubakk, vor allem für Kinder und Jugendliche: "Es gibt Kinder, die haben seit acht Monaten kein einziges Wort gesprochen, sie gehen nicht aus dem Zelt, sind total apathisch. Manche müssen gefüttert werden, weil sie einfach keine Kraft und Lebenslust länger haben. Und bei manchen kommt es dann auch dazu, dass sie versuchen, sich das Leben zu nehmen."
Auch die Versorgungslage ist katastrophal: Duschen ist nur einmal pro Woche erlaubt, 200 Menschen müssen sich eine einzige Toilette teilen. Die Kinder würden so wenig wie möglich essen und trinken, um möglichst selten die Toilette benutzen zu müssen, berichtet Glatz-Brubakk.
Corona verschlimmert die Lage zusätzlich. Glatz-Brubakk sieht keine Besserung, solange die Kinder dort bleiben. Doch momentan sind sie im Lager eingesperrt und menschenunwürdigen Bedingungen ausgesetzt.
Weitere Schilderungen der Kinderpsychologin von vor Ort, Zeichnungen der Kinder und wie es im Lager aussieht, sehen Sie im Video:
"Kinder erzählen uns, dass sie so wenig wie möglich essen und trinken, weil es ihnen ekelt, zur Toilette zu gehen." 200 Menschen teilen sich eine Toilette, berichtet Kinderpsychologin Glatz-Brubakk auf Lesbos.