: Psychische Folgen der Krise für Kinder

07.05.2021 | 18:12 Uhr
Angebote und Ausgleich fehlen - viele Kinder und Jugendliche sind in der Corona-Krise seelisch belastet. Therapeuten beobachten verstärkt Probleme bis hin zu Störungen.
An der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen sind die Notfallanfragen und -aufnahmen seit Oktober 2020 deutlich gestiegen. "Wir haben eine 30-prozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr", berichtet Dr. Gottfried Maria Barth. Fehlender Ausgleich, weniger Kontakte, die Corona-Krise selbst - der Psychiater Barth sieht eine sehr große Menge an Kindern und Jugendlichen, die sehr belastet seien durch die Pandemie.
"Wir haben einen gewissen Teil davon mit guten Ressourcen, die das ausgleichen können, die relativ unbeschadet davonkommen werden." Aber eine andere große Gruppe werde wohl noch länger diese Belastungen mit sich tragen. Auch eine Befragung unter Therapeut*innen und Kinderärzt*innen zum Jahreswechsel zeigt ein beunruhigendes Bild.
Die Psychotherapeutin Prof. Julia Asbrand forscht an der Berliner Humboldt-Uni zu dem Thema. Sie fordert konkrete Schritte von der Politik. Einer sei, Kinder und Jugendliche verstärkt in die Debatte mit einzubeziehen. "Also weniger über sie zu sprechen, als mit ihnen." Kinder und Jugendliche müssten stärker in den Blick genommen werden.
An der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen gibt es seit Oktober deutlich mehr Anfragen, berichtet Dr. Barth. Patienten kämen mit Depressionen, Ess- und Zwangsstörungen.