: Polizei sucht Nachwuchs via TikTok & Co.

von Katharina Thode
11.04.2021 | 12:02 Uhr
Die Polizei wirbt auf sozialen Medien mit witzigen Sprüchen und unterhaltsamen Kurzvideos um Nachwuchs. Ist das lächerlich oder zeitgemäß?
Die Polizei Hessen sucht schon seit Jahren Nachwuchs über soziale Netzwerke und das offenbar mit Erfolg. Es geht darum Aufmerksamkeit zu erregen. Ein verzweifelter Versuch, das Image aufzupolieren?
Mit einer Social-Media-Offensive wirbt die Polizei in einigen Bundesländern auf Instagram, TikTok und Co. um Nachwuchs. Doch vermitteln die teils witzigen Videos der Beamtinnen und Beamten noch ein seriöses Bild? Mark-Alexander Maus von der hessischen Polizeiakademie im ZDFheute-Interview.

Mark-Alexander Maus...

... ist Polizeihauptkommissar in Hessen. In der hessischen Polizeiakademie betreut er die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - und ist somit auch für den Social-Media-Auftritt verantwortlich. Im Interview mit ZDFheute zieht er ein Fazit seiner Arbeit.
ZDFheute: Hat die Polizei ein Nachwuchsproblem? Oder wieso wird nun auf Social Media "Werbung" gemacht?
Mark-Alexander Maus: "Das hohe Interesse von Bewerberinnen und Bewerbern in den vergangenen Jahren macht deutlich, dass der Polizeiberuf in Hessen höchst attraktiv ist.
Im Einstellungsjahrgang 2020 konnten insgesamt 1.095 Bewerberinnen und Bewerber eingestellt werden. Nach dem Einstellungsjahr 2017 handelt es sich damit um den zweitstärksten Einstellungsjahrgang in der Geschichte der hessischen Polizei. Um diese hohen Bewerberzahlen zu gewährleisten, muss aktiv auf den spannenden und abwechslungsreichen Beruf aufmerksam gemacht werden. "
ZDFheute: Wie ist die Resonanz auf Ihre Social-Media-Kampagnen? Gibt es Kritik?
Maus: "Die ist überwiegend positiv. Indikator dafür ist die kontinuierlich wachsende Anzahl an Followern sowie die Vielzahl an positiven Kommentaren. In stichprobenartigen Befragungen der Bewerberinnen und Bewerber der hessischen Polizei konnte zudem festgestellt werden, dass die Präsenz und die Beiträge der Polizei Hessen innerhalb der Sozialen Medien einen positiven Einfluss auf den Entscheidungsprozess bzgl. der Berufswahl hatten.
Negative Kommentare und/oder Mitteilungen erhalten wir über die Sozialen Medien zwar auch, jedoch stehen diese weder in einem kontextkritischen Zusammenhang zu den von uns veröffentlichten Beiträgen noch zu der grundsätzlichen Nutzung von Sozialen Medien durch die Polizei."
ZDfheute: Haben Sie Sorge, dass witzige Polizei-Videos auf Kosten der Seriosität gehen?
Durch humorvolle Videos wird darauf aufmerksam gemacht, dass hinter der Uniform auch Menschen mit echten Emotionen stecken.
Mark-Alexander Maus, Polizeihauptkommissar
Maus: "Die hierdurch entstehende Nahbarkeit schafft Akzeptanz in der Bevölkerung für die tägliche Arbeit der Polizei. Die den Beamtinnen und Beamten im Rahmen der Ausübung ihrer polizeilichen Tätigkeit nötige entgegengebrachte Vertrauen wird nach bisherigen Erfahrungen davon nicht beeinträchtigt."
Das Interview führte Katharina Thode.