Schirach für neue Grundrechte in Europa

01.04.2021 | 19:05 Uhr
Die EU-Grundrechte sind nicht mehr zeitgemäß, meint der Jurist und Autor Ferdinand von Schirach. Sechs Artikel sollten ergänzt werden.
Ein Anrecht auf gesunde Umwelt, faire Produkte, die Wahrheit von Amtsträgern sowie digitale Selbstbestimmung - all das fordert Schirach. Wie er sich das vorstellt, schreibt er in seinem neuen Buch "Jeder Mensch".
Schirach ist mit seinen Forderungen nicht allein. So sagt beispielsweise der Münchner Professor für Verfassungsrecht, Jens Kersten, dass wir es mit so "revolutionären Entwicklungen" zu tun hätten, dass man eben auch diese neuen Menschenrechte in der EU verabschieden sollte. Sie sind dabei ergänzend und nicht ersetzend gemeint. Mehr dazu im Video:
Der Jurist und Autor Ferdinand von Schirach fordert eine Erweiterung der EU-Menschenrechtscharta. Er sieht Modernisierungsbedarf.
Artikel 1 - Umwelt
Jeder Mensch hat das Recht, in einer gesunden und geschützten Umwelt zu leben.

Artikel 2 - Digitale Selbstbestimmung
Jeder Mensch hat das Recht auf digitale Selbstbestimmung. Die Ausforschung oder Manipulation von Menschen ist verboten.

Artikel 3 - Künstliche Intelligenz
Jeder Mensch hat das Recht, dass ihn belastende Algorithmen transparent, überprüfbar und fair sind. Wesentliche Entscheidungen muss ein Mensch treffen.

Artikel 4 - Wahrheit
Jeder Mensch hat das Recht, dass Äußerungen von Amtsträgern der Wahrheit entsprechen.

Artikel 5 - Globalisierung
Jeder Mensch hat das Recht, dass ihm nur solche Waren und Dienstleistungen angeboten werden, die unter Wahrung der universellen Menschenrechte hergestellt und erbracht werden.

Artikel 6 - Grundrechtsklage
Jeder Mensch kann wegen systematischer Verletzungen dieser Charta Grundrechtsklage vor den Europäischen Gerichten erheben.