: Bayer einigt sich mit Glyphosat-Klägern

24.06.2020 | 19:48 Uhr
Bayer hat sich im Streit um den Unkrautvernichter Glyphosat in den USA mit einem Großteil der Kläger auf einen Vergleich geeinigt. Dafür muss Bayer aber tief in die Tasche greifen.
Teurer Befreiungsschlag: Bayer will bei vielen US-Klagen, die der Konzern sich mit der Monsanto-Übernahme aufgehalst hat, reinen Tisch machen. (Symbolbild)Quelle: dpa
Bayer hat sich im Rechtskonflikt mit US-Klägern wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt. Das teilte der Agrarchemie- und Pharmakonzern in Leverkusen mit. Durch den Kompromiss sollen laut Bayer etwa 75 Prozent der aktuellen Verfahren zum Abschluss gebracht werden - mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen.
Bayer ist nach eigenen Angaben bereit, bei dem Kompromiss insgesamt 9,1 Milliarden bis 9,8 Milliarden Euro zu zahlen, um fast alle der zahlreichen Glyphosat-Verfahren in den USA aus der Welt zu schaffen und drohenden Rechtsrisiken in der Zukunft vorzubeugen. Darüber hinaus erzielte der Konzern auch Einigungen bei weiteren Klagen, die den umstrittenen Unkrautvernichter Dicamba betreffen.

Streit vor Gericht um Monsantos Unkrautvernichter

Der Leverkusener Dax-Konzern hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat und anderen Agrarprodukten ins Haus geholt. Nachdem Bayer in den ersten drei Prozessen hohe Schadenersatz-Urteile kassiert hatte, warfen immer mehr Menschen dem Konzern vor, durch die Verwendung von Monsantos Unkrautvernichtern Krebs bekommen zu haben.
Die Leverkusener wiesen die Vorwürfe stets zurück und bekamen dabei zuletzt nochmals Rückendeckung von der US-Umweltbehörde EPA, die Glyphosat bei vorschriftsmäßigem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko einstuft. Die anstehenden Berufungsprozesse in den USA, in denen anders als bislang keine Geschworenen, sondern Berufsrichter geurteilt hätten, sollen trotz des Vergleichs weiterlaufen.
Die Glyphosat-Klagewelle hatte Bayer an der Börse massiv unter Druck und die Konzernführung um Vorstandschef Werner Baumann stark in die Kritik gebracht. Finanziell ist Bayer gerüstet für einen Vergleich. Allein der Verkauf der Tiermedizin soll Bayer 7,6 Milliarden Dollar einbringen - den Großteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco.

Was Sie über Glyphosat wissen müssen:

Der Wirkstoff Glyphosat und seine Verwendung

Quelle: ZDF
Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt. Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr - auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat und nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden. Auch von Firmen wie der Deutschen Bahn wird Glyphosat eingesetzt. 2018 wurden noch 57 Tonnen des umstrittenen Unkrautvernichters entlang der Gleise versprüht. Doch die Deutsche Bahn will spätestens ab Ende 2022 auf den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat verzichten.

1996 brachten Firmen zudem gentechnisch hergestellte Nutzpflanzen auf den Markt, deren Wachstum nicht durch Glyphosat beeinträchtig wird. Damit lässt sich das Mittel auch auf bereits bepflanzten Feldern verwenden, um sie unkrautfrei zu halten. Im Jahr 2014 wurden einer Studie zufolge auf mehr als 90 Prozent der Mais-, Soja- und Baumwoll-Anbauflächen der USA solche gentechnisch veränderten Pflanzen verwendet. Entsprechend großflächig und in großen Mengen wurde Glyphosat eingesetzt.

Eine Folge: Mehr als 40 "unerwünschte" Pflanzenarten entwickelten Resistenzen gegen das Herbizid und überwucherten wieder die Felder. Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von zahlreichen anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden einer Studie aus dem Jahr 2016 zufolge jährlich mehr als 800.000 Tonnen solcher Mittel, in Deutschland sind es etwa 5.000 Tonnen.

Quelle: dpa

Quelle: dpa, AFP, Reuters

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