: Bayer erleidet Niederlage vor US-Gericht

27.05.2021 | 09:39 Uhr
Im Streit um das angeblich krebserregende Herbizid Roundup erleidet Bayer eine Niederlage vor einem US-Gericht. Dem Konzern drohen nun weitere Verfahren.
Roundup.Quelle: reuters
Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer muss im US-Rechtsstreit um mögliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup einen Rückschlag hinnehmen.

Keine Vergleiche mehr bei künftigen Klagen?

Der US-Richter Vince Chhabria hat am Gericht in San Francisco den Antrag der Leverkusener abgelehnt, eine Beilegung künftiger Streitigkeiten im Zusammenhang mit Glyphosat-Klagen gegen Zahlung von zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,6 Milliarden Euro) vorläufig zu genehmigen.
Der Vorschlag war Teil einer größeren Einigung im Zusammenhang mit bisherigen und künftigen Klagen, weswegen Bayer nun überlegt, aus einem geplanten US-Vergleichsverfahren für künftige Kläger auszusteigen.

Richter: Bayer handelt "klar unvernünftig"

Die geplante Vereinbarung würde für die Bayer-Tochter Monsanto, die Roundup herstellt, zwar "viel erreichen", schrieb der Richter in seiner Entscheidung. Die Einigung sei für künftige Krebspatienten schlichtweg jedoch "klar unvernünftig".
Sie würde viel weniger für Roundup-Nutzer erreichen, die noch nicht mit (der Krebserkrankung Non-Hodgkin-Lymphom) NHL diagnostiziert wurden.
Vince Chhabria, Bundesrichter
Zum "effektiven Umgang" mit potenziell künftigen Klägern stellte das Unternehmen stattdessen einen "Fünf-Punkte-Plan" vor. Dieser umfasse "rechtliche als auch kommerzielle Schritte".
So plant der Konzern auch, eine Internetseite einzurichten, über welche sich Verbraucher über das Mittel informieren können. Er will zudem ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium einrichten, welches die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Sicherheit des Mittels überprüft und veröffentlicht.

Bisherige Kläger können auf Gelder hoffen

Für Vergleichsverhandlungen für bisherige Kläger sei das Unternehmen allerdings weiterhin offen, "soweit die Kläger den Teilnahmekriterien entsprechen und angemessene Ergebnisse erreicht werden können".
Dafür seien mehr als neun Milliarden Dollar für rund 125.000 Kläger vorgesehen, deren Klagen bereits eingereicht wurden oder in Vorbereitung sind, so der Konzern. Allerdings behalte sich Bayer vor, "regelmäßig zu prüfen, ob dieser Ansatz noch im besten Interesse des Unternehmens ist."

Ende von Roundup?

Gleichzeitig soll der Verkauf von Roundup für Privatkunden auf den Prüfstand gestellt werden. Bayer erklärte:
Das Unternehmen wird weiterhin auf dem US-amerikanischen Privatkundenmarkt aktiv sein, aber umgehend mit Partnern über die Zukunft von Glyphosat-basierten Produkten auf diesem Markt diskutieren.
Bayer
Bayer stellte jedoch gleichzeitig klar, dass die Verfügbarkeit von diesen Produkten für professionelle Nutzer und die Landwirtschaft von diesen Diskussionen nicht betroffen sei.

25 Millionen Dollar Schadensersatz

Bayer hatte Monsanto 2018 für rund 54 Milliarden Euro gekauft. Der Streit um den Unkrautvernichter Roundup ist für den Leverkusener Konzern bis heute eine juristische und finanzielle Belastung.
Bayer ist in den USA in drei Prozessen wegen Krebserkrankungen nach einer Nutzung von Roundup zu hohen Entschädigungszahlungen verurteilt worden. Erst Mitte Mai bestätigte ein Bundesberufungsgericht in San Francisco eine Verurteilung des Konzerns zu rund 25 Millionen Dollar Schadenersatz an einen an Krebs erkrankten Kläger.

Bayer bestreitet krebserregende Eigenschaften, Wissenschaft uneinig

Der Konzern bestreitet, dass der Unkrautvernichter krebserregend ist. Die Frage ist in der Forschung umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland sind zu dem Schluss gelangt, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgehe.
Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung 2015, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.
Quelle: AFP, Reuters, dpa

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