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: Spritpreise klettern: Wie Frust ausbleibt

von Marcel Burkhardt
23.09.2021 | 17:22 Uhr
Benzin und Diesel sind so teuer wie schon seit Jahren nicht mehr. Das bekommen besonders Verbraucher zu spüren. Diese Tipps helfen beim Sparen.
Der Benzinpreis in Deutschland zieht an. Aber es gibt Wege zu sparen.Quelle: dpa
Die Spritpreise steigen immer weiter. Superbenzin der Sorte E10 hat zwischenzeitlich ein Acht-Jahres-Hoch erreicht - am vergangenen Sonntag kostete der Kraftstoff laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,577 Euro je Liter. Zuletzt war Benzin 2013 teurer. Diesel erreichte am Sonntag mit 1,422 Euro seinen höchsten Preis seit 2018.

Warum sind die Spritpreise so stark gestiegen?

Als Treiber des aktuellen Anstiegs sieht der ADAC "Anhaltend teures Rohöl auf dem Weltmarkt sowie die saisonal steigende Heizölnachfrage".
Die Spritpreise sind seit rund zehn Monaten tendenziell im Steigflug. Diesel hat sich seit seinem letzten Tiefstand im Oktober vergangenen Jahres um rund 40 Cent verteuert. E10 hat seit einem Tief im April 2020 sogar fast 45 Cent zugelegt. Das hat mehrere Ursachen:
  1. Kohlendioxid-Aufschlag
  2. erhöhter Mehrwertsteuersatz
  3. höherer Ölpreis
  4. Die Preise waren durch die Corona-Pandemie auf sehr niedrigem Niveau
So hat der Gesetzgeber Anfang Januar 2021 als Klimaschutzmaßnahme einen Kohlendioxid-Aufschlag auf fossile Energie in Höhe von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) eingeführt.
Das heißt: Unternehmen, die mit Diesel und Benzin handeln, müssen diesen Preis zahlen. Die höheren Kosten werden an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben. Laut dem Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sind rund sieben Cent des Spritpreisanstiegs in dem CO2-Preisaufschlag begründet.
Drei Cent lassen sich mit dem seit Januar wieder erhöhten Mehrwertsteuersatz erklären, "der überwiegende Rest" ließe sich "auf den höheren Ölpreis" zurückführen, sagt MWV-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen.
Dass der Tank des Autos leer gefahren ist, passiert schneller als gedacht. Und das Liegenbleiben, vor allem an der Autobahn, kann auch schnell sehr viel kosten.

Setzt sich der Preisanstieg fort?

Preisprognosen fallen Branchenexperten schwer. Das bestätigt auch MWV-Chef Küchen:
Der Weltölmarkt ist immer wieder für Überraschungen gut - in beide Richtungen.
Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands
Nach der Corona-Krise zieht die globale Konjunktur einerseits zwar aktuell wieder deutlich an, was einige Ölhändler schon von 100 US-Dollar je Barrel Rohöl träumen lässt; derzeit beträgt der Preis der Nordsee-Ölsorte Brent etwa 76 US-Dollar.
Wegen der Corona-Krise waren die Spritpreise 2020 sehr niedrig. Warum 2021 teurer für Autofahrer und Autofahrerinnen wird.
Für Deutschland gilt außerdem: Der CO2-Aufschlag auf Benzin und Diesel wird Jahr für Jahr weiter steigen. Bleibt es bei den aktuellen Plänen, dürfte Benzin in vier Jahren etwa 15 Cent teurer sein als heute, Diesel sogar 17 Cent je Liter.

Wie lässt sich Benzin einsparen?

Auf unnötige Wege verzichten umweltbewusste Autofahrerinnen und Autofahrer seit langem. Bestimmte Strecken müssen aber mit dem Auto zurückgelegt werden - und den Wechsel zu einem Elektromobil muss man sich trotz staatlicher Förderungen und Kaufanreize der Hersteller und Händler erstmal leisten können.
Was auf die Schnelle hilft: zum Beispiel einmal im Monat den Reifendruck prüfen. Denn wer mit deutlich weniger Reifendruck als vom Autohersteller vorgeschrieben unterwegs ist, verbraucht bis zu 30 Prozent mehr Kraftstoff.
Vor 60 Jahren wurde das Öl-Kartell gegründet. Seitdem sinkt dessen Einfluss - eine Geschichte von Macht und Ohnmacht.
Deutlich sparen kann auch, wer sein Auto von unnötigem Ballast befreit und von der Werkstatt in regelmäßigen Abständen Einspritzdüsen, Luftfilter und Klimaanlage prüfen lässt. Sind die Düsen verklebt, die Filter verstopft oder ist die Klimaanlage falsch eingestellt, kann das unnötig viel Kraftstoff kosten.
Verkehrsexperten weisen zudem stets auf das Einsparpotenzial durch vorausschauendes Fahren hin - das kann vor allem auf langen Autobahnfahrten etwas einbringen.

Warum besser nicht in der Früh vor der Arbeit tanken?

Einer Analyse des Automobilclubs ADAC zufolge müssen Autofahrer zwischen fünf und acht Uhr morgens am meisten für den Sprit zahlen. Danach sinken die Preise, um später am Vormittag wieder anzuziehen.
Die Experten beobachten im gewöhnlichen Tagesverlauf Wellenbewegungen bei den Preisen - ein ständiges Auf und Ab um mehrere Cent. Wer Pech hat, tankt morgens um sieben Uhr zehn Cent teurer als zwölf Stunden später. Am günstigsten ist das Betanken des Autos demnach zwischen 18 und 22 Uhr.
Eine Reihe von Apps und Online-Portalen helfen Autofahrern mit Echtzeitdaten beim Preisvergleich. Ein Einsatz der Technik kann sich auf Dauer lohnen.

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