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: Konzerne verkaufen Wohnungen an die Stadt

17.09.2021 | 16:54 Uhr
Die Mieten in Berlin steigen und steigen. Nun will die Stadt mit Wohnungskäufen von Konzernen gegensteuern. Ein spektakuläres Geschäft, kurz vor der Wahl.
Wohnungen in BerlinQuelle: epa
Nach monatelangen Verhandlungen ist ein milliardenschweres Geschäft zur Kommunalisierung von Wohnungen in Berlin unter Dach und Fach. Drei landeseigene Gesellschaften kaufen den Konzernen Vonovia und Deutsche Wohnen 14.750 Wohnungen sowie 450 Gewerbeeinheiten ab und zahlen dafür 2,46 Milliarden Euro. Das gaben alle Beteiligten am Freitag bekannt.
Das Geschäft eine Woche vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus gilt als größtes dieser Art seit langem in der Hauptstadt. Ursprünglich hatten die Unternehmen dem Land bis zu 20.000 Wohnungen angeboten. Die rot-rot-grüne Landesregierung verfolgt das Ziel, durch Neubau und Ankäufe den kommunalen Wohnungsbestand zu erweitern. Sie hofft so, mehr Einfluss auf den angespannten Wohnungsmarkt zu haben und den Anstieg der Mieten bremsen zu können.
"Wohnen und Mieten" ist eines der hochstehenden Wahlkampfthemen in Berlin, jede Partei bezieht dazu Position. Am Tag der Wahl des Abgeordnetenhauses wird es auch einen Volksentscheid geben - darüber, ob Wohnkonzerne enteignet werden können sollen.

Konzerne: Viele Gewinner und keine Verlierer

"Der Wohnungsankauf steht exemplarisch für ein soziales Berlin", sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Die schätzungsweise gut 30.000 betroffenen Mieterinnen und Mieter hätten nun Sicherheit, "dass ihre Wohnungen dauerhaft im preisgünstigen Segment liegen werden". Die Chefs von Vonovia und Deutsche Wohnen, Rolf Buch und Michael Zahn, zeigten sich ebenso zufrieden mit dem Deal, der viele Gewinner und keine Verlierer kenne.
Beide Konzerne, die die Nummern 1 und 2 auf dem deutschen Wohnungsmarkt sind und im Zuge eines zähen Prozesses auf dem Aktienmarkt zusammengehen wollen, stoßen damit rund zehn Prozent ihrer Bestände in Berlin ab. Gut 10.000 der Wohnungen stammen von der Deutsche Wohnen und 4.250 von Vonovia. Der Bestand an kommunalen Wohnungen wiederum erhöht sich auf etwa 355.000. Das sind gut ein Fünftel der 1,67 Millionen Mietwohnungen in der Hauptstadt.

Wohnungsbau soll trotzdem weitergehen

Die drei städtischen Gesellschaften Howoge, Degewo und Berlinovo finanzieren das Geschäft mit Krediten. Befürchtungen etwa aus dem Berliner Abgeordnetenhaus, dass sie durch diese zusätzliche Last Abstriche beim dringend nötigen Wohnungsbau machen müssen, wiesen sie zurück.
Wir werden den Neubau genauso wie bisher fortführen, es darf sogar noch mehr sein.
Ulrich Schiller, Howoge-Geschäftsführer
Mietpreise für Wohnungen sind auch ein großes Wahlkampfthema. Denn rund die Hälfte der Bevölkerung wohnt hierzulande zur Miete.

Kaufpreis unter Marktwert

Die Wohnungen in dem Paket verteilen sich auf alle zwölf Berliner Bezirke und sind mit einer Durchschnittsgröße von 68 Quadratmetern eher klein. Ganze Siedlungen sind dabei, etwa das Falkenhagener Feld in Spandau, die Thermometersiedlung in Lichterfelde und die High-Deck-Siedlung in Neukölln, aber auch kleinere Bestände.
Als durchschnittlichen Kaufpreis nannte Finanzsenator Kollatz um die 2.400 Euro je Quadratmeter. Das wären also im Mittel gut 163.000 Euro je Wohnung. Es handelt sich um den Ertragswert, der unter dem Marktwert liegt. Sie seien als "erschwinglicher Wohnungsbestand zu bewerten", meinte der Senator. Vonovia-Chef Buch sprach von einem "fairen Preis".

Zusätzliche Investitionen in die Wohnungen sind nötig

Ein Teil der Wohnungen war schon einmal in kommunaler Hand. Vor ein bis zwei Jahrzehnten hatte Berlin um die 200.000 Wohnungen zu vergleichsweise niedrigen Preisen abgestoßen - was heute allgemein als Fehler gewertet wird.
Zu Zustand und Alter der Quartiere hieß es, manche stammten aus den 70er oder 80er Jahren, andere seien erst vor wenigen Jahren gebaut worden. Teils seien sie saniert, teils aber auch - wie in den 70er und 80er Jahren üblich - Asbestplatten im Bodenbelag verbaut. Die kommunalen Gesellschaften bezifferten die zusätzlichen Investitionen, die sie in den kommenden Jahren für Sanierung oder technische Instandsetzung in die Hand nehmen wollen, auf rund 380 Millionen Euro.
Quelle: dpa

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