: Zwischen Rabattschlacht und Lieferengpässen

von Elisabeth Schmidt
22.11.2021 | 16:46 Uhr
Die Werbung verspricht "Mega-Deals". Doch lohnen die Schnäppchen wirklich? Und welche Geschenke kommen zu Weihnachten pünktlich an? Worauf Sie in der Black Week achten sollten.
In der Black Week locken Händler mit satten Rabatten. Archivfoto Quelle: dpa
Die laut Handel größte Preisschlacht des Jahres mit Höhepunkt am Black Friday, dem 26. November, ist wieder ausgebrochen. Beim Blick auf Werbeprospekte und Social-Media-Timelines entsteht der Eindruck: lauter und schriller denn je! Der pandemiegeplagte Einzelhandel rechnet in dieser Woche mit 4,9 Milliarden Euro Umsatz, 27 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, als viele Schnäppchenjäger virusbedingt lieber zuhause geblieben sind.
"Wir haben volle Sparkonten", freut sich Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland. Viele sind 2020/21 nicht in den Urlaub gefahren und hielten sich auch bei größeren Anschaffungen insgesamt eher zurück.
"Letztes Jahr haben die Bürger über 100 Milliarden Euro zusätzlich gespart. Das heißt, die Kaufkraft ist da.
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland
Mit Rabatten von bis zu 75 Prozent sollen Schnäppchenjäger in den nächsten Tagen in Läden oder Online-Shops gelockt werden. "Günstiger wird’s nicht", verspricht etwa eine große Elektrofachmarktkette.
Er gilt als das Shopping-Event im Jahr: Ende der Woche ist wieder der "Black Friday". Aber die große Rabattschlacht geht online schon früher los. Heute starten viele Unternehmen in die "Black Friday"-Woche. Lohnt es sich, schon heute zuzuschlagen und auf was sollte ich achten?

Preise über längeren Zeitraum beobachten

Das Vergleichsportal "idealo", das in jeder Black Week das Preisniveau von etwa 10.000 Produkten untersucht, kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis:
Das Spar-Potenzial im letzten Jahr lag im Durchschnitt bei vier Prozent.
Preisexperte Michael Stempin
In diesem Jahr soll es ähnlich niedrig sein. Das meiste – zehn Prozent und mehr – hätten Verbraucherinnen und Verbraucher 2020 etwa bei Kopfhörern, Computermäusen oder -spielen sparen können. Bei Smartphones, Monitoren oder Kaffeemaschinen seien im Schnitt nur zwei bis drei Prozent drin gewesen.

Black Week, Black Friday, Cyber Monday

Seinen Ursprung hat der Black Friday in den USA. Hier gilt der Aktionstag seit Jahrzehnten als umsatzstärkster Tag des Einzelhandels. Jahr für Jahr versammeln sich Millionen von Amerikanerinnen und Amerikanern in der Nacht nach Thanksgiving in endlosen Schlangen vor den Eingangstüren der Händler, um beim Startschuss die besten Schnäppchen ergattern zu können. Dabei kommt es nicht selten zu tumultartigen Wettrennen und regelrechten Kämpfen um die begehrtesten Doorbuster-Deals, also die Lockvogel-Angebote. In Deutschland wird der Black Friday seit 2006 begangen. Apple brachte damals als erstes Unternehmen die aus den USA bekannten Angebote nach Deutschland und veranstaltete in seien Stores ein eintägiges Shopping-Event nach Vorbild des amerikanischen Black Fridays. Nach und nach sprangen immer mehr Händler auf das Thema auf und feierten den Black Friday ebenfalls mit besonderen Rabatten und Sale-Aktionen. Dabei beschränken sich die Händler längst nicht mehr nur auf den Freitag, sondern weiten ihre Aktionen immer öfter zu einer ganzen Black Week, einem Black Weekend oder bis zum Cyber Monday aus. Quelle: blackfriday.de
Oft werde nämlich die Unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers als Referenz genommen - ein Preis, der deutlich höher ist als der, zu dem Waren in der Regel im Handel angeboten werden.
Ein vermeintlicher Black-Week-Rabatt könne sich auf diese Weise schon über Monate hinweg von der UVP an den Marktpreis angepasst haben. "idealo" rät deshalb, die Preise am besten über einen längeren Zeitraum zu beobachten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was echte Schnäppchen seien.
Heute beginnt die "Black Week": Eine Woche lang soll es im Netz und Geschäften besondere Schnäppchen geben. Wie viel günstiger sind Elektronikgeräte, Kleidung und Kosmetik dabei wirklich?

Handel sieht keine flächendeckenden Lieferengpässe

Was die Rabatte in diesem Jahr zusätzlich schmälert, sind die weltweiten Lieferengpässe, die Halbleiter- oder die Papierkrise. In einigen Elektrofachmärkten machen sich diese bereits bemerkbar. "Geschirrspüler sind tatsächlich ein ganz schwieriges Thema", berichtet Henrike Haußmann, Geschäftsführerin einer "Euronics XXL"-Filiale in Niedersachsen.
Auch Drucker seien zum Teil nicht mehr nachbestellbar, ebenso die neuesten Smartphones und Spielekonsolen. Panikweihnachtskäufe seien laut Handelsverband aber nicht nötig: Es gebe keine flächendeckenden Lieferengpässe, lediglich punktuelle Probleme und nur bei bestimmten Produkten.
Die deutschen Einzelhändler hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Doch aufgrund von Corona gibt es große Lieferengpässe, gerade bei Elektroartikeln und Spielsachen.

Was Kunden bei verspäteter Lieferung bleibt

Sollten Artikel trotz Lieferversprechens nicht pünktlich ankommen, rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen Kundinnen und Kunden, dem Verkäufer zunächst eine angemessene Frist zu setzen. Was angemessen sei, hänge vom Einzelfall ab.
Die ursprüngliche Lieferfrist biete dabei eine gute Orientierung. Erfolgt auch dann keine Zustellung, könnten Kundinnen und Kunden von ihrem Kaufvertrag zurücktreten – unabhängig davon, wer für die Verspätung verantwortlich ist, etwa der Paketdienst oder der Verkäufer selbst. Angebotene Ersatzprodukte müsste die Bestellerin oder der Besteller nicht akzeptieren.
Elisabeth Schmidt ist Reporterin im ZDF-Studio Niedersachsen.

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