: Arme Länder erholen sich kaum von Corona

11.10.2021 | 20:46 Uhr
Während sich reiche Staaten von der Pandemie wirtschaftlich erholen, fehlt armen Ländern immer noch Impfstoff und finanzieller Spielraum. Der Aufschwung sei "dramatisch ungleich".
Weltbank: Ärmere Länder verpassen eine Erholung von der Corona-Krise. Quelle: Reuters
Ärmere Länder profitieren nach Ansicht der Weltbank kaum von der wirtschaftlichen Erholung von der Corona-Krise. Der Aufschwung sei "dramatisch ungleich", und Entwicklungsländer stünden weiter vor großen Herausforderungen, mahnte Weltbank-Präsident David Malpass zu Beginn der gemeinsamen Jahrestagung der Organisation mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF).
Weil den ärmeren Ländern Impfstoffe und der finanzielle Spielraum zur Unterstützung der Konjunktur fehlten, wachse die Ungleichheit zwischen Ländergruppen.
Das Pro-Kopf-Einkommen in Industrieländern soll 2021 um fast 5 Prozent wachsen, aber nur 0,5 Prozent in den armen Ländern.
David Malpass, Weltbank-Präsident
UN-Generalsekretär Guterres hat mangelnde globale Solidarität in der Corona-Pandemie beklagt. Die ärmeren Staaten bräuchten Unterstützung, um die Folgen der Krise zu überstehen.

Verschuldung bremst Entwicklung der armen Länder aus

Für viele Entwicklungsländer werde es Jahre dauern, bis das Einkommensniveau wieder auf den Wert von vor der Pandemie steigen werde. Die Pandemie habe zu einer "tragischen Umkehr" des Trends für Entwicklungsländer und der Verringerung der Armut geführt.
Der Weltbank zufolge stieg die Verschuldung der armen Länder 2020 um 12 Prozent auf 860 Milliarden Dollar. Die Verschuldung bremse die Entwicklung vieler ärmerer Staaten aus und müsse auf ein nachhaltiges Niveau gebracht werden.
Malpass will eine umfassende Herangehensweise an das "Schuldenproblem" und fordert konkret:
  • Schuldenreduzierungen
  • schnellere Restrukturierungen
  • verbesserte Transparenz

Top-Themen bei IWF-Tagung

Für die Jahrestagung von IWF und Weltbank kommen Finanzminister, Zentralbanker sowie Vertreter aus der Finanzwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit zusammen. Die bis Sonntag dauernde Tagung findet in einem hybriden Format statt, also teils in Washington und teils online.
Darum geht es bei der Tagung:
  • Überwindung der Corona-Krise
  • Klimawandel
  • Bekämpfung von Armut und Steuerflucht
  • Mindeststeuer für Unternehmen
An einigen Beratungen wollen auch der deutsche Finanzminister Olaf Scholz, Bundesbankchef Jens Weidmann und die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, teilnehmen.

IWF-Chefin steht wegen Manipulationsvorwürfen unter Druck

Überschattet wird das Treffen von einem Skandal, der die Position von IWF-Chefin Kristalina Georgiewa infrage stellt. Der 68-Jährigen wird vorgeworfen, auf ihrem vorigen Spitzenposten bei der Weltbank ein wichtiges Länderranking zugunsten Chinas beeinflusst zu haben. Georgiewa weist dies zurück.

Was wird der IWF-Chefin vorgeworfen?

Quelle: Jose Luis Magana/AP/dpa
Hintergrund ist ein Untersuchungsbericht der Kanzlei WilmerHale, wonach führende Vertreter der Weltbank - darunter deren damalige Geschäftsführerin Georgiewa - "unangemessenen Druck" auf Mitarbeiter ausgeübt haben sollen, um China im Ranking des "Doing Business"-Berichts für 2018 besser abschneiden zu lassen. China landete schließlich auf Platz 78, nachdem es im ersten Entwurf zunächst auf Rang 85 gelegen hatte.

Der Bericht bewertet das Investitionsklima und die Wirtschaftsfreundlichkeit eines Landes. Zu der Zeit versuchte die Weltbank Unterstützung von der Regierung in Peking für eine große Kapitalerhöhung zu bekommen.

Quelle: dpa

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