: An den Aktienmärkten herrscht Zuversicht

von Jan-Ole Kraksdorf
28.12.2020 | 13:52 Uhr
2021 soll das Jahr der Erholung werden. In der Wirtschaft und an den Aktienmärkten soll es aufwärts gehen. In der Finanzwelt dominieren bei den Jahresprognosen die Optimisten.
Auch an der Frankfurter Börse soll 2021 vieles besser werden (Archivbild).Quelle: DPA
Am Ende des Jahres sieht es fast so aus, als sei gar nichts gewesen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) steht auf dem höchsten Stand seit über neun Monaten. Am Montagmorgen ist der Dax auf Rekordhoch von 13.795,37 Punkten gestiegen. Lediglich der harte Shutdown vor Weihnachten hat die Rally stoppen können. Dass das so ist, liegt vor allem an politischen Maßnahmen und daran soll sich auch 2021 wenig ändern, sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).
Die einzelnen Staaten wollen das Verhalten ihrer Bürger lenken und gleichzeitig mit unterstützenden Maßnahmen zur Seite stehen.
Gertrud Traud, Helaba-Chefvolkswirtin
"Diese Strategie wird üblicherweise als erzieherische Arbeit bezeichnet." Wie erfolgreich diese "Erziehung" wird, ist noch offen. Die Helaba hat dieses Bild inspiriert: Die Prognosen für das kommende Börsenjahr werden als "Nanny"-Szenario beschrieben.

Das Börsenjahr 2020

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus, der Stillstand fast der gesamten Weltwirtschaft, abgerissene Lieferketten und geschlossene Geschäfte haben tiefe Spuren hinterlassen. Mitte März standen die Aktienkurse gut 40 Prozent unter dem Vorkrisenstand.

Notenbanken und Staaten reagierten umgehend. Die Geldpolitik senkte entweder die Zinsen oder öffnete weiter die Schleusen, um die Märkte und die Wirtschaft mit billigem Geld zu versorgen. Am Ende des Jahres haben deutsche Aktien fast die alten Höchststände erreicht. In den USA markierten einige Indizes sogar neue Rekorde.

Die Stunde des Staates

Die Politik machte Nothilfen frei, ermöglichte Überbrückungskredite, übernahm Bürgschaften. In Deutschland wurde vor allem das Kurzarbeitergeld das Mittel der Wahl gegen Massenentlassungen.

Zwischenzeitlich gab es mehr als zehn Millionen Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter in Deutschland, für die der Staat einen Löwenanteil des Lohns übernahm. Hinzu kamen Steuererleichterungen und steuerlich geförderte Kaufanreize, vor allem für E-Autos und Plug-In-Hybride.

Gewinner und Verlierer

Der weltweite Lockdown hat auch in der Börsenlandschaft tiefe Spuren hinterlassen. Die Lufthansa wurde in ihren Geschäftsaktivitäten auf den Stand der 1950er Jahre zurückgeworfen. Folglich musste die Aktie Ende Juni 2020 nach 32 Jahren ununterbrochener Mitgliedschaft den Deutschen Aktienindex (Dax) verlassen.

Auf das Gründungsmitglied folgte mit der "Deutsche Wohnen" ein weiterer Immobilienkonzern. Auch in der Krise ist das Geschäft mit Mietwohnungen lukrativ. Als weiterer Dax-Neuling folgte im August der Lieferdienst Delivery Hero als einer der deutlichen Profiteure der Krise. Das Unternehmen ersetzte den Skandalkonzern Wirecard.

Die Wirecard-Pleite

Noch nie in der Geschichte der Börse ist ein Dax-Konzern in die Pleite gerutscht. Wirecard schaffte nicht nur diese Premiere. Davor machte der Zahlungsdienstleister mit Luftbuchungen und "verschwundenen" Milliardenumsätzen von sich reden. Derzeit befindet sich der Vorstandschef in Untersuchungshaft; ein weiterer Vorstand ist auf der Flucht.

Der Skandal wirft weiter Fragen auf. So muss sich die Prüfungsgesellschaft EY fragen lassen, wie sie jahrelang die erfundenen Jahresabschlüsse von Wirecard testieren konnte. Auch die Aufsichtsbehörde BaFin hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie ging Hinweisen von Journalisten der "Financial Times" nicht nach. Außerdem zockten BaFin-Mitarbeiter mit Wirecard-Aktien.

Quelle: Jan-Ole Kraksdorf

Politische Eingriffe nicht nur positiv

"Deutschland ist in der Krise bislang besser gefahren als viele seiner Nachbarn", erklärt Traud.
Das exportabhängige Land ist aber darauf angewiesen, wie es künftig um die Prinzipien der internationalen Arbeitsteilung und des freien Wettbewerbs bestellt sein wird.
Gertrud Traud
Auch 2021 stehen die Handelskonflikte in fast allen Ecken der Welt einem freien Warenverkehr im Weg.
Für die Exportnation Deutschland ist das eine Herausforderung. Auf der einen Seite setzt das Land gemeinsam mit der EU auf weitere Handelsbündnisse, auf der anderen Seite aber auch auf den kommenden US-Präsidenten Joe Biden, der die Trump’sche "America First"-Politik zumindest relativieren soll.

Alles auf Neuanfang bei den USA

Ein Neuanfang im Verhältnis zu den USA ist einer der Hoffnungsträger für das kommende Börsenjahr, die Hoffnung auf eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft ein weiterer. Carsten Klude von der Privatbank MM Warburg ist sich sicher:
Im nächsten Jahr wird es zu einem synchron verlaufenden Aufschwung in den Industrie- und Schwellenländern kommen.
Carsten Klude, Privatbank MM Warburg
Ein Grund liegt natürlich in der Schwere des Absturzes der Wirtschaft in diesem Jahr, ein anderer in den getroffenen Corona-Maßnahmen und den großen Hoffnungen auf einen Impfstoff. [Seit Sonntag wird EU-weit geimpft. Welche Folgen ein deutscher Alleingang bei der Zulassung gehabt hätte, lesen Sie hier.]
Ein weiterer Grund liegt in den Unternehmen selbst, erklärt Carsten Kahler, Analyst bei der DZ Bank:
Die Unternehmensgewinne dürften 2021 und 2022 deutlich wachsen. Die starken Unternehmen setzen in der Krise schwache Konkurrenten unter Druck und werden profitabler.
Carsten Kahler, Analyst der DZ Bank
"Überproportionale Gewinnsteigerungen bei einzelnen Konzernen sind denkbar, weil 2020 die Kosten gesenkt wurden", so Kahler. Es ist also auch eine Frage der Effizienz und Beweglichkeit der Firmen. An der Börse herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Dax das Zeug dafür hat, im Jahr 2021 an der Marke von 14.000 Punkten zu kratzen.

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