: Steigende Preise als zusätzliche Belastung

von Jörg Göbel und Felix Klauser
01.06.2021 | 05:30 Uhr
Arme Menschen werden in der Pandemie nicht ausreichend unterstützt, warnen Sozialverbände. Hinzu kommt: Steigende Lebensmittelpreise verschärfen die Situation.
Rund zwei Millionen Menschen nutzen regelmäßig Tafelangebote - in Zeiten der Pandemie ging das aber nicht. Quelle: dpa
In der Corona-Pandemie haben laut Paritätischem Wohlfahrtsverband sozial Schwache zu wenig staatliche Unterstützung erhalten. Die öffentliche Hand habe 2020 und 2021 etwa 500 Milliarden Euro ausgegeben, um die Folgen der Pandemie abzufedern.
Doch nur 1,6 Milliarden Euro seien an Transferleistungsempfänger geflossen.
Das ist ein Armutszeugnis für die Politik.
Ulrich Schneider, Geschäftsführer Paritätischer Wohlfahrtsverband
So kritisiert Ulrich Scheider, Geschäftsführer des Sozialverbandes gegenüber Frontal 21. Menschen, die auf Hartz IV, Grundsicherung im Alter sowie Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz angewiesen sind, seien von der Politik vernachlässigt worden. Das sind in Deutschland etwa sieben Millionen Menschen.

Erstmalig Corona-Zuschlag für Erwachsene

Zu den direkten staatlichen Hilfen zählt der Paritätische Wohlfahrtsverband anteilig den Kinderbonus in Höhe von 300 Euro pro Kind 2020 und in Höhe von 150 Euro in diesem Jahr.
Außerdem erhalten in diesem Mai erstmalig Erwachsene einen Corona-Zuschlag in Höhe von 150 Euro, wenn sie Bezieher von Grundsicherung oder Sozialgeld sind.
Durch die neu beschlossenen Corona-Hilfen des Bundestags erhalten Familien einen Kinderbonus von 150 Euro pro Kind. Auch Gaststätten sollen entlastet werden.

Pandemiefolgen für Arme

Dabei seien arme Menschen wirtschaftlich besonders von der Pandemie betroffen, so Schneider. Ihre Einkommenssituation habe sich zwar kaum verändert, doch die Ausgaben vor allem für Lebensmittel seien gestiegen.
So seien über Monate die Lebensmittelausgaben der Tafeln geschlossen oder eingeschränkt gewesen, obwohl etwa zwei Millionen Menschen regelmäßig die Angebote nutzen würden. Außerdem seien für Kinder die Mittagsverpflegung in Schulen und sozialen Einrichtungen weggefallen. Und auch der Kauf von Masken oder Desinfektionsmitteln habe gerade arme Menschen wirtschaftlich härter getroffen als andere.

Eier und Gemüse teurer geworden

Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie kommen jetzt noch steigende Preise hinzu. Die Inflation ist in Deutschland im Mai nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Bundesbank rechnet bis zum Jahresende sogar mit einem Anstieg auf bis zu vier Prozent. Menschen mit geringen Einkommen seien besonders von einer Inflation betroffen, argumentiert Schneider:
Die Preise steigen bei dem, was man täglich braucht. So rutschen Menschen noch weiter in die Armut.
Ulrich Schneider, Geschäftsführer Paritätischer Wohlfahrtsverband
Tatsächlich sind Lebensmittel sind teurer geworden. So haben sich Eier im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent verteuert, Gemüse um sieben Prozent (Quelle: AMI, vorläufige Zahlen Mai 2021). Der Preis für Superbenzin ist im Vergleich zum Vorjahr laut Statistischem Bundesamt um 25 Prozent gestiegen.

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