: Was ist dran an den Corona-Versicherungen?

von Lukas Wilhelm
09.04.2021 | 06:21 Uhr
Versicherungen bieten in sozialen Netzwerken, auf Flyern und per Brief Schutz gegen Impfschäden an. Eine Verbraucherschützerin und ein Versicherungsexperte sehen das kritisch.
Mitarbeiterin des Impfzentrums spritzt einer Frau eine ImpfdosisQuelle: dpa
Bei Corona-Impfungen herrsche große Unsicherheit und Informationsbedarf, behauptet eine große deutsche Versicherung auf ihrer Website. "Sollte es also durch die Covid-19-Schutzimpfung zu Impfschäden kommen, sind wir für Sie da!" bewirbt eine andere Versicherung ihr Angebot im Netz.
Die Lösung, so behaupten die Anbieter: eine Unfallversicherung, die auch bei Corona-Impfschäden zahlt. Vor allem in sozialen Netzwerken verbreiten sich die Angebote.

Lohnt es sich vor einer Corona-Impfung extra eine Versicherung abzuschließen?

Nein, sagt die Verbraucherzentrale NRW. Im Netz warnen die Verbraucherschützer:
Hier spielen Versicherungen mit den Ängsten der Menschen.
Bevor man darüber nachdenkt eine solche Versicherung abzuschließen, sollte man prüfen, welchen Versicherungsschutz man bereits hat", rät Elke Wiedenbach von der Verbaucherzentrale NRW. "Ein Schaden durch eine Impfung könnte beispielsweise auch durch die Berufsunfähigkeitsversicherung abgedeckt werden", erklärt sie.
Die Krankenversicherungen kämen ohnehin für die Behandlungskosten auf. Wenn Versicherte infolge eines Impfschadens nicht mehr arbeiten könnten, zahle die Deutsche Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente, erklärt die Verbraucherzentrale auf ihrer Website.

Unvallversicherung zahlt erst bei Invalidität

Wichtig sei, dass die Unfallversicherung ohnehin nur dann greife, wenn infolge einer Impfung dauerhafte gesundheitliche Schäden nachgewiesen würden. Wie viel die Versicherung zahlt, hänge dann vom sogenannten Invaliditätsgrad ab.
Liegt kein Invaliditätsgrad vor, "zahlt die Unfallversicherung gar nichts", erklärt Tim Frank, Versicherungsmakler aus Berlin. Eine Absicherung gegen geläufige Impfreaktionen wie Rötungen, Fieber oder Schmerzen an der Einstichstelle ist die Unfallversicherung damit nicht.
In Zukunft sollen Corona-Impfungen auch in Hausarztpraxen durchgeführt werden. Ab wann mit dieser Impfkampagne gestartet wird, ist allerdings noch unklar.

Risiko sollte abgewogen werden

Außerdem sei wichtig zu prüfen, wie hoch das Risiko ist, gegen das man sich versichert. Frank verweist in diesem Zusammenhang auf die üblichen Strategien von Versicherungen.
"Wenn Versicherungen zu Corona-Impfschäden schnell eine Vielzahl von Angeboten aufstellen und bewerben, kann man davon ausgehen, dass die Versicherungen nicht damit rechnen, dass sie oft zur Kasse gebeten werden", erklärt er.

Versicherungsmakler: Corona-Angebote zum Teil "Angstmache"

Die Anbieter seien sich des geringen Risikos bewusst, das von einer Impfung gegen Covid-19 ausgehe, so Frank weiter. Manche Angebote seien reine "Angstmache". "Das stärkste Argument, Versicherungen zu verkaufen, ist die Angst", sagt Frank. So laufe es in diesem Fall bei einigen Angeboten.
Der Berliner Versicherungsmakler spricht sich klar gegen eine Unfallversicherung aus, die einzig und allein aus Angst vor einer Corona-Impfung abgeschlossen wird. "Aus meiner Sicht ist es viel wichtiger, einen guten grundsätzlichen Versicherungsschutz unabhängig von einem Impfschaden zu haben."
Stadt Hof in Bayern. Im örtlichen Seniorenheim sind etliche Bewohner an Covid-19 erkrankt - obwohl sie bereits geimpft waren. Die Impfung habe aber trotzdem gewirkt, da allen Erkrankten ein schwerer Verlauf erspart geblieben sei.

Ansprüche bestehen auch per Gesetz

Bei Impfschäden stehe Betroffenen zudem ein Entschädigungsanspruch gegen den Staat zu, erklärt Mareike Hamm aus der ZDF-Redaktion Recht und Justiz.
Geregelt sei dies im Infektionsschutzgesetz und im Bundesversorgungsgesetz. Der Staat müsse dann die anfallenden Behandlungs- und Pflegekosten übernehmen, unter Umständen sogar für einen Berufsschaden entschädigen.

Zusammenhang jedoch schwer nachweisbar

Trotzdem gehen Betroffene häufig leer aus. Der Grund: Für den Anspruch muss ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Gesundheitsschaden nachgewiesen werden. Es reicht nicht aus, dass der Schaden nur möglicherweise auf die Impfung zurückzuführen ist. Den Betroffenen gelingt dieser Nachweis jedoch nur in den wenigsten Fällen.
Das gleiche Problem stelle sich bei privaten Versicherungsträgern. Auch die verlangen den Nachweis, dass der Impfschaden ursächlich auf der Impfung beruht. Eine zusätzliche Versicherung bringe daher in den seltensten Fällen etwas, so das Fazit von Mareike Hamm.     

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